Marcus Miller bei der jazzopen stuttgart 2018

Marcus Miller, bass
Alex Han, sax
Brett Williams, keys
Russell Gunn Jr., trumpet
Alex Bailey, drums

Ludwigsburg, 17.7.2018

„our music is full of energy!“

Heute trat in der Ludwigsburger Scala im Rahmen der Stuttgarter Jazz Open Marcus Miller auf, der mit einundzwanzig Jahren zur Miles Davis Band berufen wurde und dort nicht nur als Bassist fungierte, sondern auch viele Songs komponierte und ganze Alben arrangierte. Heute zählt er unbestritten zu den gefragtesten Bassisten des Jazz und er ist mit seinem von ihm mitgeprägten Slapstil immer noch einer der Protagonisten des modernen Funkjazz.

Also noch ein weiterer ganz großer Jazzbassist auf dem Festival, wobei alle erstklassig waren und dabei so unterschiedlich, dass sie das gesamte Spektrum abdeckten, das dieses Instrument bieten kann. Dass Marcus Miller ein genialer Bassist ist, steht außer Frage und sein Auftritt wurde diesen hohen Ansprüchen durchgehend gerecht, die eigentliche Klasse des Konzertes ergab sich jedoch durch seine kompositorischen Fähigkeiten und seine hervorragenden Arrangements. Dass solche Jazzlegenden auch für andere Musiker als Magnet wirken, versteht sich von selbst, und so hatte Miller eine exzellente Band dabei. Brett Williams an den Keyboards und Alex Bailey an den Drums, Russell Gunn Jr. an der Trompete und Alex Han am Altsaxophon. Vor allem die beiden Bläser beeindruckten durch rasantes und frenetisches Spiel, das sich zu höchstem Hörgenuss steigerte. Marcus Miller war dabei stets die lenkende und organisierende Kraft und ein weiterer Höhepunkt war sein wundervolles Spiel auf der recht selten zu hörenden Bassklarinette. Zum Ende des Konzertes kam dann noch der achtzehnjährige Nachwuchsgitarrist Tom Ibarra auf die Bühne, der mit seiner eigenen Band schon als Vorgruppe das Publikum begeistert hatte. Wie selbstverständlich fügte er sich virtuos in die Band ein und trug noch einmal zu einer Steigerung der Intensität bei.

Neben Klassikern wie Amandla und Tutu wurden auch viele Stücke aus dem neuen Album „Laid Black“ vorgestellt, wobei ein besonders intimer Moment entstand, als Miller erläuterte, dass er aus Anlass des kürzlich erfolgten Todes seines Vaters das biografische Stück „Preacher’s Kid“ noch einmal neu eingespielt habe.

Alles in Allem ein grandioses und mitreißendes Konzert, das Marcus Miller in einer Ansage selbst völlig treffend charakterisierte: „our music is full of energy!“ Wir haben es genau so erlebt.

Markus Minberg