Konzerte

Jakob Manz Project bei den Theaterhaus Jazztagen Stuttgart 2026

Jakob Manz (as)
Hannes Stollsteimer (p)                              
Frieder Klein (b)
Leo Asal (dr)

Das Jakob Manz Projekt lässt es krachen

Nach einer Umbaupause durfte das Quartett ran, mit dem Jakob Manz bereits international auf sich aufmerksam machte. Seine Spielkameraden sind auch im richtigen Leben Kameraden. Das wirkt sich in jedem Takt des gemeinsamen Musizierens aus: Blindes Verständnis und Routine sind allgegenwärtig, da bleibt nichts dem Zufall überlassen. Auf Noten können die Jungs trotz schwierigster Passagen gänzlich verzichten.

Funky geht‘s umgehend zur Sache. Altmeister Maceo Parker hätte sicher seine Freude daran gehabt. Tastenfeger Hannes Stollsteimer beginnt auf dem Nord Stage 2, was dem Ganzen die nötige funky Würze verleiht, während die Rest-Crew ihren Teil dazu beiträgt, dass die Besatzung mitsamt den „Fluggästen“ umgehend abhebt. „Das ist die Musik in die ich mich mit 15 verliebt habe“ lässt der Saxophonzauberer wissen und dass diese Besetzung vor zwei Jahren in zwei Monaten 55 Konzerte abgespult hätte. Das schweißt zusammen! Feine Nuancen trotz Straight Ahead-Groove und ein Saxophonist der jede Note lebt, wie man seinen akrobatisch anmutenden Bewegungen entnehmen kann. Kraftvolle Breaks über die ein beachtliches Drum Solo läuft, energiegeladen und umjubelt – ein Trommelgewitter vollgepackt mit technischen Finessen!

Vollgas ab dem ersten Takt: Ein Funky-Feuerwerk hebt ab!

Das einstige Wunderkind, inzwischen zum Entertainer gereift, bleibt bescheiden. Bestens gelaunt, gibt Manz, nachdem sich bei seinen Verrenkungen wohl ein Schuhbändel gelöst hatte, zu erkennen was man ahnt, wenn man ihn erlebt: Der Mann muss das Licht der Welt bereits mit seinem Instrument in den Händchen erblickt haben! „Schuhe binden lernen hat länger gedauert als Saxophon spielen. Ich glaube ich war schon Acht – kein Aprilscherz!“. „Oninous Sky“ spielt er mit butterweichem Ton, der fast an Streicher erinnert, dazu von Frieder Klein ein singendes Basssolo auf dem 6-saitigen E-Bass – Tiefgang mit zahlreichen Raffinessen.

Vom Wunderkind zum Entertainer: Wenn das Saxophon zur Seele wird

Soft können sie also auch, wenn sie mit dieser Nummer eine Geschichte mit unglaublichen Phrasierungen erzählen. Wie diese aussieht bleibt der Phantasie der Zuhörer überlassen und wieder mal wird Druck auf die Tränendrüsen ausgeübt. Vom Flügel zurück am Nord Stage geht die Stollsteimer-Nummer „Zapzarap“ nochmal so richtig ab. Den Drums wird viel Raum gegeben und Leo Asal weiß das zu nutzen. Polyrhythmik vom Feinsten! Vor dem letzten Song bedankt sich Manz im vollgepackten T2-Veranstaltungssaal (über 1000) mit den Worten: „Dass ihr alle gekommen seid, macht mich stolz. Das ist wirklich krass. Da kommen so viele Leute her und hören sich das an“.

Der 25 Lenze junge Ausnahmesaxophonist ist trotz großer Klasse bescheiden geblieben und spielt zum Abschluss das schwebende „Only Now“, wonach er und seine Jungs natürlich noch keinen Feierabend haben sollten. Mit „When Weasles Fly“ legte die Combo noch eine Schippe drauf. Manz geht mit seinem Sax ins Publikum und lässt dieses Phrasen nachsingen, was mit einer Stimmung am Siedepunkt auch gerne angenommen wird. Wie alle schönen Momente im Leben muss danach leider auch dieses Happening enden.

Bernd Epple

Portraits von Jakob Manz

Zuvor auf der selben Bühne: European Jazz Night