Alfredo Rodríguez Trio im Sudhaus Tübingen 2018

Alfredo Rodríguez, piano, voc
Munir Hossn, bass, g
Daniel Rodriguez, perc

Tübingen, 1.12.2018

Das Alfredo Rodríguez Trio elektrisierte!

Vom ersten Ton an brachten die drei Musiker soviel Musik, Rhythmus und Lebensfreude auf die Bühne, daß das Publikum wie elektrisiert war. So etwas hat man unter den Label „Jazz“ schon lange nicht gehört…

Alfredo Rodríguez wurde in Kuba geboren, lernte erst Percussion, entschied sich dann aber für das Klavier. Seit seinem 14. Lebensjahr steht er auf der Bühne. „Ich hatte jeden Tag die Gelegenheit, aufzutreten und Arrangements für alle Arten von Musik zu schreiben: Boleros, Rock’n’Roll, Tanzmusik… Dabei habe ich die Disziplin gelernt, ein professioneller Musiker zu sein.“ Er absolvierte das Konservatorium Amadeo Roldán und anschließend das Instituto Superior de Arte in Havanna.

Mit 15 Jahren trat er in die Welt des Jazz und der Improvisation ein, als ihm ein Onkel Keith Jarretts „The Köln Concert“ schenkte. „Bis dahin war alles Bach, Mozart und Beethoven. Ich wusste nichts über Improvisation. Das Kölner Konzert hat mein Leben verändert.“ 2006 wurde Rodríguez für das Montreux Jazz Festival ausgewählt und lernte dort Quincy Jones kennen, der von dem jungen Musiker begeistert war. Es dauerte noch drei Jahre bis er sich zum entscheidenden Schritt entschied. Mit einem Koffer, mit „einem Pullover, einer Jeans und seiner Musik“ ging er nach Amerika. Zwei Jahre später erschien seine erste CD, weitere folgten und einen Grammy hat er inzwischen auch bereits erspielt!

Für sein Trio hat er sich den ausdruckstarken brasilianischen Gitarristen Munir Hossn ausgesucht, der zwischen den Gitarren wechselt, aber den Bass immer umgehängt behält. Er ist einer der kreativsten südamerikanischen Musiker und Komponisten seiner Generation. Wie er zum Jazz gekommen ist erklärt er so: „Ich habe Paco Séry, den Schlagzeuger von Salif Keita, sehr geliebt und seinem musikalischen Weg folgend, kam ich zu seiner Zusammenarbeit mit Joe Zawinul. Ich fing an, diese Musik zu schätzen. Es war wie eine Kette von einem Musiker zum anderen. So lernte ich Pianisten wie Bill Evans und Chick Corea oder Gitarristen wie Joe Pass kennen und schätzen.“

An den Perkussionen hörten wir Daniel Rodriguez, der ebenfalls in Kuba geboren ist. Seit seinem 14. Lebensjahr ist er mit den Rhythmusinstrumenten unterwegs und hat in den letzten Jahren mit Musikern wie Arturo Sandoval, Karl Perazo, Carlos Santana und Jose Feliciano gespielt.

Zusammen brachten sie das Sudhaus zum Kochen. Als sie das legendäre „Guantanamera“ spielten, war nichts mehr von einem netten Schlager aus Lateinamerika zu hören. Das Stück wurde zerlegt, interpretiert, arrangiert, daß man aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Nach einer sehr schwungvollen Zugabe, bei dem uns Daniel Rodriguez zeigte, dass bei diesen komplizierten Rhythmen ein einfaches Mitklatschen nicht möglich ist, wurde auch noch eine zweite gefordert und erfüllt. So wurde ein erfreutes Publikum in die kühle Nacht entlassen.

Rainer Ortag