Joel Frahm Trio beim Jazzclub Tübingen im Club Voltaire 2026
Fotogalerie und Konzert-Review
Joel Frahm – tenor sax
Daniel Loomis – bass
Ernesto Cervini – drums
Das Joel Frahm Trio präsentiert ein spannendes Geflecht zeitgenössischer Jazzimpulse
Tübingen, 27.5.2026. Das Joel Frahm Trio präsentiert im ausverkauften Tübinger Club Voltaire ein spannendes Geflecht zeitgenössischer Jazzimpulse.
Trotz sommerlicher Biergartenkonkurrenz war der Club Voltaire in Tübingen am Mittwochabend restlos ausverkauft: Zu Gast war eine der markantesten Tenorsaxofon-Stimmen der New Yorker Jazzszene und setzte den glanzvollen Schlusspunkt des aktuellen Jazzclub-Programms. Der für seinen kraftvollen Ton bekannte Tenorsaxofonist Joel Frahm überzeugte im Verbund mit seinen beiden Begleitern am Kontrabass und Schlagueg nicht nur durch technische Brillanz, sondern vor allem mit einer enormen musikalischen Präsenz und Spielfreude.
Dabei sorgte bereits das dritte Stück des Abends für einen unerwarteten Schreckmoment, als plötzlich der die Saiten stützende Steg von Daniel Loomis’ Kontrabass nachgab und mit einem lauten Krachen auf den Korpus aufschlug. Die rund 15-minütige Reparaturpause meisterten Frahm und der kanadische Schlagzeuger Ernesto Cervini jedoch souverän – mit zwei ausgedehnten Improvisationen im Geiste des kürzlich verstorbenen Sonny Rollins. Was zunächst wie eine improvisierte Überbrückung wirkte, entwickelte sich rasch zu einem eindrucksvollen Beleg der enormen musikalischen Flexibilität des US-Tenorsaxofonisten.
Intuitives Zusammenspiel
Dass aus einem gewöhnlichen Clubabend ein mitreißendes Panorama modernjazziger Ausdrucksmöglichkeiten wurde, lag aber keineswegs allein an Frahms improvisatorischer Klasse und technischer Virtuosität. Entscheidend war vor allem das nahezu intuitive Zusammenspiel der drei Musiker, deren Interaktion von bemerkenswerter Geschlossenheit geprägt war. Immer wieder entstanden auch nach der Rückkehr des Kontrabassisten aus kleinen rhythmischen oder melodischen Keimzellen – einem markanten Basslauf, einem prägnanten Schlagzeugpattern – weit verzweigte musikalische Entwicklungen, die Frahm aufgriff, variierte, dehnte und aufbrach.
Dabei kultivierte der Saxofonist mit lässiger Eleganz einen entspannten, stellenweise an Grover Washington Jr. erinnernden Grundsound. Das besondere Knistern dieses Trios war während des gesamten Konzerts spürbar. Bemerkenswert war auch die stilistische Bandbreite des Ensembles, das mit Balladen wie „Thinking of Benny“, einer Hommage an Benny Golson, ebenso überzeugte wie mit energiegeladenen Modern-Jazz-Stücken à la „Mendoza Line“.
So verband dieses herausragende Gastspiel mit dem Joel Frahm Trio Modernität und Humor, gestalterische Offenheit und feine Zurücknahme zu einem spannenden Geflecht zeitgenössischer Jazzimpulse.
Jürgen Spieß








