Gastbeitrag

Berta Epple in der Aula des Schulzentrum Weil der Stadt 2026

Die Band Berta Epple, bekannt für Latinmusic, Jazz, Weltmusik und Chanson, begeisterte in Weil der Stadt zusätzlich mit Bandoneon und Tango Nuevo

Berta Epple Group in der Aula des Schulzentrum Weil der Stadt 2026
Gregor Hübner

Gregor Hübner – Violine
Veit Hübner – Kontrabass
Bobbi Fischer – Piano
Leandro Ragusa – Bandoneon

Weil der Stadt, 19.9.2026

Schiff ahoi mit Berta Epple – facettenreicher Tango Nuevo begeisterte in Weil der Stadt

Um es vorweg zu nehmen: Der Schreiber der folgenden Zeilen hat mit dem Namen dieser Formation rein gar nichts zu tun. Auch wenn er denselben Nachnamen trägt, ist er weder verwandt noch verschwägert mit Berta Epple – weder mit folgend beschriebenem Schiff noch mit der Band. Violinist Gregor Hübner zur Namensgebung dieses Trios: „Wir wollten bei unserer Bandgründung schlicht einen Namen, der nichts aussagt“. Dennoch ist Berta Epple nicht ganz unbekannt im Ländle. Diese Dame gab es wirklich. Die Stuttgarter Unternehmerin (1906 – 1965) gründete 1956 die Neckar-Personen Schifffahrt „Berta Epple“. 1957 startete dann der Linienverkehr und im Jahr darauf wurde der Stuttgarter Hafen durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss eingeweiht – auf der Berta Epple, dem Schiff mit dem Namen der Gründerin. So viel Geschichtliches.

Die Band Berta Epple in der Aula des Schulzentrum Weil der Stadt 2026
Berta Epple – die Band

Berta Epple mit Volldampf und einem weiteren Matrosen an Bord

Heute dampft das Berta Epple -Trio von seinem Heimathafen Stuttgart aus und zieht dabei weite Kreise, was die musikalischen Stilrichtungen anbetrifft. Von Haus aus Jazzer, hat sich das Stammtrio neben diesem Genre auch der Weltmusik, Latin, Chanson und nicht zuletzt dem Tango verschrieben und den Bandoneonisten Leandro Ragusa mit ins Schiff geholt, welches am 19. September in Weil der Stadt anlegte. Die zum Tango-Quartett angewachsene Combo füllte die Aula des Schulzentrums und das Veranstalterteam der Manufaktur bewies einmal mehr, das richtige Händchen für das Besondere zu haben.

Mit dem in Buenos Aires geborenen Komponisten und Bandoneon-Virtuosen Leandro Ragusa hat die musikalische „Frau Epple“ nun das Projekt „Tango Nuevo in Concert“ in Anknüpfung an ihre früheren Tangoveranstaltungen ins Leben gerufen. – Ragusa ist ein weltweit gefragter Komponist, Instrumentalist und Bandleader. Er hat mit einigen der bedeutendsten Musikern der Welt gespielt, darunter Paquito de Rivera, Nestor Marconi und auch mit Raúl Jaurena. Sein Album „Hibrid Tango“ wurde für den Latin Grammy 2018 nominiert.

Klassiker und Eigenkompositionen erhöhen das Tango-Fieber

Gemeinsam mit Leandro Ragusa brachten Bobbi Fischer und die beiden Hübner-Brüder nun Tango-Klassiker sowie ihre eigenen Kompositionen zu Gehör. So diente Gregor Hübners „Hermanos“ denn auch als Startschuss – feurig mit Vollgas und exzellenten Soli, gefolgt vom herzblutgetränkten „AMiguel Angel“ mit wechselnden Tempi und verschiedenen Temperamentsschwerpunkten.

Das Publikum aalte sich hernach im „Piazzolla-Bad“ mit feinsten Badezusätzen: Wundervolle Dynamik, zarte hohe Bandoneon-Töne, melodiöses Bassspiel, grandiose Soli und bestechende Rhythmik (trotz Balladencharakter). „Oblivion“ ging zweifelsohne unter die Haut und wurde von den Besuchern mit viel Beifall honoriert. Bobbi Fischers „Loca Milonga“ barg einige musikalische Überraschungen und offenbarte die pianistische Klasse des Komponisten. Schließlich durfte sich auch Gregor Hübner vor der Pause nochmals so richtig austoben, als man sich mit Astor Piazzollas „Fracanapa“, perkussiv und farbig illustriert, in selbige begab.

Berta Epple mit begeisterten Cheerleadern an Deck

Den Auftakt in Halbzeit Zwei machte Leandro Ragusa, ohne Begleitung seiner Spielkameraden, mit einer inbrünstig dargebotenen Solonummer. „Canaro 26“ kam im Anschluss so explosiv daher, dass es begeisterte Beifallsrufe aus den Reihen der Besucher gab. „For Octaviox“ hatte der Komponist Gregor Hübner für den zu früh verstorbenen gleichnamigen Pianisten-Freund geschrieben, melancholisch und klagend.

Die Reihe „Geschrieben für…“ durfte nun Bruder Veit Hübner fortsetzen. „Missing Romy“ widmete er seiner Tochter. Musikalisch hätte es auch als Untermalung eines „Road-Movies“ oder eines „Eisenbahnromantik“-Streifens gepasst. Das treibende Thema wurde mehrfach und variiert aufgegriffen, was den „Drive“ am Laufen hielt und endete in einem zärtlichen Ausklingen. „Rio Negro“ war dann Leidenschaft pur, der sich niemand entziehen konnte. Leidenschaft und den Tango in den Fingern und im Blut bewies auch Bobbi Fischer in seinem „Britango“.

Im Zielhafen geankert

Nach dem Finale mit „La Cumparsita“ konnte dieser facettenreiche Abend natürlich noch nicht zuende gehen. Es kam was kommen musste: Piazzollas wohl bekanntestes und meistgespieltes Stück „Libertango“! Das Intro lieferte noch kaum einen Hinweis auf das bekannte Thema; dann jedoch ging es in die Vollen! Alle durften solistisch nochmals ran und Gregor Hübners Mimik, Körpereinsatz und Violinsolo setzte dem Ganzen noch die Krone auf. Allenthalben glückliche Gesichter…
Keep on Tan going, Berta!

Text und Fotos Bernd Epple

Portraits von Gregor Hübner

Portraits von Veit Hübner