Beth Hart beim Winterbach Zeltspektakel 2026
Act 3: Beth Hart – Wenn die musikalische Bluesseele das Zelt rockt
Beth Hart – vocals/Keyboards
Jon Nichols – Guitar
Bill Ransom – Drums
Tom Lilly – Bass
Nähe, Zerbrechlichkeit, Nahbarkeit und energetische Explosionen
Winterbach, 25. Juli 2026
Von Anfang an spürt man, dass dies ein besonderer Abend werden wird als die „Blues-Rock-Zauberin“ Beth Hart ihre magische Ausstrahlung über das Publikum ausbreitet. Schon vom ersten Song an spürt man, dass die Sängerin die Nähe und Energie des Publikums braucht und auch einfordert um ihre musikalischen zutiefst emotionalen Explosionen in das ausverkaufte Winterbacher Zelt zu schleudern. Ein Mensch wie Beth Hart braucht wohl auch viel Energie, um sich immer wieder auf die Bühne zu pushen. Dort, sagt sie, fühlt sie sich eigentlich am wohlsten, wenn sie allein am Piano sitzt oder im Akustikset mit der Band ganz dicht bei den Fans ist. „Kommt ganz auf meine Stimmung an“, schränkt sie ein und fügt hinzu: „Ich mag es auch sehr, ins Publikum zu gehen und die Leute zu umarmen.“
Ihr Programm variiert von Konzert zu Konzert, es sind kraftvolle Bluesrock-Nummern die sich mit mit autobiografischen Balladen über ihre Drogenabhängigkeit und bipolare Störung abwechseln. Harts Konzerte sind dynamisch, intim und authentisch. Sie wechseln zwischen explosiver Energie und zerbrechlicher Intimität, verbinden persönliche Geschichten mit universell anmutenden Emotionen und lassen das Publikum tief in ihre Seele blicken – ein Live-Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst.
Spontane berührende Momente und eine perfekte Band
Es gibt viele spontane und tief emotionale Momente an diesem Abend, wenn sie beispielsweise ihren Ehemann Scott erwähnt und erzählt wie er sie aus der Drogensucht herausgeholt hat und sie in ihren schwierigen Lebensphasen vorbehaltslos unterstützt hat. Die musikalische Tiefe entsteht auch durch die Verbindung von Janis-Joplin-ähnlicher Präsenz und eigener, unverwechselbarer Energie. Die musikalische Bandarbeit mit Jon Nichols an der Gitarre, Bill Ransom am Drumset und dem Bassisten Tom Lilly, untermalt diese emotionale persönliche musikalische Achterbahnfahrt perfekt. Besonders auf der Bühne entfaltet Beth Hart ihre ganze Stärke. Ihre Auftritte leben von Dynamik, Intensität und völliger Hingabe. Mal leise und zerbrechlich, dann wieder explosiv und kraftvoll, nutzt sie ihre markante Stimme in sämtlichen Facetten.
Jeder Abend wird zum emotionalen Erlebnis, bei dem das Publikum Teil eines Spannungsbogens aus Euphorie, Schmerz, Sehnsucht und Leidenschaft wird. So erzählt sie immer wieder von ihrer schwierigen Kindheit und Jugend und wie dankbar sie ihrem Mann ist. Da ist Hart oft nah am Wasser gebaut. Ebenso, wenn sie von ihrer Schwester erzählt, die mit 22 Jahren an Aids gestorben ist. Doch Hart, die auch immer offen mit ihrer bipolaren Störung umgegangen ist, wird dann auch plötzlich wieder fröhlich. Bei „Wanna be big bad Johnny Cash“ könnte man sogar meinen, gleich tanzt sie mit einer Square Dance Gruppe über die Bühne. Da wirkt sie wie aufgedreht, geht von der Bühne hinunter ins Publikum, wo man meint, niemals einen fetzigeren Country-Song gehört zu haben. Aber klar, dies ist musikalisch eine Ausnahme gehört nicht zum Standardrepertoire von Beth Hart.
Versunkenheit am Flügel und wenige krachende Momente
Diejenigen die einen krachenden Bluesrock-Abend erleben wollten waren unter Umständen enttäuscht, aber die Mehrheit der knapp viertausend Besucher waren oft in eine stille Begeisterung versunken, die durch diese intensive Darbietung ausgelöst wurde. Wer Beth Hart live erlebt, sollte darauf gefasst sein, dass sie mitten in der Show am Klavier in Tränen ausbricht. Diese Frau ist eben nun mal keine Showmaschine, sondern lässt ihr Publikum von der ersten bis zur letzten Minute völlig ungefiltert miterleben, was gerade in ihr vorgeht. Eine professionelle Distanz zwischen Privatperson und Bühnenfigur kennt jemand wie Beth Hart nicht: „Das geht so weit, dass ich sage: ,Leute, mir geht’s gerade nicht gut, und ich brauche eure Hilfe‘.“ Die bekommt sie dann zumeist auch in großen Dosen aus dem Publikum zurückgespielt: „Ich merke, dass die Leute mit mir fühlen, dass sie meine Gefühle erkennen und akzeptieren“.
Ihre Setlist variiert von Tag zu Tag, je nach ihrer emotionalen Verfassung und für Winterbach hat die Sängerin vorwiegend die ruhigen Nummern ins Programm genommen. Wenn sie am Flügel sitzt schnurrt, pfeift und kreischt sie intensive Soundkaskaden in den Raum. Man fühlt als Zuhörer diese Ehrlichkeit und unvergleichliche Präsenz und wenn sie ganz verlassen mit ihrer vierseitigen Gitarre alleine auf der Bühne sitzt und ihre phänomenale Stimme mit ein paar spartanischen Akkorden begleitet, das ist dann Gänsehaut pur. Am Schluss nach gut 90 Minuten kracht es bei „Don`t call the Police“ dann doch nochmal ordentlich und das Winterbacher Zelt scheint abzuheben. Gemeinsam mit ihrer Band hat Beth Hart an diesem Abend für eine Show gesorgt die wohl in die Annalen des Winterbacher Zeltspektakels eingehen wird und bei den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Harald Kümmel











