Aaron Parks Little Big im Neuen Kunstmuseum Tübingen 2026
Die magische Parallelwelt des Aaron Parks
Aaron Parks -piano, keyboard
Greg Tuohey – e-guitar
Simon Jermyn – e-bass guitar
Jongkuk Kim -drums
Jazzige Ohrwürmer im Neuen Kunstmuseum Tübingen
Tübingen, 9.5.2026 Da die Steaks für die Musiker noch einmal in die Pfanne mussten, begann das Konzert mit leichter Verspätung – was die Zuhörer jedoch kaum störte. So blieb genügend Zeit, um in aller Ruhe durch die Ausstellung „95 Jahre Janosch“ im „Neues Kunstmuseum Tübingen“ zu schlendern, wo Jazz im Prinz Karl erstmals ein Konzert veranstaltet.
Aaron Parks Little Big eröffnet den Abend mit Material aus den ersten drei Studioalben; dabei erweist sich das Stück „Sports“ schnell als erster Höhepunkt. Die leichtfüßige, tänzelnde und ausgesprochen eingängige Komposition des Gitarristen Greg Tuohey lebt von einer starken Melodie, die abwechselnd von Gitarre und Piano gespielt wird. Der Song entwickelt sich so zu einem echten Ohrwurm mit Hitpotenzial – wenn’s denn ein Rocksong wäre. Viel fehlt dazu allerdings nicht, denn Tuohey spielt seine Gitarre insgesamt auffallend rockig. Besonders deutlich wird das später bei „The Machine Says No“, einem Stück, in dem er klanglich und dynamisch alles aus seinem Instrument herausholt.
Little Big mit ungewöhnlicher Besetzung
Das Quartett „Little Big“ überrascht also mit ungewöhnlicher Besetzung: neben Schlagzeug, E-Gitarre, und Parks‘ Piano kommt ein E-Bass zum Einsatz. Die Musiker interpretieren das Jazzidiom auf ausgesprochen rockige Weise und interagieren dabei mit großer Intensität, bleiben dennoch deutlich im Jazz verwurzelt. Im Zentrum der Gruppe steht das beinahe symbiotische Zusammenspiel von Aaron Parks und dem neuseeländischen Gitarristen Greg Tuohey. Ständig suchen die beiden den Blickkontakt, werfen sich anerkennende Blicke zu, lachen miteinander und vermitteln spürbar die Freude an ihrem gemeinsamen Spiel. Hervorzuheben ist auch die phänomenale Rhythmusgruppe mit dem Bassisten Simon Jermyn, der kurzfristig für die Tour eingesprungen ist und verständlicherweise nach Noten spielt, sowie dem zurückhaltend, aber höchst wirkungsvoll agierenden südkoreanischen Schlagzeuger Jongkuk Kim.
Selten tritt ein einzelner Musiker allein in den Vordergrund; expressive Soli, sonst ein prägendes Element des Jazz, spielen bei Little Big nur eine untergeordnete Rolle. Im Zentrum steht das kollektive Musizieren – der musikalische Flow und die intensive Kommunikation der Musiker untereinander. Parks überzeugt dabei nicht nur am Piano und an diversen Keyboards, sondern ebenso als Komponist komplexer und zugleich eingängiger Melodien. In Verbindung mit den pulsierenden Rhythmen entstehen so jene jazzigen Ohrwürmer, die den unverwechselbaren Charakter der Band ausmachen. Zu den Höhepunkten des Konzerts zählt das von einer unwiderstehlichen Melodie getragene, beinahe hypnotische und zugleich dunkel gefärbte Stück „Delusions“ aus der Feder von Parks.
Moderner Jazz mit Elementen aus Hip-Hop, R&B und Pop
Der 42-jährige Aaron Parks aus dem amerikanischen Bundesstaat Washington ist von unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen geprägt; selbst nennt er unter anderem Eric Harland sowie Radiohead als wichtige Inspirationsquellen. In seiner Band verbindet er modernen Jazz mit Elementen aus Hip-Hop, R&B und Pop zu einem eigenständigen, groove-orientierten Sound, der sich zwischen atmosphärischem Jazz und Indie-Rock bewegt und die unterschiedlichen Genres und Ideen fließend miteinander verknüpft.
Am Ende des zweiten Sets fordert das begeisterte Publikum vehement Zugaben, dem die Band gerne nachkommt. Als der Applaus danach nicht abreißen will, betritt Aaron Parks alleine die Bühne und gesteht auf entwaffnende Weise, dass keine weiteren Stücke mehr vorbereitet seien. Stattdessen spiele er gern einen neuen, noch unfertigen Song solo. Doch die Zuhörer lassen nicht locker, sodass Parks schließlich noch ein kurzes, etwa zweiminütiges Solostück anhängt, bevor er endgültig die Bühne verlassen darf.
Auch wenn sich einige Titel in Machart und Sound etwas ähneln, gelingt es der Band immer wieder, magische Momente entstehen zu lassen. Die Atmosphäre hätte stellenweise intimer wirken können, denn die Beleuchtung ist für die Ausstellung zwar passend, für das Konzert hätte eine stärkere Dimmung die Musiker deutlicher in den Fokus gerückt. Auch die Rückwand der Bühne mit einem übergroßen Porträt des Künstlers Janosch wirkte leicht ablenkend.
Helmut Hugo Burkhardt
Portraits von Aaron Parks











