Konzerte

Via Con Te im Jazzclub Bix Stuttgart 2026

Marie Foessel (voc)
Marco Vezzoso (trp)
Alessandro Collina (p)
Mini Schulz (b)
Bernd Reiter (dr)

Stuttgart, 22.1.2026

Via Con Te – A Swinging Tribute to Paolo Conte

Italienische Romantik mit französischen Flair im deutschen Jazzclub oder ein Heimspiel für den „Bass-Professor“

Es kommt wohl nicht allzu oft vor, dass der Geschäftsführer eines Jazzclubs nach der Ansage des Konzertes persönlich in die Saiten greift. Mini Schulz ist seines Zeichens Professor für Bassspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, sowie einer der Gründungsgesellschafter des BIX Jazzclubs. Die Vielseitigkeit seines musikalischen Schaffens ist auch an diesem Abend wieder bei „Via Con Te“, einem Projekt das die italienische Musiklegende Paolo Conte portraitiert, erkennbar. Ob SWR Radiosymphonieorchester, SWR Bigband, Max Greger, Lou Reed, Paul Kuhn oder Wolfgang Dauner, seine bisherige musikalische Karriere ist an Vielfalt kaum zu überbieten. So auch bei diesem Abend: „Mal was ganz Anderes, ein Experiment, das wunderbar funktioniert und zudem auch richtig Spaß macht!“ bemerkt er bei der Ansage.

Die Band ist international, die Sängerin Marie Foessel ist ebenfalls vielseitig aufgestellt und hat ihre Schwerpunkte in Jazz und Vokalmusik. Sie arbeitet als Gesangsdozentin am Conservatoire de Beaulieu-sur-Mer und ist regelmäßig als Performerin in Konzert- und Festivalformaten, sowie in verschiedenen kammermusikalischen und jazzorientierten Projekten aktiv. Marco Vezzoso ist ein italienischer Jazz-Trompeter aus Alba, der am Konservatorium von Turin studierte und seit 2012 in Frankreich lebt, wo er als Professor für Jazz-Trompete am Conservatoire National de Nice tätig ist.

Alessandro Collina ist ein italienischer Jazzpianist, der unter anderem durch seine intensive Arbeit mit Vezzoso bekannt ist. Das Duo trat unter anderem in Japan, China, Südostasien und Europa auf und repräsentierte Italien bei Festivals wie dem European Jazz Festival in Canton. Weitere Kollaborationen führten zu Konzerten und Aufnahmen mit Trilok Gurtu oder Dominique di Piazza. Der österreichische Schlagzeuger Bernd Reiter, der in Graz und New York studierte und nach mehreren Jahren in München nun in Paris lebt, konzertierte weltweit mit vielen Jazzgrößen wie Harold Mabern, Kirk Lightsey, Don Menza, Steve Grossman, Jim Rotondi und zahllosen anderen. Sein Spiel wurde mehrfach ausgezeichnet; vom Gipfel der europäischen Jazzperipherie ist er nicht mehr wegzudenken.

Eine Zeit der Gewöhnung, Conte-Songs und weiblicher Schöngesang

Der Konzertabend beginnt swingend mit „zirzensischen“ musikalischen Elementen, bei denen die Protagonisten schon in den ersten Minuten ihre Virtuosität an ihren jeweiligen Instrumenten demonstrieren. Alles so weit so gut, was den instrumentalen Sound betrifft. Als die französische Vokalistin, nach einigen Minuten des instrumentalen Vorspiels die Stimme erhebt, ist bei manch einem der Zuhörer, der die raue Stimme Contes im Kopf hat, Verwirrung angesagt. Irgendwas scheint da nicht zu passen, sagt das Unterbewusstsein, das denn „kratzigen“ Sprechgesang des italienischen Chansoniers abgespeichert hat. Die italienischen Texte werden mit einer weichen und sanften Stimme mit leichtem französischem Akzent präsentiert. Das Ganze ist qualitativ durchaus schön anzuhören, aber wie gesagt, wer mit seinen Hörgewohnheiten auf Conte konditioniert ist, hat da so seine gewisse Schwierigkeiten.

Nach einigen Minuten „Eingewöhnungszeit“ überzeugt Qualität halt doch und man kann diese vielfältige musikalische Reise genießen. Trompeter Marco Vezzoso nimmt mit seinen intelligenten Solis viel Raum ein, während seine Mitstreiter sich vorerst noch dezent zurückhalten. In den Songpausen erzählt Sängerin Foessel charmant und humorvoll, mal in Englisch dann wieder durchsetzt von französischen Wortfetzen, unter anderem wie sie über ihren Vater zu Paolo Conte fand und von Anfang an fasziniert war. In der ersten halben Stunde plätschert die musikalische Darbietung leicht lethargisch so dahin. Der Funke will anfangs nicht so recht auf das Publikum überspringen.

Auch nicht so Bekanntes findet seinen Platz

Im zweiten Teil des Abends, nachdem sich die Hörgewohnheiten der Zuhörer an den „Anderssound“ angepasst haben, nimmt das Ganze etwas Fahrt auf. Auch die musikalische Qualität steigert sich erheblich, da sich die Solisten nun mehr ihrem solistischen Können widmen können. Der Sound wird jazziger wobei Pianist Alessandro Collina bei seinen solistischen Ausflügen der ein oder andere Fehlgriff unterläuft. Was man bei Trompeter Vezzoso als Misston deuten könnte, ist gewollt und bewegt sich jenseits des konventionellen Trompetenspiels. Schlagzeuger Bernd Reiter hält sich mit seinem unauffälligen Spiel dezent im Hintergrund, kann aber mit einem knackig kurzem, aber technisch brillanten Solo glänzen. Und natürlich hat Hausherr Mini Schulz mit einem seiner gewohnt professionellen Solos auch noch für ein paar Minuten die Bühne für sich.

Es sind nicht ausschließlich die großen Hits Contes, die an diesem Abend auf der Setlist stehen und das ist gut so, hätte man doch wahrscheinlich zu oft den Vergleich zum Original zu Rate gezogen. Der Celentano Gassenhauer „Azzurro“, der aus der Feder Contes stammt wurde (Gott sei Dank) nicht präsentiert. „Hemmingway“, „Gelato Al Limon“ und „Sparring Partner“ dürften wohl die bekanntesten Songs sein, die in den gut neunzig Minuten auf dem Programm standen. Es war ein musikalisch „gechillter“ Italo-Abend mit „French-Dressing“ und deutsch-österreichischen Beilagen. Wer sich auf das musikalische Experiment einlassen konnte, ging gut gelaunt und beschwingt hinaus in die frostige Stuttgarter Nacht und wer nicht, der hatte zumindest eine interessante Variante der Populär-Musik erlebt. Eine Gemeinsamkeit gab es jedoch, warm war es im gut besuchten BIX allen, vielleicht auch durch das „Italian-Feeling“, dass von Bühne in den Raum strömte.

Harald Kümmel

Portraits von Marie Foessel

Portraits von Mini Schulz

Portraits von Bernd Reiter