Larry Grenadier und das Seim / Randalu / Klampanis / Janke Quartett in der Dieselstrasse Esslingen 2025
Larry Grenadier – bass – solo
Kristjan Randalu – piano
Trygve Seim – saxophone
Petros Klampanis – bass
Bodek Janke – drums
Esslingen, 1.11.2025
Ein Abend für Eberhard Weber beim Jazzfestival Esslingen
Eberhard Weber ist seit der ersten Ausgabe Schirmherr des Jazzfestivals Esslingen. An diesem Abend jedoch konnte der große Bassist nicht persönlich anwesend sein: Der heute 85-Jährige lebt in Südfrankreich. Seine Präsenz war dennoch deutlich spürbar.
Maximilian Merkle, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Festspiele, hatte dem Ausnahmemusiker einen ganzen Abend gewidmet. Dafür musste selbstverständlich ein ebenso herausragender Bassist eingeladen werden – und Merkle fand ihn in Larry Grenadier. Auch Grenadier hat das Kontrabassspiel im Jazz entscheidend geprägt und erweitert: Er löste das Instrument aus seiner Rolle als reines Rhythmusfundament und machte es zu einem gleichberechtigten Träger von Melodie und Harmonie. Entwickelt hat er diese Sprache als Sideman einiger der prägendsten Musiker seiner Generation – unter anderem mit Brad Mehldau, Pat Metheny und Joshua Redman aber auch Charles Lloyd und John Scofield. Die Liste ließe sich mühelos fortsetzen.
An diesem Abend stand Grenadier allein auf der Bühne – und fesselte das Publikum von der ersten Minute an. Gezupft, geschlagen, gestrichen: Sein Spiel war so facettenreich und meisterhaft, dass man auch nach 45 Minuten gerne noch länger zugehört hätte.
Nach einer kurzen Umbaupause betrat ein eigens für diesen Auftritt zusammengestelltes Quartett die Bühne. Die vier Musiker hatten bereits in anderen Konstellationen miteinander gearbeitet, doch in dieser Besetzung spielten sie erstmals zusammen.
Der Pianist Kristjan Randalu und der vielfach ausgezeichnete Schlagzeuger und Tablaspieler Bodek Janke verbindet bereits eine langjährige Zusammenarbeit – sowohl im Duo als auch im Trio des Kontrabassisten Petros Klampanis. Neu hinzu kam der norwegische Saxophonist Trygve Seim, eine der markantesten Stimmen des skandinavischen Jazz. Nicht selten wird er als bedeutendster Saxophonist des Nordens seit Jan Garbarek bezeichnet.
Seims Spiel entsprach ganz seiner ruhigen, zurückgenommenen Ausstrahlung: berückend sanfte Töne, lange melodische Bögen, viel Raum für Stille. Seine Musik ließ einen wegdämmern – als säße man in ein dickes Fell gehüllt auf der Terrasse eines Holzhauses und blinzelte in eine sonnenbeschienene, verschneite nordische Landschaft. In dieser Formation bekam er genau die Zeit, die seine Musik braucht.
Doch auch die übrigen Musiker nutzten den Raum für ausgedehnte Soli. Besonders eindrucksvoll: Bodek Janke, der zeitweise vor seinem Schlagwerk Platz nahm und mit seinem fein nuancierten Tablaspiel zusätzliche Klangfarben eröffnete.
Den Schlusspunkt setzte „Eberhard“, eine Komposition von Lyle May. In der Interpretation dieses Quartetts wurde das Stück zu einer würdigen Hommage an den großen Bassisten – und zu einem bewegenden Abschluss eines besonderen Abends.
Rainer Ortag
Portraits von Larry Grenadier
Portraits von Trygve Seim
Portraits von Kristjan Randalu
Portraits von Petros Klampanis
Portraits von Bodek Janke












