Konzerte

Peter Erskine Trio im Jazzclub Bix Stuttgart 2026

Konzertreview des Auftrittes der Drummer-Ikone Peter Erskine mit seinem Trio im Jazzclub Bix

Peter Erskine (dr)
Alan Pasqua (p)
Darek Oles (db)

Eine Jazzikone und ein gebrochener Finger

Regelmäßig betreten Ikonen der Jazzszene die Bühne des renommierten Stuttgarter BIX. An diesem Abend war Peter Erskine angekündigt, einer der angesehensten und gefragtesten Schlagzeuger des Jazz – mit seinem Quartett. Doch wie bereits auf der Homepage mitgeteilt, wurde aus dem Quartett ein Trio. BIX-Geschäftsführer David Wilcke erläuterte in seiner Begrüßung noch einmal den Grund: Saxophonist Bob Mintzer hatte sich wenige Tage zuvor einen Finger gebrochen und musste seine Teilnahme an der Tournee absagen.

Also griff Plan B. Nach gemeinsamer Beratung hatte man entschieden, auf einen Ersatzmusiker zu verzichten. Die Begründung lautete, dass sich der Charakter der Band und ihr eigenständiges Repertoire auf diese Weise kaum bewahren ließen. Statt das Programm zu ändern und die Konzerte in Jam-Sessions mit Standards zu verwandeln, wollte die Band ihre Musik als Trio präsentieren und deren Identität erhalten.

Vier Jahre „Wetterbericht“ und rund 700 Produktionen

Einem größeren Publikum wurde Erskine vor allem als Schlagzeuger von Weather Report bekannt, wo er von 1978 bis 1982 spielte. Insgesamt wirkte er an rund 700 Alben und Filmmusiken mit. Bereits mit vier Jahren begann er Schlagzeug zu spielen, später studierte er Percussion an der Indiana University. Seit 1972 ist er als professioneller Musiker tätig.

Der zum Zeitpunkt des Konzerts 71-Jährige bringt jahrzehntelange Erfahrung in großen wie kleinen Formationen mit.

Auch seine beiden Mitstreiter, Alan Pasqua am Klavier und Darek Oles am Kontrabass, sind bestens mit ihm vertraut. Das gemeinsame Spiel lebt von gegenseitigem Vertrauen und einem tiefen Verständnis für Klang, Form und den musikalischen Moment. Ob diese Vertrautheit ausreichen würde, um Mintzers Ausfall aufzufangen, musste sich allerdings erst zeigen.

Der amerikanische Pianist, Komponist und Hochschullehrer Pasqua spielte unter anderem mit Tony Williams, Bob Dylan, Carlos Santana, Michael Brecker, Aretha Franklin und Allan Holdsworth. Er war an Grammy-nominierten Projekten beteiligt, komponierte Musik für „The Waterboy“, schrieb das „CBS Evening News“-Thema mit und lehrt an der University of Southern California. Der polnische Bassist Darek Oles wiederum arbeitete mit Jazzgrößen wie Brad Mehldau, Pat Metheny, Charles Lloyd und Lee Konitz. Die Voraussetzungen für einen spannenden Konzertabend waren also durchaus gegeben.

Sanfter, gepflegter Swing ohne große Höhepunkte

Die drei erfahrenen Jazzer legten swingend, leise und unspektakulär los. „Old School Blues“ sollte an die musikalischen Anfänge erinnern. Nach der Stimmung des Stücks zu urteilen, mussten diese recht ruhig und unaufgeregt gewesen sein. Das klang souverän und gepflegt, ließ aber spontane Lebendigkeit vermissen. Selbst nach einer halben Stunde stellte sich die Frage, wann die Musik endlich mehr Spannung entwickeln würde.

Die Stücke waren elegant und sorgfältig arrangiert. Es fehlten jedoch markante Akzente und jene zusätzliche Stimme, die Mintzer mit seinem Saxophon hätte einbringen können. Vor allem Pasqua setzte gelegentlich kreative Impulse. Stellenweise schien er auch den Raum ausfüllen zu wollen, den der fehlende Saxophonist hinterließ. Doch selbst diese Momente lösten das Trio nur kurz aus seiner Zurückhaltung. Vereinzelt schlichen sich zudem Unebenheiten ins Zusammenspiel ein.

Wer einen ruhigen Jazzabend schätzte, war an diesem Abend im BIX gut aufgehoben. Wer auf mitreißenden Fusionjazz gehofft hatte, dürfte dagegen enttäuscht gewesen sein. Der Titel „Contemplation“ beschrieb die Stimmung der gut neunzigminütigen Darbietung am treffendsten: konzentriert, meditativ und ruhig dahinfließend, doch ohne große Höhepunkte.

Auch der Beifall des Stuttgarter Publikums wirkte eher verhalten und pflichtbewusst als euphorisch. Drei erfahrene Musiker musizierten mit sichtbarer Freude. Der vierte Mann fehlte dennoch – und mit ihm ein wesentlicher Teil der musikalischen Spannung.

Harald Kümmel

Portraits von Peter Erskine