Sarah McKenzie bei der jazzopen Stuttgart 2022

Sarah McKenzie, Piano, Gesang
Jaques Morelenbaum, Cello
Romero Lubambo, Gitarre
Pierre Boussaguet, Kontrabass
Rafael Barata, Schlagzeug

Stuttgart, 9.7.2022

Sarah McKenzie goes Brazil

Die Sängerin und Pianistin besticht am 9. Juli beim Stuttgarter jazzopen im Alten Schloss vor allem durch Bühnenpräsenz und ihre authentische Liebe zur brasilianischen Musik. Kein Wunder, hatte sie für dieses Konzert, ihrer Passion entsprechend, ihre brasilianischen „Spielkameraden“ mitgebracht. Und das waren wahrlich keine Nobodys. Stellvertretend sei hier der Cellist Jaques Morelenbaum erwähnt. Morelenbaum? Da war doch etwas….; Paula Morelenbaum, als Sängerin hierzulande vielleicht eher bekannt, ist seine Frau. Nach dem Tode von Jobim 1994 gründete Jaques Morelenbaum gemeinsam mit Paula, Jobims Sohn Paulo (Gitarre und Gesang) und Paulos Sohn Daniel (Klavier und Gesang) das Quarteto Jobim-Morelenbaum. Das Repertoire baute auf dem Schaffen von Antônio Carlos Jobim auf. Letzterer wurde denn auch im Innenhof des Alten Schlosses entsprechend gewürdigt. So kamen vorwiegend dessen Kompositionen zum Zuge. Bereits der Opener „Quiet nights of Quiet Stars“ (Corcovado) versetzte die Besucher in Copacabana-Stimmung. “Chega de Saudade”, “Girl from Ipanema“., „Once I Loved“ und „Wave“ setzten im weiteren Programmverlauf noch eins drauf. Natürlich waren das nicht nur Coversongs, sondern auch neue Arrangements der Brazil-Hits. Leicht schwebende Piano-Solos, Zweistimmige Licks von Piano und Cello, hervorragende Bass-, Gitarren- und Drumsoli, die aufhorchen ließen und die wundervolle Bogenführung von Morelenbaum erhöhten den Genuss der Latin Grooves.


Unfreiwilliger Versprecher und interessante Bearbeitungen von Standards

Schön, dass die sympathische junge Australierin nach den Intro-Nummern ihre ausführliche Begrüßung in Deutsch vorlas, auch wenn dabei aus dem Schlagzeug lustigerweise ein „Schluckzeug“ wurde. Bereits zum Dritten Mal lockte die mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Musikerin ihre Fans nach Stuttgart. Leider kamen an diesem Abend die Eigenkompositionen etwas kurz, obwohl die musikalisch flexible Entertainerin da wohl auch einiges zu bieten gehabt hätte. Vermutlich ihrem „brasilianischen Herz“ und der Besetzung geschuldet, wählte sie „De Nada“ aus ihrem eigenen Repertoire. Dann wieder zurück zu anderen Komponisten: „Fly Me To The Moon“ verlieh den pianistischen Fähigkeiten McKenzies Flügel und zeigte wie kreativ man auch mit Covers umgehen kann.
Was bleibt nach dieser Performance? Saubere vokale Intonation. eher im Stile einer Singer/Songwriterin, als einer Soul- und Bluesröhre, feines Klavierspiel und eine kraftvolle Bossa Nova-Band mit cooler lässiger Musik. All das macht eine Sommernacht zu dem was sie sein soll: unbeschwert, heiter und genussvoll!

Bernd Epple

Portraits von Sarah McKenzie