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Abdullah Ibrahim ist gestorben

Abdullah Ibrahim bei seinem Solokonzert beim Jazzfestival Esslingen 2022
Abdullah Ibrahim bei seinem Solokonzert beim Jazzfestival Esslingen 2022

Vom lyrischen Minimalismus zur großen Hymne

Geboren wurde Abdullah Ibrahim als Adolph Johannes Brand am 9. Oktober 1934 in Kapstadt. In Kensington, einem armen Schwarzen-Viertel, wuchs er bei seinen Großeltern auf. Als Siebenjähriger begann er Klavier zu lernen, mit 15 Jahren wurde er Profimusiker. Als Begleiter von Miriam Makeba fing er unter dem Künstlernamen Dollar Brand an, wurde Bandleader der ersten südafrikanischen Jazzband, den Jazz Epistels, und war später erfolgreicher Musiker im Exil in Europa und den USA – auch dank seines Mentors Duke Ellington. Seine Komposition „Mannenberg“ wurde zu einer inoffiziellen Hymne der Anti-Apartheit-Bewegung in Südafrika. Seine Musik, die bereits in den 1960er-Jahren als einzigartiger Mix aus afrikanischen Melodien, Jazzimprovisation und spirituellen Klanglandschaften auffiel, entwickelte sich immer weiter.

Während seiner Zeit in den USA arbeitete er mit einigen der wichtigsten Musikern seiner Generation zusammen, darunter Max Roach, Elvin Jones und John Coltrane. Besonders Coltrane inspirierte Ibrahim bei seiner Suche nach einer tieferen musikalischen und spirituellen Bedeutung. In dieser Zeit vertiefte er auch sein Interesse an östlicher Philosophie und Sufismus, was seiner Musik zunehmend eine meditative und kontemplative Note gab. 1968 konvertierte er zum Islam und nahm den Namen Abdullah Ibrahim an.

Ein Kämpfer für Gerechtigkeit an vielen Fronten

Auch nach dem Ende der Apartheit verfolgte der Künstler eine Mission. Er engagierte sich für die musikalische Bildung junger Südafrikaner*innen und gründete Programme, um das kulturelle Erbe seines Landes zu bewahren. Abdullah Ibrahim gab im August 1982 eine Serie von „Freiheitskonzerten“ zum Gedenken an die durch ein Bombenattentat getötete Sozialwissenschaftlerin Ruth First, zwölf Jahre später spielte er bei der Amtseinführung Nelson Mandelas. Im Laufe der Jahre reflektierte seine Musik verstärkt spirituelle Themen, sein Spiel wurde ruhiger und meditativer und er betrachtete seine Kompositionen als eine Art von Gebet, als eine Form der Musik die transformative Kraft hat, um Heilung und Frieden zu fördern. In seinem musikalischen Leben war Ibrahim äußerst innovativ. Auch in der Opernwelt machte er sich einen Namen. 1982 wurde sein Werk „Kalahari Liberation Opera“ in Wien uraufgeführt. In dieser Oper verbindet er afrikanische Rhythmen mit klassischer Musik und erzählt von der Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung. Diese Verbindung von traditionellen afrikanischen Musikstrukturen mit westlicher Klassik macht die Oper zu einer innovativen Band zwischen zwei musikalischen Welten.

Abdullah Ibrahim war musikalisch unermüdlich und wollte seine Musik mit der Welt teilen. Seit über 10 Jahren lebte er mit seiner Frau in Aschau am Chiemsee. Dort ist er mit 91 Jahren am 15. Juni 2026 verstorben.

Harald Kümmel

Abdullah Ibrahim in der St. Dionys Kirche beim Jazzfestival Esslingen 2022
Abdullah Ibrahim in der St. Dionys Kirche beim Jazzfestival Esslingen 2022

Portraits von Abdullah Ibrahim

Wir waren bei seinem letzten, ergreifenden Konzert am 6. April 2026 bei den Theaterhaus Jazztagen in Stuttgart. Unser Bericht folgt.