George Benson Story

George Benson ist mehr als ein Gitarrenvirtuose
Vorbemerkung: George Benson ist mehr als ein Gitarrenvirtuose: Er verbindet mühelos Eleganz, Wärme und Innovation zu einer unverwechselbaren Klangwelt. Wer seine Musik liebt, spürt sofort, wie seine musikalischen Ansätze und zugleich präzise Phrasierungen die Grenzen des Jazz neu definieren. Benson schafft es, komplexe Harmonien zugänglich zu machen, ohne jemals an Tiefe zu verlieren.
Der vorliegende Beitrag ist eine überarbeitete und erweiterte Version eines Rundfunk-Beitrags auf Radio 700 in der Sendung Jazz-Cocktail. Folgende Fragen wurden in der Sendung behandelt: Wie entstand der einzigartige Stil, der die Gitarrenkunst von Charlie Christian und Wes Montgomery erkennbar aufgreift? Welche Entwicklungs-Schritte brachten ihn von den kleinen Clubs zu den internationalen Bühnen?
Die Anfangsjahre von George Benson
George Benson wurde 1943 in Pittsburgh in einem jazzgeprägten Umfeld geboren. Schon als Kind stand er zwischen 1950 und 1954 als „Little Georgie“ auf den Bühnen von Nachtclubs. Seine ersten Single-Aufnahmen präsentiert er im Alter von neun Jahren. In dieser Phase ist seine Musik geprägt von Gospel und Rhythm ’n’ Blues. Sein familiäres Umfeld und die gesellschaftlichen Bedingungen sind nicht einfach, doch er verfolgt seinen Weg mit großer Konsequenz.
In den sechziger Jahren beginnt seine eigentliche Karriere. Erste größere Aufmerksamkeit erhielt er als Gitarrist in der Band von Brother Jack McDuff. Der Gitarrenton von Benson war in dieser frühen Phase anders als in seinen späteren, stärker vom Pop geprägten Erfolgsjahren. Diese frühe Phase war geprägt von Soul Jazz, einer Jazzform, die Blues, Gospel, Rhythm ’n’ Blues und Hard Bop eng miteinander verbindet. Bensons Spiel wirkte damals erdig, zupackend und ungemein rhythmisch. Anstelle von glatter Eleganz stand oft der Groove im Vordergrund. Die Hammond-Orgel von Brother Jack McDuff gab der Musik dabei ihr charakteristisches Fundament: warm, kräftig, manchmal rau, aber immer voller Drive. Darüber entwickelte Benson Linien, die zugleich virtuos, bluesnah und melodisch pointiert waren.
1964 erscheint sein erstes Album als Bandleader. Es trägt den Titel „The New Boss Guitar“. Das Album ist ein reines Instrumentalwerk, das sich durch eine Mischung aus erdigen Blues-Elementen, swingendem Soul Jazz und lebhaftem Hard Bop auszeichnet. Schon hier zeigt sich Bensons enorme Bandbreite. Gefühlvolle Linien stehen neben komplexen Harmonien und schnellen Läufen.

Die sechziger und siebziger Jahre
Nach der Gründung seiner eigenen Gruppe wird diese von dem Produzenten John Hammond entdeckt. Hammond hat bereits Künstler wie Benny Goodman, Billie Holiday und Bob Dylan gefördert und erkennt auch in Benson ein außergewöhnliches Talent.
Für Columbia entstehen die Alben „Beyond Blue Horizon“ und „White Rabbit“. Sie verbinden Soul Jazz mit Elementen des Hard Bop. Gleichzeitig arbeitet Benson mit anderen Größen zusammen und ist unter anderem auf dem Album „Miles in the Sky“ von Miles Davis zu hören.
Ende der sechziger Jahre wechselt er zum Label Verve. Nach dem Tod von Wes Montgomery beginnt eine neue Phase seiner Karriere. Der Produzent Creed Taylor arbeitet mit ihm zunächst bei A & M und später bei CTI. Dort entstehen Aufnahmen mit größeren Besetzungen und aufwendigeren Arrangements.
In der Mitte der siebziger Jahre erreicht der Musiker schließlich ein großes Publikum. Sein Stil verbindet Jazz, Funk und Pop und spricht damit weit über die Jazzszene hinaus viele Hörer an. Neben seinem Gitarrenspiel überzeugt er auch als Sänger mit einer warmen und ausdrucksstarken Stimme. Diese Kombination bringt ihm zahlreiche Auszeichnungen ein.

Von den achtziger Jahren bis in die Gegenwart
Mit seinem Wechsel zu Warner Bros. erreicht George Benson Ende der siebziger Jahre endgültig ein Millionenpublikum. Sein Sound wird zugänglicher. Das Album „Breezin“ wird ein großer Erfolg und macht ihn auch außerhalb der Jazzwelt bekannt. Besonders der zweite Titel auf diesem Album, „This Masquerade“, zeigt, wie mühelos Benson Jazz, Soul und Pop miteinander verbindet.
In den folgenden Jahren öffnet er sich stärker für Pop und Rhythm ’n’ Blues. Ein Höhepunkt dieser Phase ist das von Quincy Jones produzierte Album „Give Me the Night“ aus dem Jahr 1980. Er verknüpft seine Jazz-Roots mit einem kommerzielleren, radiofreundlichen Format, das seine Virtuosität hörbar macht, ohne zu dominant zu wirken. Funkige Rhythmen, pulsierende Bässe und knappe, aber expressive Gitarren- und Gesangslinien prägen das Album.
Trotz dieses Erfolges bleibt der Jazz ein wichtiger Bestandteil seines Schaffens. Das zeigen Produktionen wie „Tenderly“ 1989 und „Big Boss Band“, bei denen seine Gitarre wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Überwiegend bekannte Jazz-Standards werden neu interpretiert. Jazz- Kämpen wie Al Foster, Mc Coy Tyner oder Ron Carter unterstützen ihn bei diesen Aufnahmen.
Love Remembers
Auch in den neunziger Jahren bleibt Benson präsent. Mit „Love Remembers“ erzielt er große Erfolge im Contemporary Jazz. Gleichzeitig widmet er sich immer wieder seinen musikalischen Vorbildern.
Gemeinsam mit Al Jarreau entsteht 2006 das Album „Givin’ It Up“, das ebenfalls große Beachtung findet. Das Album bringt zwei außergewöhnliche Stimmen und Gitarristen zusammen, deren Virtuosität und Gesang nahtlos harmonieren. Beide Künstler glänzen mit ausgeprägter Improvisationsfähigkeit, sowohl in Gesangslinien als auch in Gitarren- bzw. Instrumentalparts.
So entsteht 2013 auch ein Tribut-Album an Nat King Cole. Eine wichtige Inspirationsquelle ist für ihn der Sänger und Pianist. Gemeinsam mit dem Count Basie-Orchestra interpretiert er beispielsweise Titel wie „Walkin’ My Baby Back Home“ oder „Unforgettable“.
Im Jahr 2019 folgt mit „Walking to New Orleans“ ein Album, das von Fats Domino und Chuck Berry inspiriert ist. Benson übersetzt Blues-/Rockabilly-Einflüsse von Chuck Berry in seinen eigenen, jazzig-smoothen Ton. Das zeigt sich in einigen klaren, gitarrenbasierten Phrasen, die an Berrys treibende, handgezogene Leads erinnern.
Seine Offenheit für verschiedene Stilrichtungen zeigt sich auch in späteren Projekten. „Absolute Benson“ verbindet Jazz mit lateinamerikanischen Einflüssen. Das Album ist überwiegend instrumental (nur drei Gesangsstücke) und stellt Bensons bemerkenswerte Gitarrenvirtuosität in einem modernisierten Umfeld dar.

George Benson – Ein Resümee
George Benson hat sich im Laufe seiner langen Karriere immer wieder neu erfunden. Vom jungen Jazzgitarristen entwickelte er sich zu einem Künstler, der Jazz, Pop und Soul auf einzigartige Weise verbindet.
Über viele Jahrzehnte prägte er die internationale Musikszene mit seinem unverwechselbaren Stil. In den letzten Jahren ist er etwas seltener aufgetreten, bleibt aber eine prägende Figur der Musikgeschichte.
Eine besondere Veröffentlichung erschien im Jahr 2024. Das Album „Dreams Do Come True“ enthält Aufnahmen, die bereits Ende der achtziger Jahre entstanden sind und lange Zeit unveröffentlicht blieben. Sie zeigen George Benson noch einmal in einem eher klassischen Kontext mit Orchester.
Quellen:
George Benson / Alan Goldsher: Benson – The Autobiography. Da Capo Press 2014.
https://georgebensom.com, Webseite von George Benson mit vollständiger Diskografie
https://jazzimfilm.org/userfiles/file/downloads/Schlussmanuskript_George_Benson.pdf, Radio-Sendemanuskript mit Playlist zu George Benson auf Radio 700, Jazzcocktail vom 27.4.2026
Wikipedia
Ein Gastbeitrag von Klaus Huckert
