Blank Page im Klösterle in Weil der Stadt 2025

Florian Dohrmann, b
Joachim Staudt, sax/bcl
Christoph Neuhaus, git
Lars Binder, dr
Weil der Stadt, 9.11.2025
Die leere Seite ist längst beschrieben
Der rührige Kulturverein Manufaktur in Weil der Stadt veranstaltet seit geraumer Zeit und sehr erfolgreich eine Jazzmatinee. Das ehemalige Kapuzinerhospiz, heute von den Einheimischen liebevoll „s‘ Klösterle“ genannt, ist mit seinem speziellen Ambiente für Jazzbands und Publikum zu einer beliebten Adresse geworden. So geben sich die Heroen, der vornehmlich baden-württembergischen Jazzszene, dort gerne die Klinke in die Hand.

Am 9. November 2025 sorgte Florian Dohrmanns Blank Page für einen gut gefüllten Saal, bzw. Kirchenraum. In der Ankündigung hieß es: Inspiriert durch die Musik des Impressionisten Claude Debussy, dieses wichtigen Wegbereiters der Moderne, haben Florian Dohrmann und Joachim Staudt neue Werke und Arrangements geschaffen. Unvoreingenommen und ohne Denkverbote ist die leere Seite, „blank page“, der Ausgangspunkt, um aus Motiven und Harmonien Debussys Neues entstehen zu lassen. Die Entscheidung, nicht das Klavier als Harmonieinstrument zu besetzen, sondern eine Gitarre, eröffnet neue Wege und Freiheiten für die Interpretation und Umgestaltung.

Wenn vier Musiker dieser Klasse zusammentreffen, kann eigentlich nur Gutes dabei herauskommen. Allesamt sind sie keine Selbstdarsteller, sondern betreiben exquisite (Ton-) Raumpflege, wenn es gilt in die Welt Debussy’s einzutauchen. Wer die Herren schon einmal mit diesem Programm erleben durfte, wurde dennoch überrascht wie flexibel die Arrangements gehalten sind und wieviel „Freilauf“ sie sich gewährten. Schlagzeug und Altsaxophon/Bassklarinette blieben Dank der räumlichen Gegebenheiten unverstärkt, was das Klangerlebnis sogar noch verschönerte. Joachim Staudts butterweicher Ton, sowohl strahlend als auch zart intoniert, füllte das Gemäuer mit nahezu sakraler Stimmung. Seine runden und gefühlvollen saxophonistischen Höhenflüge gingen tief unter die Haut.

Einmal mehr offerierte der Landesjazzpreisträger und SWR-Bigband-Gitarrist Christoph Neuhaus mit welchen Gitarrenwassern er gewaschen ist. Sein facettenreich-filigranes Spiel und seine innovativen Skalen, die er der Telecaster entlockt sind vom Feinsten und dynamisch passgenau eingesetzt.
Lars Binder wechselte, der Komposition entsprechend, von Besen zu Sticks oder Schlägeln. Er entlockte seinem minimal ausgestatteten Drumset effektvoll die Beats, die ein solches Werk braucht.

Florian Dohrmann, der Strippenzieher und Initiator, spielte nicht nur den gewohnt exzellenten Kontrabass, sondern führte mit vielen Informationen über die Zeit Debussy‘s (1862-1918), sowie dessen musikalische Visionen und Einflüsse durchs Programm. Nach der unumgänglichen Zugabe und einer Zeitreise vom Impressionismus bis zum Jazz, verließen viele Besucher verklärt den Veranstaltungsort, als kämen sie gerade aus einem tollen Kinofilm. Der zweite Film von Filmemacher Dohrmann ist mit dieser Besetzung bereits in der Mache, wie er uns in der Pause augenzwinkernd verriet. Wir freuen uns darauf!
Fotos und Text Bernd Epple
Portraits von Florian Dohrmann
Portraits von Joachim Staudt
Portraits von Christoph Neuhaus
Portraits von Lars Binder
