Dudli/Herring NY Project im Pappelgarten Reutlingen 2025
Vincent Herring, as
Joey Curreri, tp
Gregor Storf, ts
John Arman, g
Urs Hager, p
Clemens Gigacher, b
Joris Dudli, dm
Reutlingen, 15.10.2025
Europäisch – amerikanische Freundschaft
‘Die sind wie Rennpferde, die sind heiß…!!!…’, so kündigt Tobias Festl, Pappelgarten – Programmmacher, Wirt, Bassist, Koch & Seele dieser ziemlich einmaligen Institution für Livemusik, die Band an. Und spätestens damit ist auch das Publikum gespannt, fast angeheizt und bereit für das Rennen. Aber irgendwie gerät der Start leicht verstolpert. Statt zündendem Groove und scharfen Bläsern gibts eher atmosphärisches Knistern und nervöses Mikroknacken zwischen Bühne und Mischpult. Und so dauert es ein bisschen bis Saxofonist Vincent Herring seine Begrüßung zu Ende geführt hat und die umherschwirrenden Fragezeichen eingesammelt sind.
Etwas verzögert also galoppieren sie los. Ein aufregendes Septett steht da auf der Bühne, es dominieren die Bläser: Joey Curreri, ein junger Trompeter aus New York, Vincent Herring, Routinier und Powersaxofonist und Gregor Storf am Tenorsaxofon, die drei zeigen präzise Bläsersätze und zackige Phrasen. Zwar bliebs noch eine Weile beim Stopp & Go – Verkehr auf der Jazzrennbahn. Aber irgendwann durfte man sich beim (maximal duldsamen und verständnisvollen) Publikum entspannt mitfreuen, dass alle auf der Bühne zufrieden waren. Ab Titel drei, das war ‘Feel Like Making Love’ von Roberta Flack, da lief’s, da übernahmen Groove, Swing und Soul die Regie.
Doppelspitze mit Dudli und Herring
Die Band ist eine bemerkenswerte Combo, in der sich eine Art ‘Working Band’ des schweizerischen Schlagzeugers Joris Dudli mit amerikanischen Musikern zusammengetan hatte. Da ist Vincent Herring, mit dem er seit vielen Jahren eng verbunden ist, eine Art Hardbop – Legende, der schon u.a mit Nat Adderly, Kenny Barron oder John DeJohnette zusammengearbeitet hat und sich aktuell gern in Souljazz – Gefilden tummelt. Und da ist Joris Dudli, der vor seiner Zeit beim Vienna Art Orchestra in den USA mit Joe Henderson, Joe Lovano oder Sonny Fortune gespielt und aufgenommen und hat beim Zawinul Syndicate getrommelt.
Im Pappelgarten steht Dudli optisch eher gedimmt im Hintergrund. Sein verlässlicher und variantenreicher Groove ist aber wesentlich für die Band, er setzt die Akzente und ist zusammen mit Clemens Gigacher am Bass verlässliche Basis für das Bläsertrio in dem immer wieder der virtuos wirbelnde Trompeter Joey Curreri für Begeisterung sorgt. Bestens eingespielt und close wirkt jetzt das ganzs Septett, auch Pianist Urs Hager und John Arman an der Gitarre erschließen sich ihre Räume.
Höhepunkt: Round Midnight
Also: eine ‘sauberes’ zweites Set. Jetzt funkts, funkelts, die Bläser glänzen, Schlagzeug und Bass treiben, und Gitarre und Piano heizen. Und das, was im Ersten Set als so eine Art Möglichkeitsbaukasten ausprobiert wurde – jetzt floss die Musik. Oder im Bilde vom Anfang zu bleiben: The race is on… Höhepunkt ist ein melodiöses, temporeiches Round Midnight.
Direkt nach dem Konzert, noch etwas außer Atem am Stehtisch, da erzählen die Rennpferde noch ein bisschen aus ihrem Touralltag. An diesem Tag hatten sie sich per Bahn aus Hamburg nach Reutlingen gekämpft, am nächsten Tag steht Berlin auf dem Tourplan. Und da mahnt auch schon Joris Dudli zum Aufbruch in Richtung Hotel….und fragt, ‘wer hat eigentlich den Amp mitgenommen…?’…..
Tom Hagenauer
Portraits von Joris Dudli












