Gregory Porter bei der jazzopen 2022

Stuttgart, 12.7.2022

Emotionales Highlight zum Abschluss eines großen Musikabends

Es ist ja schon erstaunlich: in der Geschichte des Soul und Jazz gab es zu jeder Zeit eine große Anzahl an hervorragenden Sängerinnen wohingegen große männliche Stimmen eher selten sind. Als vor gut zehn Jahren Gregory Porter am Musikhorizont auftauchte, war dies deshalb ein bemerkenswertes Ereignis. Da der klassische Jazz eher instrumental ausgerichtet ist, beläuft sich sein Repertoire mehr auf soulige Titel, die oft eingängig und emotional erscheinen.

Dabei als dritter Teil eines langen Musikabends nach David Sandborn und Al di Meola aufzutreten ist sicher keine leichte Aufgabe. Der Mann mit der Ballonmütze hat diese Herausforderung mit Bravour gemeistert; von den ersten Tönen an war das Publikum ohne die geringsten Anzeichen von Ermüdung begeistert dabei. Jahmal Nichols am Bass, Emanuel Harrold am Schlagzeug, Chip Crawford am Klavier, Ondrej Pivec an der Hammondorgel und Tivon Pennicott am Tenorsaxophon waren dabei äußerst leidenschaftliche Begleiter seiner unverwechselbaren Baritonstimme. Insbesondere die Duette, die Porter mit seinem Saxophonisten zelebrierte, waren von allerhöchster Klasse. Wenn dann die langen und intensiven Sequenzen auf der Hammondorgel dazu kamen, dann wurde deutlich, wo die musikalischen Wurzeln von Gregory Porter liegen: im Amerikanischen Gospel.

Seine hochemotionale Stimme ließ niemanden im Publikum unberührt und seine in Scharen angereiste Fangemeinde kam voll und ganz auf ihre Kosten. Viele konnten das gesamte Repertoire mitsingen und zum Ende hin hielt es niemanden mehr auf den Plätzen. Ein beeindruckender Auftritt.

Markus Minberg