Herbie Hancock bei der jazzopen Stuttgart 2022

Herbie Hancock, Keys
Terence Blanchard, Trompete
Lionel Loueke, Gitarre, Vocals
James Genus, Bass
Justin Tyson, Schlagzeug

Stuttgart, 7.7.2022

HERBIE! HANCOCK!

Herbie Hancock trat im Innenhof des Alten Schlosses bei den Stuttgarter jazzopen auf. Mit dabei waren James Genus am Bass, Terence Blanchard an der Trompete, Justin Tyson an den Drums und Lionel Loueke an der Gitarre.

So – mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen. Allein die Grammies, Oskars und unzähligen Preise der einzelnen Musiker aufzuzählen, würde Seiten füllen und Superlative aneinander reihen hilft auch nicht wirklich. Dass es ein Ereignis war, dass es ein großartiges Konzert war, das versteht sich beinahe von selbst und doch war es etwas Besonderes. Schon allein die Atmosphäre eines Sommerabends in der großartigen Kulisse des Innenhofes im Stuttgarter Alten Schloss ließ weder das Publikum noch die Musiker unberührt. Die Begeisterung eines Publikums, das sich bewusst war, dass man vielleicht nicht mehr endlos viele Gelegenheiten für ein Zusammenspiel dieser Musiker haben wird, tat ein Übriges, um vom ersten Erscheinen Herbie Hancocks auf der Bühne bis zu den stehenden Beifallsstürmen am Ende das Konzert zu einem Ereignis zu machen.

Ja, James Genus erfüllte alle Erwartungen am Bass, Terence Blanchard bewies, dass er einer der Großen an der Trompete ist und Lionel Loueke wurde von Herbie Hancock mit den Worten vorgestellt: „Er braucht sich keine Sorgen um den Klimawandel zu machen, denn er stammt nicht von diesem Planeten – seine Musik ist außerirdisch!“ Dem ist nichts hinzu zu fügen.

Zwei Dinge haben mich überrascht: Das Eine war der junge Schlagzeuger Justin Tyson, der weitaus mehr war als ein Rhythmus-Geber, der sehr intensiv auf seine Mitspieler reagierte und eine tragende Stimme im Ganzen war. Das Zweite war die ungebrochene Vitalität des großen Meisters. Quicklebendig und strahlend genoss er sichtlich jeden Augenblick des gemeinsamen Spielens und wenn er mit seinen 82 Jahren am Piano, am Synthesizer oder mit dem tragbaren Elektro-Piano zauberte, dann war das alles so unverkrampft und authentisch und klang kein bisschen altbacken oder angestaubt.

Als er seine Songs ankündigte, meinte Herbie Hancock selbst, dass es schwer sei, eine Auswahl aus den unzähligen Titeln zu treffen, die in seinem langen und bewegten Musikerleben entstanden sind. Mit den Titeln Overture, Footprints, Actual Proof, Come Running To Me, Secret Sauce, Phoelix, Cantaloupe Island und als Zugabe Chameleon war eine Mischung zu hören, die das Publikum restlos begeisterte.

Markus Minberg

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