David Helbock´s Random/Control feat. Fola Dada im Mauerwerk Herrenberg 2026
Jazzin‘ Herrenberg brachte David Helbock, Fola Dada, Andreas Broger und Johannes Bär nach Herrenberg
Fola Dada – vocals
David Helbock – piano & more
Andreas Broger – woodwinds
Johannes Bär – brass, drums, beatbox & more
Random/Control – die unkontrollierbaren Zufälle und wie es einem Quartett gelingt, diese in die Freiheit zu führen
David Helbocks Formation „Random/Control“ ließ beim Herrenberger Jazzfrühling 2026 (Jazzin‘ Herrenberg) ihre Instrumentenzauberer los und verzückte das Publikum.
Um es vorwegzunehmen: Dieses Konzert war ein Musik-Menü auf höchstem Niveau, gewürzt mit einer kräftigen Brise Kreativität. David Helbock ist ein Klangmagier, der sich nicht mit Mainstream-Jazz zufriedengibt. Humor, höchste Spielkunst und immense Klangvielfalt sind die Markenzeichen seiner Auftritte – das war auch in Herrenberg nicht anders.
Ein Instrumentenwald auf engstem Raum
Auf der kleinen Bühne des Mauerwerks hatten die Instrumente kaum Platz. Auf David Helbocks Klavier drängten sich Effektgeräte und Kleinperkussion. Um Andreas Broger herum reihten sich Tenor- und Sopransaxophon, Bassklarinette und Querflöte aneinander. Johannes Bär, der bärenstarke Allrounder, saß an Bassdrum, Snare und Hi-Hat – das Sousaphon, ein Alphorn und die Trompete immer in Reichweite.
Was da auf die Besucher zurollen sollte, ist kaum in ein einziges Genre zu packen. Aber wozu auch? Die unbändige Spielfreude der Instrumentalisten und die preisgekrönte Stimme von Fola Dada ließen ohnehin keinen Raum für Schubladendenken.
Multitasking und lasziver Funk
Und falls doch jemand nach Begriffen suchte, darf konstatiert werden, dass es im weitesten Sinne verdammt funky losging. Die tiefen Basslinien kreierte Bärs mächtiges Sousaphon, während er parallel Snare und Becken „mit links“ und die Bassdrum mit dem rechten Fuß bediente. Ein Schellenkranz lief im Takt mit dem wippenden linken Oberschenkel mit. Fola Dada harmonierte dazu lasziv, lässig und mit einer ungewöhnlich sonoren Stimme. Helbock wiederum sorgte für die Klangerweiterung des Klaviers, indem er den Saiten- und Filzhammertechniken im Inneren des Flügels entsprechend Raum gab. Tenorsaxophon, Querflöte und präzises Beatboxing rundeten den Opener perfekt ab.
Musikalische Gemälde und geschrumpftes Didgeridoo
Es folgten facettenreiche Klanggemälde, untermalt mit Gedichten von William Blake, Emily Dickinson und anderen. Zwischendurch blitzte auch mal ein echter Ohrwurm wie Duke Ellingtons „In a Sentimental Mood“ auf.
Als Bär zu einer geheimnisvollen Holzkiste griff, die wie ein Didgeridoo klang, mag sich manch einer im Saal gewundert haben. „Ein Travel-Didge“, ließ Helbock nach dem Konzert wissen – klein und kompakt aus Platzgründen. Wahrscheinlich, weil das wuchtige Alphorn dem Didgeridoo den Platz auf der Bühne erfolgreich streitig gemacht hatte.
Das Alphorn durfte dann nach der Pause ran. Mit einem tonalen Spektrum, das man dem Rieseninstrument ohne Klappen, Ventile oder Löcher kaum zutrauen würde – zumindest nicht, wenn man bislang nur seinen traditionellen alpenländischen Einsatz kannte.
Wenn die Freiheit zum Lust-Erlebnis wird
Einem Zitat von Erich Fried – „Zu sagen »Hier herrscht Freiheit« ist immer ein Irrtum oder auch eine Lüge: Freiheit herrscht nicht“ – kommt in diesen Zeiten eine ganz besondere Bedeutung zu. Wenn diese Prämisse dann auch noch musikalisch so geboostert wird wie an diesem Abend, wird die unbeherrschte Freiheit zum puren Lust-Erlebnis. Die Zufallskontrolle („Random/Control“) wirkt: Freiheit durch Spielfreude. Sie herrscht nicht, sondern sie lässt einfach los.
Klangcollagen, Lyrik, Spontanität und Virtuosität erzeugten puren Spaß auf und vor der Bühne. Kleine Schmankerl, wie Saxophonphrasen, die Andreas Broger gleichzeitig auf dem Tenor- und dem Sopransaxophon blies, sorgten beim staunenden Publikum für Zungenschnalzer.
Gegen Ende der Veranstaltung war die Stimmung schließlich am Siedepunkt angelangt, sodass zwei Zugaben die logische Folge waren. Das Fazit des Abends: Virtuosität, perfekt gepaart mit Überraschungsmomenten und echten Glücksgefühlen!
Bernd Epple
Portraits von Fola Dada
Portraits von David Helbock












