Markus Stockhausen Group bei den Jazztagen Sindelfingen 2026
Ein Wanderer durch die Sphären im Odeon der SMTT

Markus Stockhausen (Flügelhorn/Trompete/Synthie)
Jeroen van Vliet (Piano/Keyboard)
Jörg Brinkmann (Cello)
Christian Thomé (Drums/Schlagwerk)
Stockhausen rundet mit seinen kongenialen Begleitern die 12. Jazztage Sindelfingen aufs Schönste ab
Sindelfingen, 26.4.2026 Der deutsche Jazzpreisträger für Blechblasinstrumente 2021 nimmt mit seiner Markus Stockhausen Group das Publikum auf eine besondere Reise mit.
Stockhausen? Ja hat man irgendwo schon mal gehört, wenn es um Neue Musik ging. Allerdings denken viele zunächst an den 2007 verstorbenen Komponisten Karlheinz Stockhausen. Mit seiner individuellen und unangepassten Ästhetik gilt Karlheinz Stockhausen als einer der bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Komponisten der Nachkriegszeit. Rückblickend werden insbesondere Stockhausens elektronische Kompositionen als Pionierleistungen in der Musikgeschichte angesehen.
Markus Stockhausens Reise durch die Galaxien
Nun also sein Sohn Markus in Sindelfingen bei den Jazztagen. Obwohl dieser noch zahlreiche Konzerte mit seinem Vater spielte, hat der Trompeter seinen ganz eigenen Stil entwickelt. „Eine Reise durch die Galaxien“, fasst der Bigband-Leiter des Böblinger Albert-Einstein-Gymnasiums Johannes Stephan nach dem Konzert das Erlebte zusammen. Albrecht Barth vom Veranstalter IG Kultur Sindelfingen fügt hinzu: „Das war das beste Konzert der Jazztage!“. Wenn man im Odeon der SMTT (Musikschule Sindelfingen) nach Konzertende den Blick ins Rund schweifen ließ, war in den Gesichtern der Besucher zu lesen, dass hier wirklich Besonderes stattfand.
Doch der Reihe nach – Mit „Sunday Morning“ beginnt am Sonntagabend die Reise in Stockhausens musikalische Welt. Begleitet vom Cellisten Jörg Brinkmann, dem Schlagwerker Christian Thomé und dem holländischen Pianisten Jeroen van Vliet lässt Stockhausen mit einem strahlenden Trompetenton die Sonne aufgehen bevor er dem Publikum mit fast barocker Spielweise „Ein Lächeln“ schenkt.



Das kreativ gespielt Cello von Jörg Brinkmann ist ein Genuss
Das Cello übernimmt in dieser Formation zupfend die Arbeit eines Kontrabassisten und streichend einen singend sehnsuchtsvoll warmen Ton, der bisweilen auch an eine Bratsche erinnert. Thomé setzt oft eher kreative Akzente, als dass er sich eines durchgehenden Beats bedient. So kommt bei Brinkmanns schwebendem „Rain No Play“ erstmalig und effektvoll auch ein kleines Glockenspiel zum Einsatz. Zart, dynamisch, spannende Harmonien mit Tiefgang, so könnten die Attribute dieser Komposition lauten. Stockhausen erzählt bei der Anmoderation von „Falling Stars“ wie sehr er vom Kosmos fasziniert ist und dieser auch immer wieder als Inspirationsquelle dient.
Die unendliche Weite der Galaxien ist hörbar, der Zweiklang von Cello und Trompete, beide mit bestechendem Ton, katapultiert in ferne Welten; Wechsel von gedämpfter Trompete zum Flügelhorn; die Stücke entwickeln sich und atmen! Vor der Pause führt Stockhausen in die „Better World“ in die man trotz turbulenter Zeit glauben sollte: Gezupfte Cello-Patterns, ein atemberaubendes Solo desselben und geschlagene Akkorde erzeugen eine dichte Aufbruchstimmung. Der bislang eher im Hintergrund agierende van Vliet führt mit einem expressiven Piano-Solo in seine Komposition „Helena“ und Stockhausens „Flow“ fließt und wird zu Brinkmanns Cello-Spielwiese.

Magische Augenblicke
Klanggemälde voller Schönheit hat „Warmlicht“ zu bieten und „Nebula“ entführt ein weiteres Mal in die weiten Galaxien, wovon alleine unsere ca. 200 000 Lichtjahre durchmisst. Thomé’s „Susanna“ landet dann schließlich mit einem Ultra-Groove-Antrieb wieder auf der Erde. Nach diesem finalen Stück schicken die rund 100 Besucher einen Beifallsorkan zu den sympathischen Akteuren, die darauf gerne mit „There is always hope“ reagieren. Genau wie in der Konzertankündigung beschrieben, gab es diese „Magischen Augenblicke“ auf der Bühne, die im Zusammenspiel mit musikalischem Feingefühl innere Welten zum Schwingen brachten.
Eine Besucherin beschreibt das so: „Das ging ganz tief. Ich bin von Klängen durchflutet. So etwas habe ich live noch nie erlebt!“ und zwei weitere Besucher, Stockhausen Neulinge und zum ersten Mal im Odeon, sind sich einig: „Ein schönes Aufeinander Eingehen, sehr komplex mit überraschenden Tonfolgen – ein außergewöhnliches Klangerlebnis!“. Auf die Frage wo sie die Qualität dieses Abends auf einer Zahlenskala von 1 bis 10 ansiedeln würde, antwortet die Leiterin der SMTT: „Bei 20!“

Das Universum – Markus Stockhausens Inspirationsquelle
Stockhausen selbst zieht seine musikalische Schöpfungskraft nicht zuletzt aus dem Erleben seines irdischen Daseins in Beziehung zum Universum. Das für ihn unfassbar und groß ist: „Da kommt mir eine tiefe Ehrfurcht vor dem Leben, und eine Begeisterung ob der schier unendlichen Kreativität des Schöpfer-Weltengeistes.In Relation dazu: unser „kleines“ – und keineswegs unbedeutendes – Erdenleben, unser persönliches Schicksal. Die Ereignisse, die wir Menschen produzieren – was für einen Sinn machen sie angesichts dieser enormen Relationen? Wie setzen wir unsere persönlichen Wünsche und Probleme in Relation zu diesen kosmischen Dimensionen? Was für einen Sinn macht Krieg – Menschen die sich gegenseitig töten wegen diesem oder jenem? Müsste nicht all unser Sinnen darauf aus sein das Leben in all seinen Erscheinungsformen aufs Höchste zu achten, zu ehren, zu bewahren, zu unterstützen und zu hegen?“.
Text und Fotos Bernd Epple
