Barbara Dennerlein Trio – Sindelfinger Jazztage 2021

Barbara Dennerlein Trio bei den 7. Jazztagen Sindelfingen der igkultur

Barbara Dennerlein, Hammondorgel
Fabiano Pereira, git
Marcel Gustke, dr

Sindelfingen, 18.7.2021

Die Königin der Jazzorgel gab sich die Ehre

Barbara Dennerlein begeisterte im Kulturzelt auf dem Grünen Platz in Sindelfingen

Vor fünf Jahren gab sie bereits schon einmal ihre Visitenkarte bei der IG Kultur im Pavillon ab und wurde stürmisch gefeiert. Schließlich bedeutet Barbara Dennerlein live zu erleben, so etwas wie der Himmel auf Erden; zumindest für Hammondorgel- und Jazzfans. Das hat sich herumgesprochen und so war das Kulturzelt am Sonntagabend denn auch rappelvoll. Dennerlein lebt ihre Musik mit jeder Faser ihres Seins und stellt sich ganz in den Dienst der nahezu unerschöpflichen Klänge ihres Instruments. Nach eineinhalb Jahren Zwangspause freue sie sich, endlich wieder Publikum mit Gesichtern zu sehen, gab sie zu verstehen. Und mit einem Augenzwinkern: „Auch die Orgel freut sich ganz besonders, mal wieder losgelassen zu werden“.  Mit ihren „wunderbaren Musikern“ Fabiano Pereira (Gitarre) und Marcel Gustke (Drums) gab es im Kulturzelt nach langer Zeit ebenfalls ein Wiedersehen. Das wurde in Form von musikalischer Kommunikation auf höchstem Niveau ebenso gebührend gefeiert.

Schon das Intro mit ihrer heiß kochenden Hammond B3 swingt ordentlich los und lässt erahnen wohin der Abend geht; nämlich ins Sound- und Groove -Nirwana! Dennerlein spielt sich mit ihrer Band durch verschiedenste Genres, wie Swing, Bossa Nova, Samba, Funk, Blues oder Hard Bop; und das mit einer bestechenden Versiertheit. Die zierliche Frau gehört weltweit schließlich auch zur Crème de la Crème der Orgelspielkunst, hat in verschiedensten Besetzungen um die 30 Tonträger aufgenommen und wurde mit zahlreichen Jazz-Awards ausgezeichnet. „Jazz ist mein ganzes Leben“ lautet ein Dokumentarfilm, den der in der ARD schon Ende der 90er Jahre ausgestrahlt wurde. Knapper und treffender kann die Ausstrahlung der charmanten Münchnerin kaum beschrieben werden. Wer die Dame beobachtet, wie sie mit beiden Händen und Füßen (Bass) die Hammond bearbeitet, dem bleibt nur ein verklärtes Lächeln oder Kopfschütteln.

Ein vertrautes Trio

Bei der Wahl ihrer Begleitmusiker hatte sie am Sonntagabend ebenfalls das richtige Händchen bewiesen. Pereira, Sohn eines Brasilianers, spielte neben seiner semiakustischen E-Gitarre auch Konzertgitarre. Er erinnerte bei einer Bossa-Nummer, mit seiner Singstimme begleitet, an den großen brasilianischen Gitarristen Milton Nascimento. Sein Spielstil war, abgesehen vom „Going Home“ Zugaben- Blues und einem musikalischen Zwiegespräch mit Dennerlein, überwiegend zurückhaltend – dafür einfühlsam, der Gesamtkomposition dienend. Gustke glänzte mit polyrhythmischen Drum-Figuren, die er fast unmerklich immer wieder einstreute. Ein Schagzeugsolo vom Feinsten beim „Grey May Blues“ entfachte beim Publikum lautstarken Sonderbeifall. Ohne Frage, dieses Trio gab sich als eingespieltes Team, dem auch die Zwangspause nichts anhaben konnte. Genau diese verschaffte Dennerlein den Raum, viel zu komponieren und somit auch eingefleischte Dennerlein-Fans mit neuen Klängen zu überraschen. Dennerlein ist natürlich nicht nur eine brillante Technikerin, sondern verwandelt Stimmungen in Musik, die neben heißen Rhythmen auch sehr einfühlsame Balladen bereithält. „Four Yellow Butterflies“ ist ein Beispiel dafür. Die Beobachtung tanzender Schmetterlinge am blauweißen Sommerhimmel geht unter die Haut und ins Herz. Am Ende strahlt Dennerlein: „Das hat riesig Spaß gemacht!“ Die Besucher erlebten ebenfalls mal eine ganz neue 3 G-Interpretation: Gehört, Gesehen, Glücksgefühle!

Bernd Epple

Portraits von Barbara Dennerlein

Portraits von Fabiano Pereira

Portraits von Marcel Gustke