Konzerte

Miles Davis Festival Band in der Kongresshalle Böblingen 2026

Ralf Hesse – Trompete
Tilman Jäger – Piano
Magnus Mehl – Alt-Saxophon
Yaron Stavi – Kontrabass
Ferenc Mehl – Schlagzeug

Böblingen, 17.4.2026

Die Reanimation von Miles Davis ist geglückt

Wie schon in den Jahren 1964 und 1971 ist der stilprägende Ausnahmetrompeter wieder in Böblingen und Sindelfingen präsent – allerdings nicht persönlich, wäre dieser sonst ja bereits 100 Jahre alt. Eine hochkarätig besetzte Miles Davis Festival Band lässt den Meister wieder aufleben

Der Württembergsaal der Böblinger Kongresshalle war rappelvoll; ausverkauft – das gab es fast nie seit Bestehen der JazzTime, die vor einem Vierteljahrhundert an den Start ging. Miles Davis, die Besetzung, gute Werbung; an was lag es? Der Pianist und Mitveranstalter des Abends, Tilman Jäger meint: „Ich denke ein Konglomerat von alledem“. Letztendlich spielte das auch keine Rolle, der Veranstalter freute sich und das Publikum wurde für sein Erscheinen reichlich belohnt.

Co-Veranstalter Ralf Püpcke wies bei seiner Anmoderation darauf hin, welch epochalen Einfluss Davis auf die Entwicklung der Jazzszene hatte und ließ die Besucher schmunzelnd an einem Zeitungsausschnitt des Böblinger Boten aus dem Jahre 1971 teilhaben. Da hieß es unter anderem: „Meisterlich führt Miles Davis seine „Hupe“ zu solch hohen Tönen, die man bei Blaskapellen nur von Querflöten und bestenfalls von Klarinetten gewohnt ist“, In seinem Buch „Von Abba bis Zappa“ beschreibt Christoph Wagner, der ebenfalls einführende Worte sprach, wie sich von 1964 bis 1984 die Rock- und Jazzstars in Böblingen und Sindelfingen die Klinke in die Hand gaben und die „Provinz“ sich zum Zentrum dieser Musik mauserte. So war die Band um Davis zunächst „akustisch“ in Sindelfingen und sieben Jahre später „elektrisch“ in Böblingen. Anlässlich des hundertsten Geburtstages von Miles Davis sollte es in umgekehrter Reihenfolge eine Neuauflage seiner Musik geben.

Der „Electric Miles“ wird bei den Sindelfinger Jazztagen noch folgen

Im Rahmen der Sindelfinger Jazztage wird die Miles Davis Festival Band am 25. April in der Sindelfinger Stadthalle den „Electric Miles“ spielen und hatte jetzt in der Kongresshalle den „Acoustic Miles“ im Programm. Christoph Wagners Buch kann man folgende Zeilen entnehmen: „1964 galt das Miles Davis Quintett als die weltweit aufregendste Combo im Jazz. Die Gruppe bestand aus lauter jungen Talenten, von denen jedes bald selbst zu einem Star werden sollte: Am Piano saß der 24-jährige Herbie Hancock, Wayne Shorter – 31 Jahre alt – spielte Tenorsaxophon, der 27-jährige Ron Carter Bass und am Schlagzeug sorgte ein trommelndes Wunderkind für magischen Swing: Tony Williams. Gerade mal 18 Jahre alt.“ Die Namen der Musiker dieses Abends dürften weltweit zwar weniger geläufig sein, dennoch stellten keine „No Names“ die Besatzung an Bord des Jazzdampfers. Die Passagiere durften sich auf eine zweistündige Kreuzfahrt durch Davis-Land freuen.

Das  „Kind Of Blue“-Album stand vorne an

Titel aus dem „Kind Of Blue“-Album durften hierbei natürlich nicht fehlen; denn dieses galt als Meilenstein in der Geschichte des Genres und ist zudem das kommerziell erfolgreichste Jazz-Album. Ob „Blue In Green“, „So What“ oder „All Blues“. Jede Nummer war geschmückt mit feinen Soli der jeweiligen Protagonisten; allen voran ein bestens aufgelegter Magnus Mehl, der mit extrovertierten Phrasen, skalenjagend, entfesselt ekstatisch und körperbetont in seine Jazzwelt einlud. Nach Ende des regulären Programms kamen die Akteure der frenetisch geforderten Zugabe gerne nach und wählten dafür „Bye Bye Black Bird“, ein Titel der lange im Programm des Klassischen Miles Davis Quintetts stand.

Die zeitgenössische Antwort auf 1964 ist der Formation mehr als gelungen und die Neugierde auf das Folgekonzert am darauffolgenden Wochenende dürfte auch bei denen geweckt worden sein, die noch nicht im Besitz eines Tickets waren.

Bernd Epple

Portraits von Tilman Jäger

Portraits von Magnus Mehl

Portraits von Ferenc Mehl