Stanley Clarke bei der jazz open stuttgart 2026
Die ersten Fotos der Preisverleihung und dem Konzert im SpardWelt Eventcenter
Stanley Clarke – Bass / E-Bass
Beka Gochiashvili – Piano / Keys
Emilio Modeste – Sax
Jeremiah Collier – Drums
Stanley Clarke begeistert das Publikum anlässlich der Verleihung der German Jazz Trophy
Ganz zum Schluss, als Zugabe hat er ES gespielt. Dieses Riff, dieses Stück, diese Basslinie, dieses Stück mit diesem drive, das „alle“ kennen: School Days. Dieses Stück, bei dem auch jetzt bei diesem Preisträgerkonzert sofort die einen bewegt-feuchte Augen bekommen, für andere mindestens eine neue Ära „des Bass – Spielens“ eingeläutet wurde. Wie es – ebenfalls ergriffen und voller ehrlicher Bewunderung – Laudator Mini Schulz, selbst Bass – Spieler und Jazzclub – Betreiber auf den Begriff brachte: „Stanley Clarke war ein Revolutionär der tiefen Töne“.
Aber auch diejenigen, die selbst im Jahr 1976, als der damals 25 – jährige Stanley Ckarke mit diesem Stück für ganz schön Furore in der Musikwelt sorgte, vielleicht noch gar nicht geboren waren, und die auch gar nichts wussten über diesem freundlichen und zugewandten 75 – jährigen Bassisten, wie der da auf der Bühne stand, geehrt wurde und dann selbst spielen sollte, auch diejenigen sollten in den 90 Minuten eine Reise erleben, bei der sich ganz schön weit in die Tiefe ins Bass – Universum vorstoßen ließ.
Die Befreiung des Basses
Auf dem Akustikbass, direkt, ohne Ansage und Umschweife zündete Stanley Clarke ein Fusion – Feuerwerk. Die vier auf der Bühne, die sind bestens eingespielt, haben jede Menge lässiger Energie und Freude an ihrer gemeinsamen Musik. Und wie sich das für einen Jazz Open – Auftakt gehört, waren also Schubladen und Kategorie – Karteikärtchen weit aufgerissen und laden ein: „Bedient Euch!“- Funk, „altmodischen“ Jazzrock, Latin. Wechsel zum e-Bass, dort wunderbar getragene, weiche, schmeichelnde Töne, gefolgt von knallenden Slapintermezzi, treibendem Piano, einem sich höher und höher schraubenden Emilio Modeste am Saxofon und des ständig mit breaks, Verzögerungen und vertrackten Figuren scheinbar mühelos jonglierenden Schlagzeugers Jeremiah Collier.
Das Ganze passiert in manchmal irrwitzigem Tempo, Eruptionen gleich, um dann aber wieder zu verebben, den inneren Puls, Groove oder Swing aber nie verlierend. Spannung, Konzentration und mit Genuss. Wenn Clarke sich auf in eine seiner Solo – Passagen auf und davon macht, dann spielt er mit beiden Händen. Ein Tanz auf dem Bass mit allen zehn Fingern ein auf Griffbrett und Saiten. Einer der Höhepunkte ist damit auch tiefe Verbeugung vor dem „klassischen Jazz“, ist eine ausgedehnte und vielgestaltige Interpretation des Charles Mingus – Klassiker „Good Bye Pork Pie Hat“.
Das Konzert zum Auftakt des Jazz Open – Festivals war nicht nur die grandioses Bass – Panorama – Schau des Stanley Clarke, es dokumentiert auch eine Öffnung, einer Art Meilenstein. Das Album und der Song „School Days“ markiert, wenn man so will, auch eine Befreiung des e – Bass – Spiels. Bass, das waren ab spätestens Mitte der 70er – Jahre nicht mehr nur die tiefen Töne, die zwar wichtig für den Groove waren, eine Art Basis für die Band war, aber eher eben im Hintergrund wirkten. Ab jetzt knallten sie in auch in den hohen Lagen, spielten Solo mit Wahwah und atemberaubenden neuen Techniken. Da gehörten natürlich auch ein paar andere Großmeister der Bass – Zunft dazu wie zum Beispiel Jaco Pastorius, Alphonso Johnson oder Helmut Hattler (ja, auch der, aus Ulm, von Kraan!)
School Days – ein Leben lang
Heute, ziemlich genau 50 Jahren nach dem Erscheinen nach School Days, dieses Jahrhundertsongs, klingt Stanley Clarke frischer denn je, und der mittlerweile 75 – jährige Meister spielt entspannt, konzentriert und in sich ruhend mit hippen Leuten zusammen, die jetzt so alt sind wie er zu School Days – Zeiten. Herrliche Schulzeiten, könnte man philosophieren und die Gedanken spielen lassen, zumal sich Stanley Clarke sich das besonders auf die Fahnen geschrieben hat, junge Musiker*innen zu fördern und sein Wissen und seine Erfahrung weiterzugeben. Dass er sich dabei bis heute auch gerne auf der Plattform der Scientology Church bewegt, soll hier nicht unerwähnt bleiben.
Das „Preisträgerkonzert“ zum German Jazz Award war ein Ereignis zum Abheben, hob ein begeistertes Premieren – Publikum von den Sitzen. Und dass dieses School Day – Riff noch nach Tagen durch den Kopf geistert kann ja in mancherlei Weise dazu anregen, Schulzeiten, auch eigene, nicht zu vergessen bzw. nicht aufzuhören zu lernen.
Tom Hagenauer
Hier gehts zurück zur jazz open stuttgart 2026 Fotogalerie
Portraits von Stanley Clarke
Portraits von Emilio Modeste



