Lenny Kravitz bei den jazz open Stuttgart 2026

Der entspannte Rockstar aus dem Jungbrunnen
Er scheint sich in den letzten Jahren äußerlich so gut wie gar nicht verändert zu haben, der Mann mit der Pfeilgitarre und der Rastamähne. Als Lenny Kravitz pünktlich kurz vor einundzwanzig Uhr locker schlendernd die Bühne auf dem Schloßplatz betritt scheint sich nichts im Vergleich zu seinem letzten Auftritt verändert zu haben. Seine Gitarre und die von seinem langjährigen Weggefährten Craig Ross krachen brachial wie gehabt los und schleudern ihr jaulenden Töne über wie gewohnt perfekt eingestellte Anlage ins Publikum. Der inzwischen über Sechzigjährige hat nichts an Ausstrahlung und musikalischer Substanz verloren, es ist eher wie guter Wein der gereift ist und immer besser schmeckt. Es sucht auch immer die Nähe zum Publikum, schüttelt Hände und richtet immer inspirierende Botschaften an die Menge. Auch bedankt er sich bei Gebärdensprachdolmetscherin rechts an der Bühne, umarmt und knuddelt diese, auch ein Moment der bewegt und zeigt dass Kravitz nahbar ist und die Menschen liebt.
Seit Jahrzehnten genreübergreifende musikalische Klasse
Seine musikalische Klasse und die der Band sind unbestreitbar „High Level“. Besonders Jas Kayser, die 30-jährige Schlagzeugerin mit dem Wahnsinnswuschelkopf, hat es dem Publikum angetan. Sie wirkt wie zwanzig hat aber eine unwahrscheinliche Bühnenpräsenz, die in einem donnernden kurzem Solo unterstrichen wird und die über 7000 Zuschauer zu einem Beifallsorkan hinreißt. Kravitz genießt seinen Auftritt in vollen Zügen, das ist in jedem Augenblick seiner Show spürbar. Wie könnte er sonst einen Song wie „We are all here and we are alive“ schreiben. Wie im Text des Songs erlebt auch er an diesem Abend jeden Moment bewusst und genießt seine Darbietung. Die Menge ist ebenso verzückt und genießt ebenso wie die Band jeden einzelnen Ton, tanzt und sing im Kollektiv dazu.
Von Anfang an gibt es auch auf den Sitzplätzen kein Halten mehr, denn die enorme Ausdruckskraft und die musikalische Klasse die Kravitz bietet und die von der Bühne in die Menge schwappt ist seit Jahrzehnten ungebrochen. Der Sänger bewegt sich mühelos zwischen den Genres Rock, Funk, Soul und Blues. Diese Mischung hat an Faszination nichts eingebüßt. Immer wieder duellieren sich der Meister und sein Weggefährte Craig Ross, den er Bruder nennt mit ihren markanten Gitarrenriffs. Die „Schlussofensive“ kulminiert mit den Klassikern „American Woman“, „Fly Away“ und „Are you gonna go my Way“. Man kann sagen, dass jeder Einzelne auf dem Stuttgarter Schlossplatz an diesem fantastischen Abend den Weg mit Lenny mitgegangen ist. Besonders ist es auch zu erwähnen, dass der Superstar und seine Band wohl einen Sonderstatus genießen, was die Auftrittszeit betrifft. Normalerweise sollten die Konzerte bei den Jazz Open auf dem Schlossplatz um exakt 22.30 Uhr beendet sein. Aber Kravitz spielt einfach weiter. Erst gegen 22.45 Uhr verlässt die Band endgültig die Bühne. Keine Beschwerden, keine Polizei, nur vezückte und glückliche Menschen. Und so passt der Titel seiner Zugabe genau auf den Moment. „Let Love Rule!“
Harald Kümmel
Hier gehts zurück zur jazz open stuttgart 2026 Fotogalerie
