James Blood Ulmer ist gestorben

Böblingen, 10.6.2026
Der Jazz- und Bluesmusiker James Blood Ulmer ist mit über 80 Jahren gestorben
Mit dem Tod von James „Blood“ Ulmer am 3. Juni 2026 verliert die Musikwelt einen ihrer eigenwilligsten und faszinierendsten Freigeister. Seine Reise begann 1940 (oder 1942?) in South Carolina, wo er als Vierjähriger die ersten Gitarrengriffe von seinem Vater lernte. Über R&B, Soul-Jazz und die New Yorker Jazzszene – an der Seite von Legenden wie Art Blakey – fand er seinen ganz eigenen Weg. Vor allem die Begegnung mit Ornette Coleman und dessen „harmolodischem Konzept“ prägte ihn tief. Ulmer erschuf daraus eine rohe, abstrakte Fusion, die als Punk Jazz und Free Funk Musikgeschichte schrieb.
Er war ein absoluter Individualist. Niemand klang wie er, niemand stimmte die Gitarre wie er, und seine spröden, kraftvollen Klänge, die er mit dem Daumen aus den Saiten schlug, vergaß man nicht mehr.
Gern erinnere ich mich an sein Konzert im Jazzclub Unterfahrt in München. Dort erlebte ich ihn nicht nur als Genie, sondern als wunderbar bodenständigen Menschen. Auf seinem Stuhl sitzend sagte er fast nebenbei, er habe ein paar CDs mitgebracht. Als die begeisterten Zuhörer nach vorne kamen, entleerte er einfach seine alte Stofftasche mitten auf der Bühne – ein bunter Schatz aus 30 Jahren Musikgeschichte. Lächelnd signierte er im großen Andrang die Alben für ein paar Euro. Genau so werden wir ihn in Erinnerung behalten: als ungreifbaren Künstler mit großem Herzen.

Am 3. Juni 2026 ist dieser außergewöhnliche Musiker im Alter von über 80 Jahren gestorben. Ruhe in Frieden.
Rainer Ortag
Unser Konzertbericht auf den alten Seiten: James Blood Ulmer im Jazzclub Unterfahrt in München am 27.01.2015
