Konzerte

Olivia Trummer Quartett bei den Theaterhaus Jazztagen 2026

Olivia Trummer (p, voc)
Johannes Lauer (tb)
Makar Novikov (b)
Bodek Janke (dr, perc)

Stuttgart, 2.4.2026

So schön kann Zeit vergehen

„Hast du schon mal die Zeit gespürt…“ eine einfache, fast schlichte Zeile aber auch tief-philosophische Frage. So beginnt Olivia Trummer ihr Konzert im großen Theaterhaussaal.  Alleine zuerst, am Piano, nach und nach, sacht und trotzdem akzentuiert kommt ihre Band mit ins Spiel. „Hast Du schon mal die Zeit gespürt…einfach wie die Zeit vergeht…?“ so geht dieser erste Song weiter, ein Stück aus dem Jahr 2009, zeitlos schön, ein eindringlicher Moment als Einstieg in dieses Konzert einer Künstlerin, die vor zwei Jahrzehnten von Stuttgart aus aufgebrochen ist auf ihren musikalischen Weg. Und jetzt – in diesem Theaterhaus – Konzert – lädt sie ein zu einer gemeinsamen Zeitreise einlädt.

Poesiealbum aus zwei Jahrzehnten

Olivia Trummers Stimme ist hell und klar. Da verbindet sich Zartheit mit Bestimmtheit. Ihr Piano klingt voll, steckt voller Melodien, Ideen und Klängen. Die Band ist eine vertraute Gemeinschaft, die Mitspieler kennen die Musik seit langem und von tief Innen. Bei ‘Nobody Knows’ – ebenfalls aus dem Jahr 2009 – steigt der Posaunist Johannes Lauer ein, ergänzt das Trio immer wieder mit seiner instrumentalen zweiten Stimme. Er steuert fein aufgebaute Soli bei, fügt sich auch organisch in den Gesamtklang der Band ein.

Stehaufmännchen’ ist ein rhythmisch verzwicktes und mitreißendes Stück mit raschen Breaks und einem furiosen Solo von Lauer. Ein Song aus dem Album ‘Poesiealbum’ ein Stück, erzählt Olivia Trummer, das im Lauf der Jahre immer wieder Wandlungen erfahren hat. Ihr aktuelles Programm ist selbst so eine Art Poesiealbum, in dem die Pianistin, Sängerin, Komponistin und Songwriterin ihre Lieblingslieder um sich und vertraute Weggefährten um sich versammelt hat

Olivia Trummer hat das Theaterhaus verzaubert

Sie will nicht viel erzählen, sagt sie in einer der wenigen Ansagen, will dafür lieber die Zeit nutzen für die Musik. Aber sie greift das Angangsgedanken der vergehenden Zeit nochmal auf: „Ohne die Zeit gibt es keine Musik…“ gibt sie zu bedenken und begleitet uns durch ihre Songs und durch ihre Jahrzehnte und sie nimmt das Publikum mit auf den eigenen Exkursionen durch Stimmungen, Begegnungen und – eben die eigene Zeit. ‘Strange Day’, allein am Flügel, ein Song aus dem aktuellen Album, das ist großes Kino.

Verrückt’ ein älteres Stück, ist eine Art Power – Finale der ganzen Band und lässt die Pianistin auf dem Klavierhocker tanzen. Eindringlich, einfühlsam, bunt, und in keiner Sekunde aufgesetzt ist diese Zeitreise, es ist purer Genuss. ‘Snow Colored Streets’, eine Ballade als Zugabe. Sternenstaub flirrt vom Himmel. Olivia Trummer hat uns verzaubert. Und: tatsächlich haben wir’s äußerst selten so schön erlebt, dass und wie die Zeit vergeht.

Tom Hagenauer

Portraits von Olivia Trummer

Portraits von Bodek Janke

Portraits von Makar Novikov