Gastbeitrag

Samuel Restle Oktett im Pavillon bei den Jazztagen Sindelfingen 2026

Samuel Restle, der Landesjazzpreisträger von 2025 mit seinem Oktett

Samuel Restle Posaune im Pavillon bei den Jazztagen Sindelfingen 2026
Samuel Restle

Lars Töpperwien – Trompete
Dan Roncari – Altsaxophon, Klarinette
Lukas Wögler – Tenorsaxophon, Flöte
Bastian Brugger – Baritonsaxophon, Flöte
Moritz Langmaier – Klavier
Jan Dittmann – Kontrabass
Lucas Klein – Schlagzeug
Samuel Restle – Posaune, Komposition

Emotion vs. Groove

Sindelfingen, 11.4.2026 Bei den 12. Jazztagen Sindelfingen startete Samuel Restle, dem Landesjazzpreisträger von 2025 mit seinem Oktett. Im Pavillon der IG Kultur traf er den Puls des Publikums

Samuel Restle Oktett im Pavillon bei den Jazztagen Sindelfingen 2026
Samuel Restle Oktett

Traditionell finden die Sindelfinger Jazztage mit dem Landesjazzpreisträger des Vorjahres statt. So auch am Samstagabend. Rund 70 Besucher lauschten Samuel Restle und seinem Oktett, bestehend aus fünf Bläsern und einer dreiköpfigen Rhythmusgruppe. Der 28-jährige Posaunist ist längst schon in der bundesdeutschen Jazzszene angekommen, spielte unter anderem im Bundesjazzorchester oder war bereits mit der Tobias Becker Bigband, sowie der SWR-Bigband unterwegs.

Die Bundesjazzpreisträgerin Fola Dada, als Vorsitzende der Fachjury, urteilte bei der Vergabe des Landesjazzpreises: „Seine intelligenten Kompositionen und Arrangements zeugten von vielschichtiger Kreativität und Originalität, die die Grenzen des Jazz erweitern und neue Maßstäbe, besonders für Bigband-Formationen, setzen würden. Als Bandleader fördere er nicht nur das musikalische Wachstum seiner Mitmusikerinnen und -musiker, sondern schaffe auch ein inspirierendes Umfeld“.

Samuel Restle Oktett im Pavillon Sindelfingen 2026
Samuel Restle Oktett

Mit solchen Vorschusslorbeeren geschmückt saß Restle nun also mit seiner Posaune auf der Pavillon-Bühne, flankiert von Bastian Brugger (Baritonsaxofon, Flöte), Lars Töpperwien (Trompete), Dan Roncari (Altsaxofon, Klarinette) und Lukas Wögler (Tenorsaxofon, Flöte). Moritz Langmaier (Klavier), Jan Dittmann (Kontrabass) und Lucas Klein (Schlagzeug) vervollständigten das Samuel Restle Oktett und sorgten für den Rhythmusteppich auf dem sich das Gebläse aalen durfte.

Anspruchsvolle Kompositionen nehmen den Fuß vom Gaspedal

Mit der Restle-Komposition „Milo“ ging es zunächst entspannt und unaufgeregt ans Werk bis Wögler mit einem ersten Solo den High Notes-Gipfel erklomm. Das mutete technisch versiert, aber auch vom Gesamtklang losgekoppelt an. Dies sei ein älteres Werk gewesen ließ Restle im Anschluss verlauten und nun käme sein neuestes „Komorebi“ mit melancholisch anmutenden Bläsersätzen und einem interessanten Trompetensolo, aus Klangfragmenten zusammengebastelt, ließ mainstreamgewohnte Ohren, die weiterhin auf den Groove warteten, nicht unbedingt aufhorchen.

Samuel Restle Oktett Bläser im Pavillon bei den Jazztagen Sindelfingen 2026
Samuel Restle Oktett

Danach wurde das „schwierigste“ Stück angekündigt, zudem wohl ebenfalls nur aufgeschlossene Jazzgeister umgehenden Zugang bekamen; rhythmisch vertrackt und harmonisch anspruchsvoll. „May be someday“ war dann vor der Pause die musikalische Verarbeitung einer unerfüllten Liebe, wiederum mit einem sehr freien Tenorsaxofon-Solo, das in einen Jamsession-Charakter eingebunden war; ein wenig an die Free Jazz-Ära der Endsechziger erinnernd. War die erste Hälfte des Abends von introvertierten Emotionen geprägt, ging’s in der zweiten Halbzeit für viele Besucher erst richtig los.

Die „Alten Meister“ bringen Farbe ins Spiel

Ein groovender Einstieg, Bläsersätze in wiederholendem Muster, durchgängige Beats und ein mitreißendes Trompetensolo, so kam Restles „Letters“ daher, bevor man sich auch an den Werken weiterer Komponisten bediente. Charles Mingus stand da ganz vorne an. Dessen „Reincarnation Of A Lovebird“, von Restle clever arrangiert, machte den Anfang. Plötzlich begann die Band ordentlich zu swingen, kurze knackige Soli über einen Chorus, und Restle, sowie Roncari zeigten was sie in diesem Genre draufhaben. Duke Ellingtons „Sound of Love“ glänzte mit einem knarzenden innovativen Baritonsax-Solo und „Light Blue“ (Monk) zierte das Ende des regulären Programms mit einem expressiven Tenorsax-Solo, spannenden Bläserarrangements unter Einbeziehung von Klarinette und zwei Querflöten.

Nun hatte die Vorstellung auch den letzten Besucher erreicht und eine Zugabe war die logische Konsequenz. „Die Beamte“ ist seiner Schwester gewidmet und laut Restle das Zweitbeste, das er bislang komponiert hatte. Frisch und offbeat-betont schwappte diese finale Welle ins Publikum und versöhnte all diejenigen, die mit dem ersten Teil des Abends nicht so viel anfangen konnten.

Fotos und Text Bernd Epple

Aktuelles Programm des Pavillon Sindelfingen