Konzerte

Curtis Stigers & SWR Big Band bei den jazz open stuttgart 2026

Erste Fotos von Curtis Stigers aus dem Alten Schloss

Curtis Stigers – voc, sax
SWR Big Band

Songs From My Kitchen bezaubern Stuttgart

35 Jahre ist es nun schon her als Curtis Stigers mit seiner kuscheligen Pop-Ballade „Wonder Why“ in die internationalen Charts stürmte. Zu hören auf seinem Debutalbum welches ihm mehrere Platin Auszeichnungen in aller Welt einbrachte. Im darauffolgenden Jahr hatte er wieder großen Erfolg mit der Interpretation des Nick Lowe Stücks „Peace, Love and Understanding“. Ein Bestandteil des Soundtracks des Blockbusters „Bodyguard“ mit Whitney Houston und Kevin Costner. Doch irgendwann merkte Stigers wo er hingehört, raus aus dem kommerziellen „Hits-am Fließband Musikgeschäft“, zurück zu seinen Wurzeln dem Jazz. Der Erfolg kam schrittweise und nach mehreren Alben mit Jazz Standards wurde er 2010 in der Sparte „Internationaler Jazzsänger“ mit dem ECHO-Jazz-Preis ausgezeichnet.

75 Jahre renommierter Big Band Sound und entspannte Lässigkeit

Es ist als würde das Rad der Zeit zurückgedreht als die SWR Big Band mit Dimensions gleich mal richtig Swing in den Schlosshof bringt. Der Vorläufer dieser formidablen Band, das Erwin Lehn Orchester dürfte sich in den fünfziger Jahren ähnlich angehört haben. Als der smarte Curtis Stiger mit dem Sinatra Klassiker „Fly with me“ seinen ersten Song präsentiert wird das Publikum sofort von dieser orchestralen Wucht und dem zwischen Rauheit und Schmelz wechselnden Gesang des amerikanischen Sängers gefangen genommen.

Stigers ist auch Entertainer und ein sympathischer Geschichtenerzähler, der zwischen den Songs kleine Geschichten einstreut mal augenzwinkernd ironisch ein anderes Mal wieder emotional, als er erzählt, dass er erst im Alter von vierzig Jahren seinen Vater kennenlernte. Er wechselt mühelos im Laufe des Abends vom Publikumskontakt zu Gesang und Saxofon Spiel, wechselt die Genres immer wieder. Stimmlich meint man manchmal, wenn man die Augen schließt, dass ein junger Neil Diamond auf der Bühne steht, aber wenn man dann sieht wie leichtfüßig Stigers in seinem eleganten schwarzen Anzug über die Bühne tänzelt und sich mit seinem Saxofon in den fulminanten Sound der Big Band eingliedert, dann ist dieser Gedanke sofort verschwunden.

Blues, Country und besondere intime Momente

Als die Sonne hinter dem Schlossplatz versinkt, ändert sich nach Pause nicht nur optisch die Atmosphäre im Alten Schloss, auch die musikalische Stimmung wird intimer als Curtis Stigers mit seiner akustischen Gitarre ohne die Big Band im Rücken zu haben, die Bühne betritt. „Eigentlich bin ich ein miserabler Gitarrist, aber ich versuche mein Bestes“ meint er grinsend. Bei „John the Revelator“ kommt der Blues so richtig urwüchsig um die Ecke.

Nicht nur Pop und Jazz auch die Sparte Blues und Gospel scheint in seiner musikalischen Seele tief verankert zu sein. Grundehrlich ist es und diese amerikanische Südstaaten-Stimmung erzeugt absolute Gänsehaut und berührt zutiefst. Bevor das große Bandaufgebot wieder die Bühne betritt, gesellen sich erst noch Bass und Schlagzeug dazu und runden diesen intimen Programmteil mit dem Country lastigen „I have everything“ ab, was diese Südstaatenstimmung nochmal potenziert.

Die Big Band gibt nochmals alles

Nach diesen ruhigen und intimen Momenten wird dann wieder auf der Bühne das „große Besteck“ aufgefahren. Nach der Vorstellung der 16 Musiker nimmt das Ganze nochmal Fahrt auf. Die einzelnen Solos, ob Klavier, Saxofon oder Trompete bestärken nochmal die Feststellung das die SWR Big Band ein absolutes Weltklasse Niveau hat. Mit „Hooray for Love“ und dem Cole Porter Klassiker „I get a kick out of you“ nimmt der Swing das Publikum nochmal richtig in die Zange und dann kommt logischerweise was kommen muss.

I wonder why“ wird in einer sanften Version gespielt und Stigers verzaubert nochmal mit seiner sonoren, rauen Stimme die Zuhörer. Das Finale und die beiden Zugaben runden den Abend noch mal mit voller „Swingpower“ ab und lassen die Erinnerungen an die großen Big Bands nochmal aufleben. Ein Abend mit vielschichtigen musikalischen Momenten, der begeisterte und emotional berührte.

Harald Kümmel

Setlist

  1. Dimensions (Band only)
  2. Come fly with me
  3. You’re all that matters to me
  4. Love is here to stay
  5. You’ve got the fever
  6. Don’t look at me that way
  7. Peace and love and understanding
  8. One o‘ clock jump (Band only)
  9. John the Revelator/This Live (Curtis Solo)
  10. Good to know you (Curtis Solo)
  11. I have everything (Curtis+Trio)
  12. Introduction of the band
  13. Hooray for love
  14. Never saw a miracle
  15. I get a kick out of you
  16. I wonder why
  17. Swinging down at 10th & Main
    ZG The can’t take that away from me
    ZG Don’t worry ‘bout me

Schauen Sie in den nächsten Tagen wieder vorbei – weitere Konzertfotos folgen…

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