Konzerte

Yoshi Tschira Quintett im SWR-Studio Tübingen 2025

Yoshi Tschira (g)
Jani Laakso (trp)
Moritz Langmaier
(p)
Moritz Holdenried
(b)
Ilja Tarnopolskij
(dr)

Tübingen, 14.10.2025

Wunderbare Klangfarben, ausbalancierte Sounds

Licht, Freundlichkeit, ein leiser und feiner Groove liegt über warm gefärbten Akkorden von Yoshi Tschiras e-Gitarre und seiner Band. Jani Laakso zaubert auf Trompete oder Flügelhorn Melodien aus dem Inneren oder in die Ferne. Zusammen mit Piano, Bass (Moritz Holdenried) und Schlagzeug (Ilja Tarnopolskij) entsteht ein gemeinsames Klangbild, beginnt zu fließen und überträgt sich auf das Publikum. Es gibt und braucht auch keine Eile oder gar Hektik. Yoshi Tschiras Musik entwickelt sich eher langsam. Musik der leiseren Töne.

Es fehlen wuchtige Riffs und Statements oder abrupte Brüche, alles geschieht unaufdringlich und organisch.  Eher in Pastell und mit manchmal zarten Schattierungen entfalten die Songs ihre Farbigkeit nach und nach. Das ist Musik, die sich Zeit nimmt, sich langsam steigert und die sich dennoch spürbar aufmacht, in die Weite lockt und vielversprechende Horizonte eröffnet.

Boccia’ ist der Opener an diesem Abend, wie die meisten der Kompositionen aus der Feder von Yoshi Tschira. Alle fünf sind in Stuttgart ‘zuhause’, haben dort an der HMDK, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst zusammengefunden. Seit zwei Jahren ist die Band in dieser Besetzung unterwegs und hat dabei ihren eigenen Sound entwickelt. Und da sind weniger amerikanische Standards und Bebop oder Blues zu hören, in der Musik swingt europäischer Jazz mit. Melodien und Improvisationen von Moritz Langmaier am Piano, von Trompete und natürlich von Yoshi Tschira selbst wechseln sich ab, gehen ineinander über, verweben sich zu einem ureigenen Klangbild.

Neues SWR Studio auf dem Österberg

Junge Talente’ – unter diesem Label bietet der Tübinger Jazzclub zusammen mit dem SWR regelmäßig jungen Musiker*innen nicht nur an, im Studiosaal auf dem Tübinger Österberg aufzutreten, sondern dem Sender auch einen professionellen Live – Mitschnitt ihres Konzertes nachhause mitzugeben. Öffentlich – rechtliche Nachwuchs – Förderung für regionale Kultur – an diesem Abend mit besonderem Anlass: Der Auftritt des Yoshi Tschira Quintetts war der Start in eine neue Ära. Zwar gibt es die Reihe ‘Jazz im Studio’ seit fast 25 Jahren, aber mit Yoshi Tschira und seine Band feiert der Konzertsaal im brandneuen Neubau Premiere. Eine ziemlich geglückte Premiere, ein einladender Saal mit gut ausbalanciertem Sound und wirkt wie geschaffen für Yoshi Tschiras differenzierte Klangmalereien, die in allen Feinheiten bei Publikum ankommt.

Traumhaftes Gitarrensolo

Das zweite Set beginnt mit Sounds, Geräuschen, scheinbar ungeordnetem Klangmaterial, wie Quietschenden Becken oder Feedbacks. Eine ‘freie’ Passage aus einzelnen Tönen, aus Klangpartikeln, die sich suchen, verlieren – und schließlich finden. Ist bei dieser Band weder abschreckend noch abgedroschen, macht eher neugierig. Und mündet in ‘Tio Pepe’, ein Stück von Yoshi Tschira, das sich aus einer nachdenklichen fast einschmeichelnden Melodie zum Höhepunkt des Konzerts entwickelt. Vielleicht hat man sich gerade beim Wegträumen in dieser Musik ertappt und findet sich urplötzlich in einem Gitarrensolo, dass einen hellwach mitnimmt auf eine ausgedehnte und ziemlich begeisternde Reise. Ein Solo, wie eine Reise durch traumhafte Landschaften. Musik, von der man will, dass sie immer weitergeht, und von der man weiß, sie wird nie langweilig werden. Das Yoshi Tschira Quintett hat mit diesem Konzert den Herbst zum Leuchten gebracht.  

Tom Hagenauer

Portraits von Moritz Langmaier