Konzerte

Wolfgang Haffner Groove All Stars bei den Theaterhaus Jazztagen 2026

Wolfgang Haffner (drums)
Tony Lakatos (tenor Saxophone)
Jakob Manz (alto Saxophone)
Ulf Wakenius (guitar)
Simon Oslender (hammond)
Thomas Stieger (ebass)
Shuteen Erdenebaatar (piano)
Nils Kugelmann (bass)

Very Special Guest:
Nils Landgren (trombone)

Stuttgart, 4.4.2026

What a Party – Die europäische Jazz- und Funkszene rockt das Theaterhaus

Der international renommierte Drummer Wolfgang Haffner versammelt seine Groove All Stars und feiert mit ihnen und dem Publikum eine rauschende Party

Vermutlich ahnten die Besucher des ausverkauften T1 im Stuttgarter Theaterhaus anfangs noch nicht, welche Woge da auf sie zurollen sollte. Am Ende jedoch standen alle Kopf und tanzten in den Stuhlreihen. Was ist geschehen? Mit der Entenjagd („Duck Chasing“) zu der man am Anfang blies, gings umgehend in die Vollen: Geradliniger Funk ohne Kompromisse und ein durchgängig strahlender Drummer, der die Mannschaft mit brachialer Stockarbeit zusammenhielt! Kraftvolle Gitarre/Tenorsax-Licks in der Folgenummer „Chris Came Across“, bei der Tony Lakatos im Anschluss die Skalen rauf und runter jagte bevor auch Simon Oslender, sichtlich gut gelaunt, mit heißer Hammond-Orgel dem Stück seinen Stempel aufdrückte.

Im selben Strickmuster auch „Keep Going“, ergänzt durch Call/Response-Einlagen von Tenorsax und E-Gitarre. „Alter Schwede“, mag sich manch einer gedacht haben, als die kreative Spielweise des schwedischen Gitarristen Ulf Wakenius offenbar wurde. Der leitete mit einem „á capella“-Solo Stevie Wonders „Isn’t She Lovely“ ein, das sich im weiteren Verlauf zu einer Spielwiese für Saxophon und Gitarre entwickelte  – feines Bluesfeeling und kleine Verschnaufpause zugleich bevor Jakob Manz auf der Bühne erschien. Damit stand die Blaskapelle und diese sprühte nur so vor Energie. „Wanna Make You Happy“ – Nomen est Omen; wer kann ob Manz‘ ekstatischen Altsax-Soli noch in Depressionen versinken?! Sein tiefer Griff in die emotionsgeladene Technikkiste sorgte für Zungenschnalzer und fröhliche Gesichter. Schöne zweistimmige Intervalle der beiden Saxophone sowie Manz‘ wunderbare Fillings leiteten in die Pause.

Weitere Special Guest kamen auf die Bühne

Danach wuchs die Formation mit Nils Landgren zum Septett an und dessen rote Posaune schuf nach einem schönen Intro-Solo die ideale Ergänzung zum Bläsersatz, der in Folge immer wieder den Power Tower erstrahlen ließ.  „So What“, Miles Davis zu Ehren, der in diesem Jahr seinen Hundertsten feiern würde, wollten sich schließlich auch Shuteen Erdenebaatar und Nils Kugelmann nicht entgehen lassen. Beide waren bereits am Vortag mit Jakob Manz auf der Bühne und kurzerhand von Haffner zu einem Nonett einberufen. Die Pianistin kann nicht nur gefällig, das wurde umgehend deutlich als sie hinter dem Stage Piano Platz nahm; und dass ihr Partner Nils Kugelmann ein Bass-Tausendsassa ist, hatte dieser schon beim Eröffnungskonzert der Theaterhaus Jazztage mit Joachim Kühn bewiesen.

Simon Oslender glänzte mit einem ominösen Hammond-Solo und die ganze Kapelle versprühte einen Heidenspaß! Nach einem weiteren grandiosen Altsax-Solo bei „Put It Where U Want It“ kam Landgren nicht umhin, seinen jungen Kollegen voll Bewunderung zu umarmen und auch Wakenius ließ seinen brillanten Spieltechniken freien Lauf. Danach ließ es die Formation etwas ruhiger angehen. Lakatos‘ zart hauchendes Sax und Landgrens „singende“ Posaune bekamen nun ausreichend Raum, doch schon bei „Chicken“ flatterte der wilde Hühnerhaufen wieder in die Lüfte. Ganz nebenbei wurde dann irgendwo auch noch die Sau rausgelassen (Manz/Lakatos).

Tanzparty zum Finale

Und endlich das erwartete Drumsolo, bei dem Haffner bewies, dass er nicht nur „geradeaus funky“ draufhat. „You Dig“ war dann schließlich bestens geeignet, Thomas Stieger auf die Spielwiese zu lassen. Haffner hatte anfangs angekündigt, dass er einer der besten Bassisten sei, die es momentan gebe. Bis zu diesem Zeitpunkt spielte er weitgehend unauffällig, um jetzt mit seiner Slap-Technik für strahlende Gesichter zu sorgen. „Same Old Story“, und wenn das Publikum andächtig lauscht, obwohl es eigentlich in den Tanzbeinen juckt, braucht es einen Entertainer wie Landgren, der das erkannte. Somit forderte er die Besucher auf, sich zu erheben und ihrem Bewegungsdrang freien Lauf zu lassen. Die Tanzparty war eingezählt und fand ihren krönenden Abschluss in der „Ain’t Nobody“- Zugabe. Zu guter Letzt schließlich die spontan aufgestellten „Theaterhaus Fischerchöre“ im Wechselgesang mit Landgren – was für ein Fest!

Bernd Epple

Hier Portraits von

Wolfgang Haffner

Tony Lakatos

Jakob Manz

Ulf Wakenius

Simon Oslender

Thomas Stieger

Shuteen Erdenebaatar

Nils Kugelmann

Nils Landgren