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Markus Stockhausen – Between Earth and Sky

Albumcover von Markus Stockhausen - Between Earth and Sky
Markus Stockhausen – Between Earth and Sky

Markus Stockhausen – trumpets, fluegelhorn, synthesizer, voice
Annie Barbazza – vocals
Fabio Mina – alto flutes, electronics, bass synthesizer
Fabrizio Ottaviucci – piano
Francesco Savoretti – percussion

Veröffentlichung 28. Februar 2026

Ein Album für Klang-Enthusiasten

Der Trompeter Markus Stockhausen ist ein äußerst experimentierfreudiger Musiker. Konventionen sind ihm fremd und so geht er mit seinem neusten Album, eingespielt in Tavernago (Emilia Romagna) mit vier italienischen Musikern, das Wagnis ein, auf zwei CDs knapp zwei Stunden improvisierte Musik aufzunehmen. Wer den Bundesjazzpreisträger 2021 (Blechblasinstrumente) schon einmal live erleben durfte, sollte kaum Bedenken haben, dass auch ein Impro-Album einiges zu bieten hat – und liegt damit richtig! Auch bei allen früheren durcharrangierten Kompositionen blieb immer noch genügend Freiraum, sich vom Moment leiten zu lassen, schließlich ist der klassisch ausgebildete Trompeter auch Jazzer.

Seine Spielkameraden hat er diesmal in Italien gefunden, wo er auf langjährige Musikerfreundschaften zurückgreifen konnte, aber mit Annie Barbazza auch auf eine Neuentdeckung stieß. Ohne Improvisationserfahrung fügt sie sich mit ihrer klaren ungekünstelten Stimme nahtlos und intuitiv in das Geschehen ein. Um sich ganz dem Moment und der jeweiligen musikalischen Stimmung hinzugeben, empfiehlt Stockhausen im beigefügten Booklet, das Album mit sehr guten Kopfhörern zu genießen. Ein guter Ratschlag, will man auch die feinen Details entdecken! Bereits bei der ersten Nummer „Who Has Seen the Wind?“ bläst der Wind (woodwinds) durch Fabio Mina’s Alto-Flöte, begleitet vom Klappenklappern seines Instruments. Atem, Simme und Klangfragmenten eröffnen den Einstieg in eine geheimnisvolle Welt hinter der Materie. Stockhausens Wunsch, mit Freude und Geduld, seinen inneren Bildern zu folgen, gelingt dem Zuhörer leicht, sofern er sich auf ein musikalisches Abenteuer einlassen kann.

Markus Stockhausen am Flügelhorn im Theaterhaus Stuttgart
Markus Stockhausen im Theaterhaus Stuttgart

Das neue Bewusstsein steckt jedoch noch in den Geburtswehen

Nach Stockhausens Überzeugung geschieht aktuell ein enormer Wandel im Energiefeld der Erde. Das alles geschieht sozusagen „Between Earth an Sky“. Diese neuen Energien führen im besten Fall zu mehr Harmonie und einer friedvollen Menschlichkeit. Ein neues Bewusstsein steckt jedoch noch in den Geburtswehen. „Es ist an uns, diesen Wandel mitzugehen und die Zukunft zu umarmen, deren Mitgestalter wir alle sind“, ist er überzeugt. Diese Haltung widerspiegelt sich in den Aufnahmen, die sich teilweise verdichten, um sich dann wieder komplett zu öffnen. Das Eintauchen in Stockhausen‘s Sphärenwelt ist durchaus genussvoll; keine melodienzerhackenden Beats, dafür schwebende Sounds, die die Instrumente in ihrer ganzen Bandbreite hergeben, sowie effektvoll eingesetzte Elektronik.

Dennoch fehlt es nicht an Dynamik und unerwarteten Wendungen. Über die Strahlkraft von Flügelhorn und Trompete sowie die Virtuosität des Protagonisten müssen hier nicht mehr viel Worte verloren werden; die italienische Band scheint voll und ganz im Stockhausen-Flow mitzuschwimmen und das Aussteigen aus dem „Reise“-Schiff wird lediglich durch Freejazz-ähnliche Fragmente im Outro-Stück „Ti ricordi?“ (erinnerst du dich?) möglich, die sich jedoch alsbald wieder auflösen. Also lieber an Bord bleiben bis der Zielhafen erreicht ist. Ein Album, das die Qualität innehat, bei wiederholtem entspanntem Anhören viel Neues zu entdecken. Passive Begleitmusik ist das gewiss nicht; dafür eröffnet ein aktives Zuhören neue Welten.

Bernd Epple

Portraits von Markus Stockhausen