Konzerte

Die faszinierende Stimme von Asaf Avidan live bei den jazz open stuttgart 2026

Das Konzert von Asaf Avidan im Alten Schloss

Asaf Avidan – Main Artist
RAZ Stern – Piano
Ofer Levy – Drums
Julia Richard – Bass, Voc
Maayan Linik – Keys, Voc

Stuttgart, 2.7.2026

Asaf Avidan legt im ausverkauften Innenhof des Alten Schlosses einen eigenwilligen wie fulminanten Auftritt hin

Janis Joplin scheint noch immer lebendig zu sein – nur heißt sie heute Asaf Avidan. Es ist weniger die frappierende Ähnlichkeit der Stimme als vielmehr die Verbindung aus charismatischer Bühnenpräsenz, unbändiger Expressivität und einem Gesang von überwältigender Intensität, die das Konzert beim bei Stuttgarter Festival jazz open im ausverkauften Innenhof des Alten Schlosses zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

Der in Jerusalem geborene und zeitweise in Jamaika aufgewachsene Musiker betritt im eleganten Anzug und mit dandyhafter Eleganz die Bühne. Kaum erklingen die ersten Töne, zieht seine außergewöhnliche Stimme das Publikum in ihren Bann: rau, verletzlich und von einer Intensität, die bis ins Mark geht. Mit „Maybe You Are“ eröffnet der 46-Jährige den Abend. Seine markante Falsettstimme lässt Geschlechtergrenzen verschwimmen – sie wirkt gleichermaßen fragil wie kraftvoll, zunächst beinahe zerbrechlich, später eruptiv und voller Dramatik.

Nach und nach komplettiert die Band das Klangbild. Bassistin Julia Richard, Keyboarderin Maayan Linik, Pianist RAZ Stern und Schlagzeuger Ofer Levy schaffen ein dichtes musikalisches Fundament, auf dem sich Avidans Songs entfalten. Die Arrangements wachsen behutsam, steigern sich fast unmerklich, bis sie sich zu gewaltigen Klangwellen auftürmen. Darüber schwebt Avidans eindringliche Stimme, die von Sehnsucht, Verlust und den Abgründen menschlicher Existenz erzählt. Mal erinnern die Kompositionen an opulent inszenierte Musical-Momente, dann wieder an Artrock der 1980er-Jahre oder an von orientalischen Klangfarben durchzogene Folk- und Popsongs.

Der Mittelpunkt des Abends ist diese unverwechselbare Stimme

Der eigentliche Mittelpunkt des Abends bleibt jedoch diese unverwechselbare Stimme, in der immer wieder der Geist der großen Rock-Ikonen der späten Sechziger mitzuschwingen scheint. Stücke wie „Reckoning Song“ oder „The Great Abyss“ singt Asaf Avidan nicht einfach – er schleudert sie mit existenzieller Wucht ins Mikrofon. Gleichzeitig entfaltet sein Falsett eine berührende Zartheit, die dem Publikum immer wieder Gänsehautmomente beschert. Auch körperlich lebt Avidan jede Zeile seiner Lieder. Er wirft sich auf die Knie, lässt sich in einen Sessel fallen, tanzt über die Bühne und überrascht zwischendurch sogar seine Mitmusiker mit einem frisch gemixten Drink. Sein Konzert gleicht einer durchinszenierten Theateraufführung, in der jede Geste Teil der musikalischen Erzählung ist.

Die Musik seiner israelischen Band kennt dabei kaum stilistische Grenzen. Pop, Folk, Rock und orientalische Einflüsse verschmelzen zu einem ebenso facettenreichen wie emotional aufgeladenen Klangkosmos. Die Musiker selbst nennen ihren Stil „universell“ – ein Begriff, der treffend beschreibt, wie selbstverständlich sich unterschiedlichste musikalische Welten zu einem eigenständigen Ganzen verbinden.

Jürgen Spieß

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