Joey Calderazzo Open Air Sudhaus Tübingen Waldbühne 2026
Das Joey Calderazzo Trio präsentiert auf der Tübinger Waldbühne fein ausbalancierten Pianojazz
Joey Calderazzo (Piano)
Orlando Le Fleming (Bass)
David Hawkins (Drums)
Jazz mit nachhaltiger Wirkung – Joey Calderazzo Trio
Der 61-jährige Jazzpianist Joey Calderazzo, der mit Bach und Chopin aufgewachsen ist, bewegt sich in Bahnen, die man zweifelsohne als traditionell bezeichnen kann. Und doch ist das New Yorker Trio ganz von heute. Dass es bei ihrem Auftritt im mit rund 250 Besuchern leidlich gefüllten Sudhaus-Biergarten so gut funktioniert, hat mehrere Gründe: Calderazzo und seine beiden Mitspieler Orlando Le Fleming am Kontrabass und David Hawkins am Schlagzeug zieht es angesichts der Übermacht der Vergangenheit nicht an die Ränder. Das Trio bleibt in der wohltönenden Mitte zu Hause, gleicht die Brüche aus, die andere vielleicht lustvoll betonen würden. Vor allem weigert es sich, mit Ironie auf Distanz zu ihrem Material zu gehen.
Natürlich war Jazz schon mal mutiger. Auch gab es Zeiten, da hat Jazz mehr gewagt, tiefer in Abgründe geschaut und sich im Experimentier-Rausch selbst riskiert. Natürlich hat Jazz auch immer mal wieder vehement abgelehnt, was früher war und sich bewährt hat.
Seine Musik sucht nicht den schnellen Applaus
Beiläufigkeit liegt den drei Musikern nicht, eher wird ihre Musik von einer kostbaren Ruhe getragen. Vor allem der langjährige Pianist von Branford Marsalis und Michael Brecker hat die Gabe, einen Klavierton gleichermaßen elegant und mit Tiefgang klingen zu lassen. Gleichwohl wäre es zu einfach, Joey Calderazzo über die Namen zu definieren, mit denen er schon musiziert hat. Michael Brecker, Branford Marsalis, Dave Liebman, Richie Beirach – sie gehören selbstverständlich zu seiner Biografie. Doch ebenso selbstverständlich gehört Calderazzo inzwischen selbst in diese Reihe. 13 Alben als Bandleader dokumentieren einen Künstler, der nie stehen geblieben ist. Vor allem sein Trio ist zu jener Werkstatt geworden, in der Komposition und Improvisation, Struktur und Freiheit immer wieder neu austariert werden.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses Pianisten. Joey Calderazzo beeindruckt nicht durch demonstrative Virtuosität, obwohl er sie jederzeit abrufen könnte. Er spielt, als erzähle er Geschichten, deren Pointe nie im nächsten Akkord liegt, sondern im Schweigen dazwischen. Seine Musik sucht nicht den schnellen Applaus, sondern die nachhaltige Wirkung. Wer ihm zuhört, begegnet einem Pianisten, der vergessen lässt, wie schwierig es ist, Jazz so selbstverständlich klingen zu lassen.
Jürgen Spieß
Portraits von Joey Calderazzo
Portraits von Orlando Le Fleming









