Konzerte

Stammgast Jamie Cullum bei den jazz open Stuttgart 2026

Euphorie und Gänsehaut: Der Jamie Cullum kehrte zurück auf den Schlossplatz

So sieht lebendig gewordene Passion für Musik aus

Es ist schon ein Running Gag, den Jamie Cullum beim Konzert selbst aufgriff: „Wir haben gemeinsam schon sämtliche Wetterlagen durchgemacht!“. Dieses Mal gab es keinen Regen oder eine Hitzewelle, aber heiß wurde es in der Kesselstadt trotzdem. Denn der britische Musiker heizte zusammen mit seiner Band dem Publikum ordentlich ein. Er vollführte wie gewohnt fast akrobatische Sprünge von seinem Flügel und verwandelte den Schlossplatz in ein Meer aus Gefühlen. Inklusive kollektiver Euphorie am Schluss. Eines ist klar: Jamie Cullum liebt die Jazz Open und die Jazz Open lieben Jamie Cullum!

Als Jamie Cullum am Samstagabend gegen 20.30 Uhr die Bühne betrat, war das Publikum bereits durch Joss Stones überragenden Auftritt in bester Laune. Doch der Brite sollte die Stimmung in den nächsten zwei Stunden noch einmal zum Siedepunkt bringen. Dabei reichte es zu anfangs schon, dass der charmante Musiker das Publikum begrüßte. Noch bevor der Festival-Liebling eine Taste seines Flügels berührte, sah man nur strahlende Gesichter.

„I have a love affair with this festival!”

Diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit, wie Jamie Cullum später charmant verkündete: „I have a love affair with this festival!”. Und diese Liebe zeigte er bei seinem neunten Besuch bei den Jazz Open vom ersten Takt an. Beim Fatboy Slim Cover „Praise You” etwa demonstrierte er, was seine besondere Magie ausmacht: Die Verbindung des Jazz, Souls und Pop. Ein scheinbar müheloses Wandeln zwischen den Genres. Ohne Dogma und Etikette. Die pure Spielfreude und Liebe zur Musik als universellen Klebstoff, der alles zusammenhält.Und dann sind da noch sein natürlicher Charme und seine Bühnenpräsenz: Wenn Jamie Cullum über das ganze Gesicht strahlt wie ein kleiner Junge, um im nächsten Moment wie ein Flummi über die Bühne oder vom Flügel zu springen, bleiben keine Zweifel: Dieser Mann liebt, was er tut. Er lebt die Musik authentisch mit Leidenschaft.

Egal ob bei Songs wie „These Are The Days”, „Mind Trick”, „The Age Of Anxiety” oder dem Klassiker „I Get a Kick Out of You”, seine Brillanz uns kreatives Facettenreichtum zeigte der Multiinstumentalist mit jeder Note. Und dann gab es noch einen Überraschungsauftritt von Joss Stone: Die beiden performten gemeinsam „Don’t Stop The Music“. Ein Duett, dass die Musikgötter nicht besser hätten schreiben können: eine sinnliche Fusion aus Soul, Jazz und Pop.

Wenn die Endorphine in den Sommerhimmel tanzen

Das inzwischen traumhaft schön illuminierte Schloss (an dieser Stelle auch ein großes Lob an das Lichtdesign um und auf der Bühne!) umgab das Konzert als perfekte Kulisse. Getaucht in satte Farben, die in den dämmernden Sommerhimmel übergingen, war die Stimmung fast schon surreal schön. Eine Art kollektive Euphorie und Glückseligkeit machte sich auf dem Schlossplatz breit – von den Logen über die Ränge bis hin zur Pressetribüne. Vorläufiger Höhepunkt dann bei „When I Get Famous”, als auch die letzten Endorphine in den Sommerhimmel tanzten. Jamie Cullum gab zwischendrin zu: „I had a setlist, but I completely messed it up”. Dass der Sänger keiner vorher festgelegten Reihenfolge anhand einer Setlist folgte, passt irgendwie auch zu ihm. Zu viel Freigeist, Energie und Passion, die an diesem Abend bei den Jazz Open für ein magisches Konzerterlebnis sorgten. Ein ungezügeltes Genie.

Der fulminante Abschluss: Das Publikum als riesiger Chor, den Jamie Cullum dirigierte und als letztes Highlight für Filmfans der Song „Gran Torino“ vom gleichnamigen Clint Eastwood-Film.

An dieser Stelle sei daher das Wortspiel als Abschluss erlaubt: Jamie Cullum bei den Jazz Open – das war ganz großes Kino!

Wir freuen uns auf das zehnte Jubiläum mit Jamie Cullum bei den Jazz Open. Ein Besuch 2027 ja wohl Pflicht!

Jessica Wittmann-Naun

Hier gehts zurück zur jazz open stuttgart 2026 Fotogalerie