Jo Ambros mit zuMUTung in der Spitalkirche Herrenberg 2026

Paul Schobel – Texte
Sandra Hartmann – Stimme
Carsten Netz – Saxophon/Klarinette/Querflöte
Uwe Lange – Bässe
Jogi Nestel – Schlagzeug/Perkussion
Jo Ambros – Gitarre/Komposition
Herrenberg, 22.3.2026
Jo Ambros‘ zuMUTung mit Texten von Paul Schobel beim Jazzin Herrenberg – Jazzfrühling 2026
Sich gegen das zu stellen, was Unmut verschafft erfordert folgerichtig MUT. Paul Schobel (Pfarrer i.R.), ein nimmermüder Kämpfer für Gerechtigkeit hat in Jo Ambros (Gitarren) einen Mitstreiter gefunden, der ebenfalls in der Lage ist einen politischen Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen zu werfen und dies musikalisch umzusetzen
Bereits bei der Sindelfinger Biennale 2025 machte die Formation um Jo Ambros mit einem politischen Konzert auf sich aufmerksam (wir berichteten). Damals ohne die etatmäßige Sängerin und Rezitatorin Sandra Hartmann, die krankheitsbedingt absagen musste. In der Herrenberger Spitalkirche war sie mit am Start. Zahlreiche Konzertbesucher fanden sich dort am 22. März ein, um sie und einen der vielseitigsten Gitarristen des Landes, diesmal mit E-Gitarre, mit seiner Projektband zu erleben. Diese verstand es hervorragend die bissigen Texte Paul Schobels in Musik zu gießen. Poesie und Musik sozusagen.

Allerdings war das bei Weitem nicht nur gesprochene Lyrik mit Musikbegleitung, was die Vokalistin Sandra Hartmann beizusteuern hatte. Gestenreich, mit ausdrucksstarker Stimme rezitierte sie und gab facettenreich fulminante Gesangspassagen zum Besten, mit denen sie sich wohl intoniert in luftigen Höhen bewegte – oft unisono oder zweistimmig zu Carsten Netz‘ Woodwind-Ausflügen oder Jo Ambros‘ Gitarrenlicks vom Feinsten. Jogi Nestel bearbeitete sein Drumset, am Text orientiert, entweder mit Strohbesen oder Drumsticks, bisweilen unter Einsatz von metallischen Becken auf Snare oder Toms, die die Härte der kalten Arbeits- und Kriegswelt unterminierten. Zudem glänzte er mit einem frenetisch beklatschten Solo. Uwe Lange, der einfühlsame Bassist, strich oder zupfte; je nach Stimmung, seinen Kontrabass mal in bedrohlichen Tiefen, mal in hohen Lagen. Gegen Ende, als der Vortrag leichtfüßiger und harmonisch positiver wurde, kam dann auch der E-Bass zum Einsatz.
Die Komposition will gezielt wachrütteln und hält einer Gesellschaft den Spiegel vor, die sich politisch im Dämmerschlaf befindet. Friede, Arbeit, Solidarität und Kapitalismus sind die Themen, die Paul Schobel vorgab – gesellschaftliche Missstände dezidiert benannt und gleichzeitig eine Ermutigung, sich nicht mit dem Gegebenen abzufinden. Schobels Gedanken werden durch den passgenauen musikalischen Ausdruck noch verstärkt, sodass Gänsehautmomente geschaffen oder gar Tränendrüsen angeregt werden.

Es sind zwei Blutsverwandte
Schobel selbst, der als Zuhörer im Publikum saß, richtete im Verlauf des musikalischen Vortrags seine ermahnenden Worte an die Konzertbesucher: „Es sind zwei Blutsverwandte, die gegenwärtig die Menschheit terrorisieren: Der eine der beiden Brüder hört auf den Namen „Krieg“, der andere nennt sich „Kapitalismus“. Beide tragen dieselben verkorksten Gene in ihrer DNA: Macht, Gewalt, Ausbeutung, Unterdrückung. Beide arbeiten als GmbH im „militärisch-industriellen Komplex“ eng miteinander zusammen“. Und weiter: „Politisch eine Null, löst der Krieg keine Probleme, sondern verschärft sie nur. Schon die Hochrüstung, die wir nun weltweit veranstalten, tötet ohne Krieg. Hunger, Leid und Elend nehmen zu. Es muss gelingen, den Krieg auszuhungern, ihm das Wasser abzugraben durch eine Kultur des Friedens in unserem Leben. Die Kriegstreiber da oben müssen erfahren, dass wir Konflikte gewaltfrei lösen können, und wir ihre Politik der Gewalt einfach nicht mehr mittragen. „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“.
Sein Credo lautete; „Lasst uns lernen, unsere eigenen Konflikte friedlich zu lösen. Es ist einfach zu viel Gewalt in unseren Beziehungen. Krieg ist einfach hirnverbrannt, denn Probleme sind nicht mit Gewalt zu lösen. Mein zweiter Appell richtet sich an unsere Herzen: Sehen wir uns an, schenken wir uns Ansehen, nehmen wir Anteil aneinander. Und vor allem: Teilen wir miteinander!“.

Musik ist ein schönes Beispiel, was das Teilen anbelangt. Die Musiker teilen ihre Qualitäten miteinander, um das schöne große Ganze zu erschaffen. Im Idealfall will keiner seine Mitspieler in den Schatten stellen. Das ist dem Quintett hervorragend gelungen. Durch kompositorische Raffinesse und brillantes Zusammenspiel sind Missgunst, Zerstörung, Hass und Ausbeutung in weite Ferne gerückt, auch wenn diese Themen im Mittelpunkt des Vortrags standen. Am Ende blieb ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft, sowie eine zuversichtliche Aufbruchsstimmung.
Text und Fotos Bernd Epple
Portraits von Jo Ambros
