Jens Düppe Quartett im Pappelgarten Reutlingen 2026
Frederik Köster – trumpet
Lars Duppler – piano
Christian Ramond – bass
Jens Düppe – drums, composition
Reutlingen, 28.2.2026
Faszinierender Klang – und Rhythmuskosmos
Erstaunlich sei das und wunderbar, sagt Jens Düppe, dass dieses – sein – Quartett seit immerhin schon 14 Jahren zusammen spielt. Und das Tolle für Konzertbesucher*innen ist, dass man bei jedem Konzert oder bei jedem neuen Album überrascht wird von dieser Band um den Schlagzeuger, Komponisten und Bandleaders, der seit vielen Jahren seine Zelte in Köln aufgeschlagen hat.
Zum Auftakt des Festivaljubiläums im Reutlinger Pappelgarten springt der Funke sofort über, ist das Publikum gefesselt. Dabei ist die Musik von Jens Düppe alles andere als effekthascherisch. Auch alles andere als auf vordergründiges Mitwippen ausgerichtet, kann sogar manchmal ein bisschen kompliziert daherkommen. Aber sie macht Spaß und hat Charme. In dieser Band spielen vier Routiniers und vier Individualisten, die Lust auf Neues haben.
Schubladen und Kategorien? – Fehlanzeige!
Schwerpunkt des aktuellen Programmes sind die Stücke aus dem neuen Album `ism`. Und auf diesen neun Kompositionen ist ziemlich was los. Der Groove kann eckig sein, ein kantiges, fast unbehauene Piano-Thema wird rund, wenn Jens Düppe über Becken und Toms swingt, rockt und rollt. Lars Duppler am Piano markiert rhythmisch komplexe Figuren, (er-) findet überraschende Harmonien. Und das Ganze werden messerscharf zerteilt, verarbeitet und in die Höhe katapultiert von der Trompete von Frederik Köster, der sich in rasende Bebop-artige Improvisationen davonmachen kann oder sich und sein Publikum in gefühlvolles Terrain lockt.
Ein Konzert von Jens Düppe in diesem Quartett ist eine echte Wundertüte und man ist am besten beraten, ohne Erwartungen und konkrete Vorstellungen über die Musik ins Konzert zu gehen. Kategorien wie amerikanischer oder europäischer Jazz, Schubladen wie nordische Klanglandschaften oder Anklänge an Modern – oder Freejazz, Avantgarde und Rock, dass alles passt, könnte in dieser Musik enthalten sein. Aber auch noch viel mehr und anderes. Und eigentlich lädt diese Musik und diese Band ein, alle Schubladen aufzuziehen und weit offen zu stehen lassen, die Einordnerei aufzugeben und sich einzulassen auf das Überraschende, auf immer wieder Neues.
In Jens Düppes Klangbilderbogen reisen wir zusammen mit seinem Schlagzeug durch die Kontinente. Klänge, Rhythmen, gefühlvolles Zusammenspiel und manchmal fast riskante Solopassagen – alles findet sich sowohl in den Stücken des neuen Albums wie auch in den wenigen älteren Stücken, die im aktuellen Programm verblieben sind. Grandios, wie in `The Chase` nach einem ausführlichen und freien Sich-Suchen-Und-Finden – Intro eine gleichzeitig wilde und straighte Jagd beginnt, besonders der phantastische Frederik Köster schwingt sich in schier unglaublichem Tempo zu immer weiteren Höhenflügen auf.
Faszinierende Soundwanderungen und unaufdringliche Eleganz
`Ism` verweigert sich einem Modernismus genauso wie einem Futurismus oder einer nostalgischen Rückbesinnung. Diese Musik und gleichzeitig überall und sie ist unangestrengt – manchmal fast elegant. Die Vier sind eine manchmal fast lässig aufeinander eingeschworene Kapelle im Geiste. Bassist Christian Ramond lässt immer wieder den Grundgroove spürbar pulsieren, Pianist Lars Duppler kann zusammen mit Jens Düppe losrocken und Frederik Kösters Energie und Improvisationskunst scheint unerschöpfliche zu sein.
Die Musik ist mitreißend aber auch wunderschön: Nach gut eineinhalb Stunden aus faszinierenden Höhenflügen und Soundwanderungen landet die Band zusammen mit ihrem Publikum in einer butterweich dahinschmelzenden Ballade: Zugabe und letztes Stück dieses faszinierenden Konzerts ein Stück von der allerersten Platte der Band: `Magnolia`. Die Melodie sind sich öffnende Blüten. Auch wenn’s draußen fast schneit – Frühling im Saal und in den Gesichtern.
Tom Hagenauer
Portraits von Jens Düppe
Portraits von Frederick Köster









