Alma Naidu im Jazzclub Bix Stuttgart 2026

Alma Naidu (voc, keys)
Ferdinand Kirner (git)
Florian Stierstorfer (b)
Valentin Renner (dr)
Stuttgart, 17.4.2026
Poetische zarte Elegie trifft fein intonierten Jazzgesang
Jazzschlagzeuger entdeckt den „Seelengesang“
Als der renommierte deutsche Schlagzeuger Wolfgang Haffner, bei einer Jamsession 2019 in Burghausen, eine junge Sängerin hörte, die in ihrer ganz eigenen Art und Weise den Jazzklassiker „My funny Valentine“ interpretierte, fühlte er sich wohl, so kann man nur vermuten, tief in seiner Seele berührt. Dies hatte zur Folge, dass er die junge Sängerin Alma Naidu vom Fleck weg engagierte, mit auf Tour und mit ins Plattenstudio nahm. Kein Wunder, heißt doch Alma wörtlich übersetzt Seele. Inzwischen wird sie von diversen Jazzkritikern als „eine der vielversprechendsten Sängerinnen der deutschen Szene“ bezeichnet. Aufgewachsen ist Naidu umgeben von klassischem Musik – ihre Mutter ist Kammersängerin ihr Vater Dirigent. Klavier- und Geigenunterricht, später Tanz und Musicalgesang gehörten wie das Gitarrenspiel und eine Vorliebe für die Hardrock-Band „Metallica” zu Alma Naidus breitgefächerter, musikalischer Sozialisation.
Von Folk und Soul inspirierter „Songwriter-Jazz“
Mit einem Jahr Verspätung findet an diesem Aben im BIX das „Release-Konzert“ ihres Albums „Redefine“ statt, dass 2025 erschien. Naidu, die in den letzten Jahren schön öfters im Stuttgarter Jazzclub zu Gast war, präsentiert an diesem Abend wieder eine feinfühlige Mischung eigener poetischer Kompositionen und swingende, manchmal auch ganz leicht rockende Coverversionen anderer Komponisten und Bands. Die Bandbreite erstreckt sich von intimen Solostücken nur mit Stimme und Klavier, bis hin zu Songs in ihrer klassischen Bandbesetzung, die eine große Intensität besitzen und voller musikalischer Vielfalt und inhaltlicher Tiefe sind. Es geht um Liebe, Freundschaft, inneres Wachstum sowie das Hinterfragen von Rollenbildern und um Gleichberechtigung.

Die ersten Songs sind schwebend, ruhig und leicht konsumierbar, von Jazz ist da vorerst nichts zu hören. Gefällige und leichte musikalische Kost, schön konzipierte Stücke, die an einem Freitag Abend perfekt zu einem Glas Rotwein passen. „Ich habe immer schon am Klavier improvisiert und gesungen und gerne auf der Bühne gestanden“, erzählt sie. „Aber vom Jazz war ich zunächst noch recht weit entfernt“, was im ersten Teil des Abend durchaus nachvollziehbar und hörbar ist.
Metallica und der poetische Schöngesang im Zwiegespräch
Als sie ihre Affinität zu der Band Metallica beschreibt und eine rockige Coverversion eines Songs der Band ankündigt, wartet man gespannt, wie sich das denn nun mit dem poetischen Schöngesang Naidus verträgt. Naja, bis zu dem einminütigen Gitarrensolo ist da von Rock nix zu hören, ist das Ganze doch eher zu einer feingliedrigen Ballade mit minimalen rockigen Anklängen abgedriftet, was der Qualität aber keinen Abbruch tut. Die Sängerin hat eine äußerst sympathische und angenehme Ausstrahlung, kein Wunder, dass sie die Zuhörer im ausverkauften BIX bei ihrem Song „Another kind of Love“ zum Mitsingen problemlos animieren kann. Baden Württemberg sei ja eh das „Land der Chöre“ meint sie, was sich dann innerhalb der nächsten Minuten auch irgendwie bestätigt. Die Band agiert relativ unauffällig, ist aber perfekt und variabel in der Instrumentierung der Songs. Bei dem von ihr komponierten „Volkslied“ Walberla, kann sich Valentin Renner am Drumset mal etwas in den Vordergrund spielen, sind doch die Rhythmen mit der Dynamik eines mittelalterlichen Sounds verknüpft. Auch die virtuose Stimme Naidus erklimmt jetzt hier erstmals sopranistische Höhen, was durchaus auf eine stimmlich sehr gute Ausbildung schließen lässt.

Und dann kommt der Jazz dann doch noch um die Ecke
Nach der Pause wandelt sich der Sound vor der leicht konsumierbaren luftigen musikalischen Kost in einen Steigerungslauf der Virtuosität aller Beteiligten. Die Themen der Songs werden kritischer die Instrumentierung unkonventioneller und die Sängerin zieht alle Register ihres gesanglichen Könnens. Ihre Technik beinhalten Fragmente afrikanischer Vokalakrobatik sowie indischen Volksgesang. Es ist eindrucksvoll wie ihre Stimme beschwörend und mit Wut beispielsweise das Unrecht, das Frauen auf der ganzen Welt widerfährt, anprangert. Und dann kommt der Jazz dann doch noch um die Ecke geschlichen, denn wir sind ja in einem Jazzclub meint sie, dann werden wir mal alle zusammen ein wenig “scaten“. Auch diese Form der Vokalimprovisation, in der lautmalerisch bedeutungslose Silben aneinandergereiht werden um dann wie ein Instrument zu klingen, beherrscht die Sängerin perfekt.
Auch das sattelfeste „Chorpublikum“ macht wieder bereitwillig mit und das nicht mal schlecht. Das letzte Stück der Setlist ist ein jazziger Steigerungslauf bei dem die Band dann doch nochmal richtig zeigen kann, welch großartige Musiker hier auf der Bühne stehen. Naidu feuert nochmals aberwitzige Töne ins Publikum, das restlos begeistert ist und mit einem „Love Song“ als Zugabe wieder beruhigt wird. Man wird an diesem Abend mit der Gewissheit entlassen eine „musikalische Begabung par exellence“ erlebt zu haben, die aller Wahrscheinlich noch eine erfolgreiche Karriere vor sich haben könnte. Die Chancen stehen gut für Alma Naidu.
Harald Kümmel
Portraits von Alma Naidu
Portraits von Valentin Renner
