Jazz Is Dead – ein Triple-Konzert bei ENJOY JAZZ in Heidelberg
„Jazz Is Dead“ – eine provokante Aussage für eine Konzertreihe, aus der später sogar ein Plattenlabel hervorging. Gegründet wurde es vom Multiinstrumentalisten Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad. Das erste Konzert fand bereits 2017 statt, das erste Album erschien 2020. Nun wagte Enjoy Jazz einen mutigen Schritt und lud nicht einfach eine Band, sondern gleich das gesamte Label ein – ein weiterer Höhepunkt des Festivals. Gleich drei hochkarätige Acts standen an diesem Abend auf dem Programm.
Die Veranstaltung fand im Heidelberger Congress Center statt, das erst im April 2024 eröffnet wurde. Vor Konzertbeginn und in den Umbaupausen gab es kühle Getränke sowie DJ-Sets von Tina Edwards, die für die passende Stimmung sorgten. Wir haben alle drei Konzerte des „Jazz Is Dead“-Abends besucht.
Gary Bartz Quartet
Gary Bartz – Saxophone, voc
Barney McAll – piano
Matt Pavolka – bass
Elé Howell – drums
Den Auftakt machte das Gary Bartz Quartet. Der 85-jährige Saxophonist betrat die Bühne ganz in Weiß und Silberglitzer, voller Energie und sichtbar bester Laune. Er legte sofort los und unterbrach sein Spiel nur für kurze Gesangseinlagen. Zu hören waren Stücke unter anderem von Wayne Shorter und Michel Legrand, aber natürlich auch eigene Kompositionen wie „Precious Energy“ und „The Song of Loving Kindness“. Nach einer Stunde musste das Konzert leider enden, denn nur 20 Minuten später wurde bereits Bilal mit seiner Band erwartet.
Bilal
Bilal Oliver, vocals
Conley Whitfield, Jr., bass
Randall Runyon, guitar
Joseph Grissett, drums
Der Neo-Soul-Sänger Bilal hatte an diesem Tag erfahren, dass sein Album „Adjust Brightness“ in der Kategorie „Best Progressive R&B Album“ für einen Grammy nominiert ist. Auf dem Album verbindet er Soul, Funk und Jazz mit futuristischen und elektronischen Elementen. An diesem Abend wurde es jedoch weniger elektronisch: Seine Begleitband bestand aus Gitarre, Bass und Schlagzeug. Zusammen mit seiner außergewöhnlichen Stimme – von tiefen Lagen bis zum Falsett – und den treibenden Rhythmen begeisterte Bilal das Publikum.
Einige Fans zeigten sich überrascht, dass der Sound stellenweise fast rockig daherkam.
Adrian Younge
Adrian Younge – Electric Bass
Loren Oden – Vocal
Jack Waterson – Electric Guitar
Marcelo Buchater – Drums
Sam Reid – Keys
Tylana Enomoto – Violin
Manoela Wunder – Viola
Alba Careta – Trumpet
Alicia Camiña Gines – Tenor Saxophone
Den Abschluss bildete schließlich einer der Gründer von „Jazz Is Dead“ selbst: Adrian Younge mit seiner „Familie“, wie er seine Band nannte. Neben Gitarre, Keys und Drums wurde die Besetzung durch vier Musikerinnen an Violine, Viola, Trompete und Tenorsaxofon ergänzt – hervorragend aufeinander abgestimmt. Damit hatte der Meisterkomponist, der mühelos die Welten von Neo-Soul, Funk und Film-Jazz verbindet, alles, was er für seine Klangwelten braucht. Zu seinem Kulthit „Black Dynamite“ schrieb die LA Times: „einer der besten Soundtracks des Jahres“.
Entsprechend fühlte man sich musikalisch direkt in die 70er-Jahre versetzt. Unterstützt wurde Younge zeitweise vom Sänger Loren Oden. Beim letzten Stück ging Adrian Younge sogar mit seinem Bass ins Publikum. So wurde aus dem Konzert eine ausgelassene Party, die länger dauerte als geplant – das letzte DJ-Set fiel aus. Doch der Abend fand mit diesem energiegeladenen Finale einen würdigen Abschluss.
Portraits von Gary Bartz
Portraits von Bilal




























