Uli Gutscher Quartett bei JazztimeBB in der Kongresshalle Böblingen 2025
Uli Gutscher – Posaune
Werner Acker – Gitarre
Tilman Jäger – Piano
Thomas Krisch – Kontrabass
Jan-Philipp Wiesmann – Schlagzeug
Böblingen, 21.11.2025
Das Uli Gutscher Quartett / Quintett feierte Geburtstag
Nein, sie hatten sich nicht verirrt, wenngleich nebenan in Europa-Saal Cindy von Marzahn zeitgleich ihre Lachnummern zum Besten gab. Über 200 Jazzfans füllten den Württemberg-Saal bis auf den letzten Platz. Und die wussten genau warum sie Uli Gutscher, dem württembergischen „Altmeister“ der Posaune, gegenüber der jungen Berliner Komikerin den Vortritt gaben.
45 Jahre Jazzgeschichte mit alten Weggefährten des Uli Gutscher Quartetts/Quintetts waren zu erwarten. Und da ist in dieser langen Zeitspanne so einiges zusammengekommen, was das Jazzer-Herz erfreut. Werner Acker an der Gitarre bereichert den Bandsound bereits seit 1979, dem Gründungsjahr. Thomas Krisch am Kontrabass stieß in den 80ern hinzu. Diese beiden sind heute noch dabei; so auch beim Jubiläumskonzert am vergangenen Freitag bei der JazzTime. Der Schlagzeuger Herbert Wachter, ebenfalls Uli Gutscher Quintett-Urgestein, musste krankheitsbedingt passen, konnte aber durch Jan-Philipp Wiesmann adäquat ersetzt werden. Tilman Jäger (Piano), der künstlerische Leiter der Böblinger JazzTime gehört mittlerweile ebenfalls zum legendären Quintett und war deshalb mit am Start.
Im Mittelpunkt stand die Posaune
Im Mittelpunkt des Geschehens stand natürlich die Posaune und die Kompositionen des Bandleaders. Und der hatte auf seinem Instrument so einiges zu bieten. Sein polyphones Spiel unter Mitwirkung seiner Gesangsstimme ist eine seiner Spezialitäten, die er allerdings nur im Rahmen eines Intros oder einer Solopassage einsetzte. Ansonsten bewegte er sich von melodiös-zart bis hin zu kraftvollen funky- oder Latin – Grooves. Immer genügend Raum lassend für die Qualitäten seiner Mitspieler.
Tastenmeister Jäger glänzte wie gewohnt mit unglaublich innovativen und flächigen Soli, für die er viel Beifall erntete, wie auch als einfühlsamer dritter Mann der soliden Rhythmusgruppe um Krisch und Wiesmann. Über Werner Acker muss dem Jazzkenner eigentlich nicht mehr viel erzählt werden. Der ehemalige Dozent der Stuttgarter Musikhochschule ist überall dort zu finden, wo ein versierter, mit allen Wassern gewaschener Gitarrist gebraucht wird. Dass er trotz grippalem Infekt mit einer scheinbaren Leichtigkeit und Präzision agieren konnte, spricht für seine Klasse.
Von Ballade über Swing, Samba, Jazzrock, Jazz Waltz, Cool Jazz und weiteren Stilrichtungen war an diesem Abend die bunte Farbpalette von Gutschers Schaffen bestens abgebildet. Nahezu alle Kompositionen stammten aus seiner Feder. Das begeistert applaudierende Publikum bekam nach der letzten Nummer, Ackers „Cariffity“, natürlich noch eins, beziehungsweise zwei, obendrauf. Beim Klassiker „Mo Better Blues“ spielten nochmals alle ihre Trümpfe aus und mit einer jazzigen Bearbeitung von „Guten Abend, gut‘ Nacht“ mit wunderbaren Piano- und Posaunenphrasen, durften Besucher und Musiker den Genussabend wohltuend ausgleiten lassen. Ein Besucherehepaar aus Grafenau, das zum ersten Mal bei einem Konzert bei der JazzTime war, konstatierte am Ende: „Respekt vor den grauen Haaren! Das war richtig toll. Melodisch einfühlsam und auch schwungvoll! Das war nicht das letzte Mal, dass wir hier waren.“
Bernd Epple
Portraits von Uli Gutscher
Portraits von Werner Acker
Portraits von Tilman Jäger












