Konzerte

Joachim Kühn & The Young Lions bei den Theaterhaus Jazztagen 2026

Joachim Kühn (Piano)
Andrés Coll (Marimba)
Jakob Bänsch (Trompete)
Nils Kugelmann (Kontrabass)
Sebastian Wolfgruber (Drums)

Stuttgart, 28.3.2026

Forever Young – 82 und noch kein bisschen müde

Joachim Kühn bildet mit seinen musikalischen Enkeln ein brandneues Quintett und versprüht beim Eröffnungskonzert der 36. Theaterhaus Jazztagen unbändige Energie wie in seinen besten Tagen

Vieler Worte bedarf es nicht, wenn Kühn ans Werk geht. So gibt es auch im Theaterhaus keine Anmoderationen. Seine Spielkameraden könnten vom Alter her seine Enkel sein; was die aber musikalisch zu bieten haben entbehrt fast jeder Beschreibung. Ein Feuerwerk an Improvisationskunst mit Punktlandungen in Unisono-Passagen und die deutsche Jazzpiano-Ikone ist gerne Zündschnur desselben! Die jungen Löwen, zwischen 23 und 34 Jahre alt, sind kaum zu bändigen und Kühn honoriert das nach jedem Solo indem er väterlich und anerkennend lächelnd den Blick auf den jeweiligen Protagonisten richtet.

Klangfetzen finden zum Klangemälde zusammen und individuell geprägte Solopassagen kommen ebenfalls nicht zu kurz.  Andrés Coll bearbeitet sein elektrisches Marimbaphon mit tänzerischer Leichtigkeit und nicht umsonst machen ihn sein offener Geist, sein Sinn für Qualität und seine unbekümmerte Art zu einem häufigen und höchst willkommenen Partner der etablierten, aber oft unbekannten musikalischen Elite gleichgesinnter Spitzenkünstler weltweit. Unter den Fittichen von Joachim Kühn entwickelte er sich schnell und reifte schon in sehr jungen Jahren. Jakob Bänsch, der Youngster, als Kind von klassischen Berufsmusikern im Ländle aufgewachsen, begann schon mit acht Jahren Trompete zu spielen und brachte es nach 15-jähriger „Lehrzeit“ zum Meister seines Fachs und begleitete bereits einige namhafte Künstler der internationalen Jazzszene. Im Theaterhaus haut er so ziemlich alles raus was in ihm steckt!

Auch die jungen Löwen begeisterten

Nils Kugelmann bearbeitet seinen Bass sehr körperbetont und präzise im Highspeed mit phantastischen Intervallsprüngen und Flageoletts. Sebastian Wolfgruber erfreut mit innovativen Drumfiguren und ebensolchen Soli. Die energetische Dichte des Vortrags, bekommt zur Erholung auch mal eine balladenartige Verschnaufpause, bei der Bänsch seine Trompete so butterweich spielt, dass man sie, Augen geschlossen, mit einem Flügelhorn verwechseln könnte.

Dann wieder explosive und ekstatische Klangkaskaden in denen sich Kühn besonders wohl zu fühlen scheint. Der Meister umarmt am Schluss die Junglöwen und ist glücklich, wie auch das Publikum. Eine fast rockige Zugabe im Stile von „Cantaloop Island“ rundet das Gesamtbild ab. Einmal mehr hätte Turnvater Jahn seine helle Freude an Colls Bewegungen an der Marimba gehabt.

Kühn lässt es sich nicht nehmen, sich im Anschluss freudestrahlend bei allen Akteuren zu bedanken. Sein Dank ans Publikum: „Sie haben uns so angefeuert, dass wir noch besser spielten, als ich dachte!“.

Bernd Epple

Portraits von Joachim Kühn

Portraits von Jakob Bänsch

Portraits von Nils Kugelmann

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