Bodenseh’s Metronome Art – Sindelfinger Jazztage 2021

Markus Bodenseh, Bass, moog
Marc Roos, Posaune
Günter Weiss, Gitarre
Jörg Harsch, Schlagzeug

Sindelfingen, 19.6.2021

Bodenseh’s Metronome Art bei den 7. Jazztagen Sindelfingen der igkultur

Aktueller geht es kaum

Mächtig kommt das immense Schiff im Sindelfinger blauen Zelt aus jazzigem Grund und aus rockiger Tiefe. Zu viert stechen die vier Musiker ihre dichten Klänge erfrischend und kraftvoll in Zusammenspiel mit dem Klacken des fünften Elements – des sichtbar-hörbaren Metronoms – in die Weiten der musikalischen See. Auf diesen fünften Mitspieler ist als Kompass immer Verlass. Was aber auch heißt, mit diesem unsichtbar-maschinellen Ding umzugehen.

Verlass war bei Bodenseh’s Metronome Art aber nicht nur auf den Klack, sondern insbesondere auf Jörg Harsch am Schlagzeug. Passend zu den einzelnen Covers und Kompositionen von Marcus Bodenseh und von Marc Roos, war sein Fundament an den Drums energetisch wie exakt, und zugleich gut temperiert. Besonders hier zu erwähnen: Beim Tribute-Song an PJ Harvey schienen aus dem Schlagzeug Glasklänge herauszuleuchten.

In Marc Roos‘ Komposition „Lago“ fiel das Basssolo gleichsam aus der Zeit, wunderbarer Kontrast zum hohen Ticken des fünften Elements. Monks Komposition „Bemsha Swing“ wurde im Konzert zu einem modernen Strichcode – analysiert, auseinandergebaut, in Stücken fast neu zusammengesteckt. Das Farbspektrum reichte auch bei Marc Roos mit den elektronischen Loops, durch die er seinen Posaunenton durchführte, noch wesentlich orchestraler, quasi als Double seines Brasssounds.

Das Ticken der heutigen Zeit

In Suzanne Vegas „Tom‘s Diner“ war Günter Weiss‘ Gitarrenspiel so grandios, dass auch diejenige oder derjenige, die oder der Pop so gar nicht ausstehen kann oder nur banal findet hier den Song dennoch als gute Komposition unterschreiben könnte. Um es nicht gar so zu sagen: hier hat das Cover das Original getoppt.

Markus Bodenseh an E-Bass und Moog hat in den Eigenkompositionen „Metro Hype“ oder „The Coexistence of Hope and Disease“ neu zusammengesetzte Basslines kreiert, die man auf den ersten Blick zu kennen scheint, bei genauem Hinhören sind sie jedoch verwoben in die Musikgeschichte hinein und doch ihr eigenes, ganz neues Ding.

Ein insgesamt sehr intensives und gelungenes Konzert, das die Autorin dieser Reportage auch nochmal mehr nachdenklich stimmte: In der Musik von Bodenseh‘s Metronome Art könnte der/die Zuhörer:in auch das Ticken unserer heutigen Zeit wahrnehmen. Und das Spiel von Mensch und Maschine in einem Moment, in dem Vergangenheit und Zukunft aufeinandertreffen. Aktueller geht es kaum.

Anna Ohlmann

Portraits der Band Bodenseh’s Metronome Art

Portraits von Markus Bodenseh

Portraits von Günter Weiss