Adi Oasis im Jazzclub Bix bei den jazzopen Stuttgart 2025
Adi Oasis – voc, b
Ben Hoffmann – keys
Aylwin Steele – git
Dru McLean – dr
Stuttgart, 3.7.2025
Futuristischer Retro-Funk im Schnelldurchlauf
„War scho a bissle kurz, des Konzert“ höre ich in S-Bahn im Gespräch von einem Herrn mittleren Alters der mir gegenüber sitzt. Auf meine Nachfrage ob er heute Abend im BIX war, bejaht er dies und fügt hinzu, dass es ja schon musikalisch super war, aber zwei bis drei Songs mehr, hätten es schon sein dürfen. So manch einer war im heimeligen gut aufgeheizten Jazzclub kurz vor halb elf etwas verwundert als die französisch-karibische Bassistin und Sängerin nach 70 Minuten inklusive einer Zugabe die Bühne verließ. Man hätte sich mehr gewünscht von dem funkigen, soulbehafteten und energiegeladenen Sound der vierzigjährigen Französin.
Vinyl ist ausverkauft, aber die Socken gibt’s noch
Ein schwelgerischer softer Sound der Begleitband eröffnet den Musikabend. Nach ein paar Minuten schwebt die französisch-karibische Schönheit regelrecht auf die Bühne und fügt sich mit ihrem wabbernden Bassspiel in das musikalische Gefüge ein. Der optische Eindruck ist äußerst sehenswert und nach kurzer Zeit bestätigt sich, dass auch ihr bassistischen und sängerischen Fähigkeiten durchaus bemerkenswert sind. Ihre erste Ansage, nachdem sie das Publikum im ausverkauften BIX begrüßt hat, sorgt für einige Lacher, als sie den Hinweis gibt, dass am Merchandising-Stand die Vinylplatten ausverkauft sind, aber es noch genug Socken gibt. Kalte Füße hat diesen Abend wohl niemand, bei den gegenwärtigen Temperaturen und ein Topseller sind die Socken dann logischerweise nicht. Aber Stimmung und Atmosphäre sind von Beginn an fantastisch und die Musikerin zieht das Publikum vom ersten Song an in ihren Bann.
Eine furchtlos, verletzliche und politische Persönlichkeit
Die 1989 in Paris als Adeline Michele Petricien geborene Musikerin arbeitete zunächst als Adeline, und veröffentlichte 2018 unter diesem Namen ihr erstes Album. In der Folgezeit arbeitete sie mit verschiedenen Künstler zusammen unter anderem auch mit Lenny Kravitz. 2023 veränderte sie ihren Bühnennamen in Adi Oasis und veröffentlichte ihr Album „Lotusglow“, welches sie beim Jazzfestival in Montreux vorstellte. Ein Großteil der Songs an diesem Abend stammt aus diesem Album. Oasis bezeichnet diese Album als sehr persönlich und gleichzeitig auch als sehr politisch. „Dieses Album ist furchtlos und gleichzeitig verletzlich und auch politisch, denn ich bin eine schwarze Immigrantin, das sind meine Wahrheiten.“ Auf Grund ihres spektakulären Bassspiels und ihren herausragenden stimmlichen Fähigkeiten ist sie ein gern gesehener Gast auf vielen Jazzfestivals, wie in diesem Jahr auf den jazzopen. Charakteristisch für ihre Musik ist ein knalliger funkiger Bass und ihre hohe Stimmlage, die das Ganze zu einem einzigartigen retro-futuristischen Sound vermengt.
Anlaufschwierigkeiten und zurückhaltende Solisten
Wahrscheinlich ist es der großen Hitze im Club zu verdanken, dass die Stimme der Künstlerin anfangs etwas dünn daher kommt und die hohen Töne noch etwas angestrengt klingen, aber nach drei Songs schraubt sich ihre Stimme mit großer Souveränität in erstaunliche Höhen. Manche ihrer Songs kommen recht poppig rüber an der Grenze zum Mainstream, doch immer wieder kriegt sie mit ihren Musikern die Kurve und driftet zurück in einen satten Soul-Funk-Jazz, der keinen mehr stillsitzen lässt. In diesem Falle wäre es bestimmt von Vorteil gewesen, den Club für diese Konzert unbestuhlt zu lassen. Die Band hält sich dezent zurück, erst nach dem sechsten Stück kommt das erste erwähnenswerte Solo, welches von Drummer Dru McLean um so kraftvoller präsentiert wir. Bei „Dumpalltheguns“, dem achten Stück des Abends, dürfen auch Ben Hoffmann an den Keys und Aylwin Steel für ein paar Minuten aus alles solistischen Rohren feuern.
Stimmlich irgendwo zwischen Whitney Houston und Tina Turner
Im letzten Teil des Konzertes wird der Bass schon mal an die Seite gelegt und Oasis zieht nochmal alle Register ihrer stimmlichen Fähigkeiten. Lasziv tänzelt sie „Tina-Turner-like“ am Bühnenrand über die Boxen und ihrer Stimme steigt phasenweise in die Höhe und in den Klang einer Whitney Houston. Nun ist endgültig Partytime und Schlagzeuger McLean fordert immer wieder von Neuem: „Make some Noise!“ Das Publikum ist begeistert von dieser vocalistischen Darbietung. Inzwischen gibt es in der Musikszene einige außergewöhnliche Bassistinnen, wie Ida Nielsen, Tal Wilkenfeld, Nik West oder Rhonda Smith, aber stimmlich ist Ad Oasis wohl alleinige Spitzenreiterin. Als die Band so nach gut einer Stunde ihr Normalprogramm beendet, ist in Gesichter der Zuhörer Erstaunen zu erkennen und ein Blick auf die Uhr erzeugt bei manchem ein Stirnrunzeln. Naja gut, Qualität hat nicht unbedingt etwas mit der Länge des Auftritts zu tun, aber man hätte doch etwas mehr als eine Stunde plus zwei kurze Zugaben von diesem energetischen komplexen Sound vertragen. Vielleicht beim nächsten Mal!
Harald Kümmel
Portraits von Adi Oasis








