Jesus Molina bei den jazzopen Stuttgart 2025
Jesus Molina – Keyboards, Vocals, Band Leader
Rock Choi – Guitar
Alex Polydoroff – Bass
Cain Daniel – Drums
Yturvides Vilches – Trumpet
Paul Andrew – Sax
Stuttgart, 2. Juli 2025
„Meine Musik kommt von Gott. Ich bin nur ein Gefäß“
Jesus Molina bleibt, obwohl er inzwischen längst in der Weltklasse-Jazzpianisten-Liga spielt, bescheiden und dankbar. Und so präsentiert er sich auch beim Eröffnungskonzert der 31. Jazzopen. Auf der Leinwand im Hintergrund sieht man den Familienmenschen auch mal mit seiner kleinen Tochter spielen, während er mit seiner Band eine zärtliche Ballade zum Besten gibt. Das schafft Nahbarkeit. Weitere Filmszenen entführen in seine karibische Heimat, der er auch musikalisch huldigt. Energetisch erinnert er bisweilen stark an Frank Zappas Mother of Invention, José Feliciano, Al Di Meola und vor allem an Chick Corea. Als der Kolumbianer einst ans Berklee College of Music nach Boston kam reichte sein Englisch nur bis „Jesus – Columbia – I love orange juice“. Was er aber meinte war: „Ich möchte der nächste Chick Corea sein!“. Und dorthin ist er auf dem besten Weg. Mit seiner fünfköpfigen Formation spielt er ausgefeilte Arrangements mit kraftvollen Electronic-Vibes, stehend an dreierlei Keyboards. Seinem virtuosen Tastenspiel setzt er mit Saxophon, Stimme und Timbales noch eines oben drauf.
Seine große Leidenschaft ist eben das Piano
Schließlich kam der 29-jährige Shootingstar ursprünglich vom Saxophon zum Piano; gesungen wird in Südamerka ohnehin und der Latin Groove steckt dort vielen Menschen im Blut. Der Multiinstrumentalist muss sich gewiss hinter keinem Instrument verstecken, doch seine große Leidenschaft ist eben das Piano. Das spielt er bisweilen furios und eindringlich; seine Finger fliegen über die Tasten und landen schließlich sicher in ruhigeren Harmonie-Gewässern. Jazzstandards wie Chick Corea‘s „Spain“ oder Dizzy Gillesie`s „Night in Tunesia“ interpretiert er auf seine intelligente Art mit überraschenden Breaks garniert. Rasante Unisono-Licks verschmelzen mit rockigen Gitarren-Soli oder fulminanten Bläsersätzen. Ein vollkommener Musiker, der sich auf seine Bandkollegen hundertprozentig zählen kann. Das kommt bei seinem Publikum, das sich gerne in den Groove reinfallen lassen, bestens an. Dieses hat bei der Zugabe Spaß am Call/Response-Spiel.
Einziger Wermutstropfen einer tollen Performance: Weniger laut hätte mehr Differenzierung ermöglicht. Mutmaßlicher Grund: Das Gemäuer, das den Innenhof des Stuttgarter Alten Schlosses umgibt, reflektiert bisweilen so stark, dass schnelle Melodiefolgen leicht ineinanderfließen. Dennoch möchte man dieses tolle Ambiente nicht missen. Bei derartigen Gegebenheiten kann lediglich mittels optimaler Mischpult-Einstellungen Abhilfe geschaffen werden.
Bernd Epple
Portraits von Jesus Molina










