Duo Olaf Polziehn – Jochen Feucht in der Zehntscheuer Schönaich 2026
Fotos und Konzertreview vom Duo Polziehn / Feucht

Olaf Polziehn – piano
Jochen Feucht – Tenorsaxofon
Erfolgreiches Fischen im Jazzer-Pool
Erstmalig tritt bei „Jazz in der Zehntscheuer“ ein Duo auf. Der Pianist Olaf Polziehn und sein Saxofonpartner Jochen Feucht beweisen, dass weniger oft mehr ist
Der gut gefüllte Schönaicher Veranstaltungsraum deutet darauf hin, dass der Jazz in der Schönbuchgemeinde angekommen ist. Offensichtlich vertrauen die Besucher den „Jazz in der Zehntscheuer“-Machern Judith Goldbach und Andreas Francke. Was die Beiden mit ihrem Vereinsteam veranstalten, hat Hand und Fuß. Durch ihre engen Kontakte in die Jazzmusik-Szene ziehen sie immer wieder ein paar Asse aus dem Ärmel. „Wir engagieren Musiker, die uns selbst gut gefallen und setzen auf Vielfalt“ sind sich Bassistin Goldbach und Saxofonist Francke einig.
Am Samstagabend ist es also eine kleine, aber feine Formation, deren Namen bei Kennern Zungenschnalzer erzeugen. Polziehn und Feucht musizierten einst zusammen in Peter Herbolzheimers Bundesjazzorchester und kennen sich also seit Jahrzehnten. Da braucht es keine lange Anlaufzeit, wenn die beiden mal wieder zusammen eine Bühne betreten. „Wir haben vor zwei Jahren zuletzt zusammengespielt und jetzt zweimal geprobt“, schmunzelt der Saxofonist im Pausengespräch nach dem ersten Set.
Wait and see what’s coming up
Dieses beginnt entspannt und dennoch durch die Skalen jagend mit der Feucht-Komposition „Wait And See“. Lange müssen die Besucher nicht warten, um zu sehen, dass sie es hier mit zwei Cracks ihrer Zunft zu tun haben. Herbie Hancocks „Maiden Voyage“ glänzt mit schönen Ummalungen des Themas, großen Intervallsprüngen des Sopransaxofons und einem flächig perlenden Pianospiel. In der Folge darf sich das Publikum eines wunderbaren Aufeinandereingehens des Duos und an kreativen Spiel-Figuren erfreuen.
„Man muss sich kennen um bei den vielen Impro-Parts zusammenzubleiben“, erklärt Polziehn bevor mit McCoy Tyners „Search for Peace“ mit einem lyrischen Piano-Solo und einem warmen sowie zarten Tenorsax-Solo musikalisch eine durchaus friedvolle Atmosphäre entsteht. „What a wonderful world“, könnte einem in den Sinn kommen. Das Stück hätte mit einer Dominante geendet, was mit einer Frage gleichkäme, lässt Polziehn wissen. Teil Zwei des Abends beginnt mit einem brachialen Piano-Solo, kreativ und hüpfend und führt in „Warm Jazz“ (Jochen Feucht) über. „Ich hatte während meines Studiums den Mittelweg zwischen Cool- und Hot Jazz gesucht. Dabei ist dieses Stück herausgekommen“, lässt er das Publikum wissen. Das Ergebnis? Warm-eben und unter die Haut gehend.
Porter, Shorter, Carter and more
Zum ersten Mal wird an diesem Abend eine Joao Gilberto-Nummer dargeboten. „Seit langem ein Herzenswunsch“, sagt Feucht. Eine Bossa Nova, wie sie kaum schöner interpretiert sein könnte! Eine weitere Feucht-Komposition, sowie unter anderem Cole Porter, John Coltrane und Wayne Shorter zieren das Ende des Abends, wären da nicht lautstark geforderten Zugaben. Mit „Only Trust Your Heart“ (Benny Carter) schließt sich der Kreis was die friedlichen Absichten des Duos anbetrifft. „Don Quixote“ von Egberto Gismonti leitet abschließend sanft das ruhige Finale ein.
Resümee
Der unter den Gästen weilende Keyboarder (HASA & more) Ralf Schuon resümiert: „Hochkarätige Musik, schönes Ambiente und eine sympathische Veranstaltungsreihe!“. Als Pianist fand er das virtuos groovende Pianospiel Polziehns besonders beeindruckend, sowie die harmonisch ausgefuchsten Interaktionen der beiden Musiker. Mit einem Duo-Konzert würden die Besucher auch an „Unerhörtes“ herangeführt, freut er sich über das Publikumsinteresse im schönen Ambiente der Zehntscheuer.
Text und Fotos Bernd Epple
Portraits von Olaf Polziehn
