Konzerte

Dizzy & Anselm Krisch ’40 y‘ und sDELTA im Kulturbunker Stuttgart 2026

Dizzy Krisch – Vibraphon
Anselm Krisch – Piano

Stuttgart, 1.3.2026

Doppelkonzert des Winterjazz 2026 – Ein Kontrastprogramm

Dizzy & Anselm Krisch ’40 y‘

Roof Songs“ – intim und funkelnd – so war der letzte Abend des Winterjazz-Festivals der IG Jazz Stuttgart geplant. Doch kurzfristig kam es zu einer Änderung: Die großartige Tübinger Bassistin Karoline Höfler musste verletzungsbedingt absagen.

Kurzerhand lud ihr Duopartner Dizzy Krisch seinen Sohn ein, um gemeinsam das Duo-Album „40 y“ vorzustellen, das anlässlich des Geburtstags von Anselm Krisch erschienen ist. So entstand eine Jazzbeziehung der besonderen Art: zwei Generationen, verbunden durch eine gemeinsame musikalische Leidenschaft.

Die Liebe, Jazzstandards und eigene Kompositionen auch in Duo-Besetzung auf die Bühne zu bringen, ist tief im Schaffen des renommierten Tübinger Vibraphonisten Dizzy Krisch verankert. Gerade in dieser reduzierten Form entfaltet sich der musikalische Dialog besonders eindringlich.

Wie in all seinen Projekten legt Krisch großen Wert auf ein atmosphärisch stimmiges Programm, in dem die Persönlichkeit und die individuellen Stärken seiner Duopartnerinnen und -partner organisch zur Geltung kommen. Mit seinem Sohn Anselm Krisch am Piano verbindet ihn dabei eine ganz besondere musikalische Beziehung.

Anselm Krisch, aufgewachsen mit der Musik seines Vaters, entwickelte bereits während seines Klavierstudiums konsequent eine eigene künstlerische Handschrift. Heute begegnen sich Vater und Sohn auf der Bühne respektvoll als gleichberechtigte Musiker. In ihrem Programm „Outstanding Songs“ verbinden sie Jazzstandards mit eigenen Kompositionen und begeistern damit ihr Publikum.

Dieses zeigte sich tief beeindruckt von der Darbietung und ließ das Duo erst nach einer Zugabe von der Bühne gehen.


sDelta

Marcus Weiss – sax
Reinhold Braig – live-electronic

mühelos und limitiert

Auslotung der Gegensätze und ihrer Verschmelzung in einem improvisatorischen und kompositorischen Kontext

Ein ganz besonderes Erlebnis – und zugleich ein deutlicher Kontrast zur Musik des Duos Krisch – folgte im Anschluss auf der Bühne. Zwei herausragende Musiker traten an, um klangliche Grenzen auszuloten.

Der Schweizer Saxophonist Marcus Weiss, seit 1995 Professor für Saxophon und Kammermusik an der Musikhochschule Basel, begegnete dabei Reinhold Braig, der seit 1998 als Klangregisseur und Musikinformatiker arbeitet und Live-Elektronik, Synthesizer und Raumklang selbstverständlich in seine Musik integriert.

Elektronisch erzeugte Klänge, scheinbar unbegrenzt in Dauer und Intensität, entfalten sich über Lautsprecher mit eindrucksvoller Präsenz. Ihnen gegenüber stehen die durch menschlichen Atem hervorgebrachten Saxophonklänge – naturgemäß begrenzt und körperlich gebunden.

Diesen spannungsvollen Gegensatz zwischen Maschine und Körperlichkeit machen Braig und Weiss zum Ausgangspunkt ihres Duoprojekts sDELTA. Dabei verschränken sich akustische und elektronische Ebenen zu einer klanglichen Einheit, die zugleich ihre Unterschiede hörbar macht – inklusive fließender Rollentausche.

Sowohl in der Jazztradition als auch in der zeitgenössischen Musik verwurzelt, verbinden die beiden Musiker spontane Improvisationen mit notierten Passagen. Diese treffen auf vielschichtige elektronische Texturen, die den gesamten Konzertraum einbeziehen und ihn selbst zum Teil der Komposition werden lassen.

Gerade darin dürfte jedoch auch eine Herausforderung gelegen haben: Der Aufführungsraum erwies sich als zu klein für die Wucht und Ausdehnung der Klänge. Einige Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten sich sichtlich überfordert von der Intensität und dem experimentellen Charakter der Darbietung.

Portraits von Dizzy Krisch

Portraits von Anselm Krisch