Konzerte

Heiterer Blues von D.K. Harrell bei der jazz open stuttgart 2026

The Right Man – D.K. Harrell im Jazzclub Bix

D.K. Harrell – vocals, guitar
Orlando Henry – keys
John Dupre – trp
Darran Jones – sax
Erkan Özdemir – bass
Levent Özdemir – drums

Stuttgart, 10.7.2026

Wenn er den Blues bekommt lacht ihm das Herz

Der Bluessänger D.K. Harrell aus Louisiana sorgte im ausverkauften Jazzclub Bix in Stuttgart für beste Laune. Der fröhliche Bluesman und große Verehrer von B.B. King hat einen unverwechselbaren Stil entwickelt, bei dem der Funke zum Publikum sofort übergesprungen ist. Harrell bewies eindrucksvoll, dass der Blues keineswegs ein Genre der Vergangenheit ist. Mit gerade einmal 28 Jahren besitzt er bereits die Reife eines erfahrenen Künstlers – und zugleich das Potenzial, die Zukunft des Blues entscheidend mitzugestalten.

Schon mit den ersten Takten des Openers wurde deutlich, dass hier ein Musiker auf der Bühne stand, der den Blues nicht einfach spielt, sondern lebt. Gemeinsam mit seiner hervorragend eingespielten Band entwickelte Harrell einen warmen, druckvollen Sound, der tief in der Tradition verwurzelt ist und dennoch frisch und zeitgemäß wirkt. Sein Gitarrenspiel erinnerte unverkennbar an B.B. King – mit singenden Bendings, geschmackvoll eingesetzten Läufen und einer außergewöhnlichen Phrasierung.

Zwischen den Songs suchte Harrell immer wieder den Kontakt zum Publikum und führte durch kleine Anekdoten und mit viel Witz und Humor durch das Programm. Eine davon, dass er unter der Dusche stand als sein Handy vibrierte und er den Anruf bekam, dass er für sein Debütalbum „The Right Man“ einen Blues Music Award als „Best Emerging Artist Album“ erhalten sollte.

Im Mittelpunkt des Programms standen zahlreiche Stücke seines gefeierten Albums, in dem sämtliche Titel aus Harrells Feder stammen. Der Titelsong „The Right Man“ entwickelte sich schnell zu einem der Höhepunkte des Abends. Der treibende Shuffle, getragen von markanten Bläsersätzen und Harrells prägnantem Gitarrenspiel, brachte das Publikum bereits früh zum Mitgehen. Er ließ auch hier tief ins Nähkästchen blicken und erzählte, dass er den Song für seine Exfreundin geschrieben hatte und wie gut sie diesen fände. Ebenso eindrucksvoll gelang „Get These Blues Out Of Me“, eine langsam aufgebaute Mollballade, deren emotionale Tiefe unweigerlich an B.B. Kings legendäres „The Thrill Is Gone“ erinnert, ohne dabei zur bloßen Kopie zu werden. Harrell überzeugte hier besonders als Sänger mit seiner warmen, souligen Stimme, die Authentizität und große emotionale Ausdruckskraft vermittelt.

Besonderen Anteil am gelungenen Gesamtklang hatten Orlando Henry an den Keyboards sowie die Bläser John Dupre an der Trompete und Darran Jones am Saxofon. Die Rhythmusgruppe mit Erkan Özdemir am Bass und Levent Özdemir am Schlagzeug sorgte für ein ebenso solides wie flexibles Fundament. Immer wieder ließ Harrell seinen Mitmusikern Raum für ausdrucksstarke Soli. Orlando Henry setzte mit fein dosierten Hammond- und Pianoklängen elegante Akzente, während John Dupre und Darran Jones mit ihren Blasinstrumenten den klassischen Memphis- und Chicago-Sound aufleben ließen. Die Rhythmusgruppe agierte dabei souverän und geschmackvoll, mal zurückhaltend groovend, dann wieder kraftvoll antreibend.

Dass Harrell inzwischen bei Alligator Records unter Vertrag steht, überrascht nach diesem Konzert kaum. Sein Stil verbindet die großen Traditionen des elektrischen Blues mit einer zeitgemäßen Frische, die gerade auch ein jüngeres Publikum erreicht. Er kopiert seine Vorbilder nicht, sondern führt deren musikalisches Erbe glaubwürdig weiter.

Bianca Schmied

Schauen Sie in den nächsten Tagen wieder vorbei – weitere Fotos warten noch nach diesen ersten exklusiven Konzertfotos.

Hier gehts zurück zur jazz open stuttgart 2026 Fotogalerie