In Memoriam Herbert Joos

Theaterhaus Stuttgart am 12.1.2020

Patrick Bebelaar, piano
Wolfgang Puschnig, sax
Matthias Rüegg, piano
Günter ‚Baby‘ Sommer, drums
Paul Schwarz, piano
Jürgen Wuchner, bass
Thomas Siffling, trp
Frank Kroll, cl
Clemens Salesny, sax
Gee Hye Lee, piano
Frank Kuruc, guitar

Er hat sich lächelnd verabschiedet

Herbert Joos, ein großer Trompeter der europäischen Jazzszene, hat sich am 7. Dezember 2019 im Alter von 79 Jahren aus diesem Leben verabschiedet. Für den zuletzt in Stuttgart lebenden gebürtigen Karlsruher war das Theaterhaus so etwas wie sein Wohnzimmer. Hier feierte er große Konzerte, hier sollte er auch ein letztes Mal im Mittelpunkt stehen.

Für Theaterhaus-Haus Chef Werner Schretzmeier eine klare Angelegenheit; er lud am 12. Januar Musiker mit Rang und Namen ein, die Joos auf seinem musikalischen Weg begleiten durften. Krankheitsbedingt musste Saxophon-Professor und Südpool Jazz Project-Bandkollege Bernd Konrad leider absagen, dafür waren alle anderen gekommen!

Bevor diese jedoch in verschiedensten Besetzungen die vollbesetzte Halle T1 (777 Besucher waren gekommen) mit ihrem Ohrenschmaus begeisterten, eröffnete Schretzmeier das Gedenkkonzert mit den Worten; „Es ist verbrieft – er hat sich mit einem Lächeln verabschiedet!“.

„Kennzeichnend“ seien seine musikalischen Bilder gewesen, die er sowohl in Töne kleidete, als auch aufs Zeichenpapier brachte. Der Journalist Thomas Staiber wies in seiner späteren Rede ebenfalls auf die seltene Doppelbegabung des Musikers hin, der den Zeichenstift so virtuos führte wie er wundervolle Klangcollagen aus Trompete, Flügelhorn (und Alphorn) zauberte.

Musikalische Reminiszenzen

Den musikalischen Auftakt gestaltete Günter ‚Baby‘ Sommer mit einem Schlagzeugsolo, das den Titel „Poesie and Drums“ hätte tragen können. Reime und Lautmalereien gepaart mit spannenden Grooves auf einem eher ungewöhnlich zusammengestellten Drumset (inkl. Bongos, Oceandrum, Timbales, Pauke); selbst vor einer Mundharmonika mit Harmonica Holder á la Bob Dylan schreckte er nicht zurück. Das alles, äußerst kreativ und virtuos eingesetzt bis zum krönenden Abgang mit „Luftschlagzeug“ mit Stimme. Das wäre wohl auch ganz nach dem Geschmack des verstorbenen Kreativtrompeters gewesen. Patrick Bebelaar, der die Organisation des Abends innehatte, bat nun Paul Schwarz und Frank Kuruc auf die Bühne. Zusammen mit Sommer setzten diese die lyrischen Klangmalereien fort – sehnsuchtsvoll und sphärisch.

Staiber erinnerte daran, dass neben dem erst wenige Tage zuvor ebenfalls verstorbenen Wolfgang Dauner, nun schon der Großteil des legendären United Jazz and Rock Ensemble im „Musikerparadies“ weile und Joos sicherlich von diesen Herren in ihre Formation aufgenommen werden würde. Ein Romantiker sei Joos gewesen, kein Freund von „Übertrumpfungsjazz“, sondern immer an der seelischen Seite der Musik interessiert. „Sein großer warmer Klang hat ihn einzigartig gemacht!“ schloss er ab. Einen großen Raum nahm Joos‘ Arbeit mit dem Vienna Art Orchestra ein, bei dem er seit den 1970er-Jahren seinen charakteristischen Sound entwickelt hatte. Zwei Weggefährten dieses innovativen Ensembles, Wolfgang Puschnig und Matthias Rüegg führten in phantastische Klanglandschaften, bevor das Trio Bebelaar/Kroll/Puschnig mit kreativen Ausflügen und exzentischem Piano- und Saxophonspiel in intensive Musikseelenwelten vorstießen.

Als Intermezzo zwischen den einzelnen Formationen des Abends wurden immer wieder Video-Grußbotschaften von Musikern gezeigt, die an diesem Sonntag nicht anwesend sein konnten. Exemplarisch seien hier Joo Kraus, Jasper van’t Hof, Eberhard Weber, Joachim Kühn und Till Brönner erwähnt.

Neben dem unter die Haut gehenden „Saxophonisten-Gebläse“ von Kroll, Puschnig und Clemens Salesny, durfte natürlich Joos‘ Instrument nicht fehlen. Die ehrenvolle Aufgabe Trompete und Flügelhorn, zu intonieren wurde Thomas Siffling zuteil. Mit großer Bandbreite zog dieser alle Register der Phrasierungen und war ein würdevoller Vertreter Joos‘, der wohl augenzwinkernd von oben zugeschaut hat. Das „Gänshautpianospiel“ von Gee Hye Lee und die Creative Jazz-Basslinien von Jürgen Wuchner waren weitere Schmankerln des Abends.

Nach drei intensiven Stunden des Eintauchens in die Welt der musikalischen Innovation gab es für jeden Besucher noch eine CD vom Duo Joos/Bebelaar mit auf den Nachhauseweg. Herbert Joos ist tot – seine Musik bleibt unsterblich!

Bernd Epple

Herbert Joos, Günter ‚Baby‘ Sommer und Patrick Bebelaar
im franz.K Reutlingen 2017

Herbert Joos und Paul Schwarz
bei der Landesjazzpreis-Verleihung an Bernd Konrad