Judith Goldbach Quartett mit Glox im Klösterle in Weil der Stadt 2026

Judith Goldbach Quartett
Sebastian Böhlen – Gitarre
Claus Kiesselbach – Vibraphon
Judith Goldbach – Kontrabass, Komposition
Martin Grünenwald – Percussion/ Schlagzeug
featuring
Glox
Klaus Hügl (Ltg.)
Hannah Schlayer
Luna Mohr
Sandra Graf
Gabi Schlayer
Weil der Stadt, 18.01.2026
Die Glöckner vom Klösterle
Die Bassistin Judith Goldbach hatte mit ihrem Quartett zu einem besonderen Konzert eingeladen
„Handglockenchor, was ist das?“ mag sich der ein oder andere Jazzfan gefragt haben. Die Antwort bekam er bei der Jazzmatinee am 18. Januar im Weil der Städter Klösterle geliefert. Vor der Bühne ein langer Tisch, auf dem gut 20 Glocken unterschiedlichster Größe platziert waren. Dazu kamen noch 10 Chimes und etliche Notenblätter. Neugierde bei den Besuchern im Vorfeld der ersten Glockentöne. Die sollten dann schließlich erstmals nach den Opener- Stücken des Judith Goldbach Quartetts erklingen: „Freie Variationen“ und „Change“.

Das Quartett ließ umgehend den „Speedking“ mit jagenden Unisonophrasen vom Stapel, bevor bei „Chondritchen“, mit einem fulminanten Vibraphon-Solo (Claus Kiesselbach) der Handglockenchor Glox erste Akzente setzte. Klaus Hügl, der Leiter des Ensembles, hatte das Arrangement für die Nummern der Jazzband zu Papier gebracht und punktgenau wurden entsprechende Glocken und Chimes intoniert; mit einer Qualität, die beim Publikum für staunende Gesichter sorgte.

Musikalische Interaktion auf höchster Stufe, die auch lächelnde Minen bei den Akteuren hervorrief. Im weiteren Verlauf des Vormittags glänzten die Werke, die teilweise eine jazzige Weiterführung von Béla Bartók – Kompositionen waren, mit Groove und Präzision, faszinierenden Harmonien, überraschenden Breaks und natürlich solistischer Klasse.

Quartett mit Variation
Klangplattenzauberer Claus Kiesselbach war durchgehend mit vier Schlägeln unterwegs, die er effektvoll, nuancenreich und teils in einem atemberaubenden Tempo einsetzte. Gitarrist Sebastian Böhlen versank oft in melodischen Klanggemälden aus denen dann rasende Gitarrenriffs ausbrachen. Martin Grünenwald war an diesem Morgen für Michael Fischer eingesprungen und spielte, als wäre er festes Mitglied des Quartetts: leicht, einfühlsam und bei der Samba „Bartiktok“ auch mal brasilianisch treibend.

Über Judith Goldbach braucht man eigentlich nicht mehr viele Worte zu verlieren. In unserem Online-Magazin wurde ihre musikalische Klasse mehrmals beschrieben und die Bassistin darf man durchaus in der Champions League der Viersaiten-Zupfer ansiedeln. „Ederlezi“ rundete das Konzert mit einem Akkordeon-Beitrag von Klaus Hügel gefühlvoll ab. Er und seine vier Mitstreiterinnen hatten bewiesen, dass die aus dem sakralen Kontext (USA) bekannten Instrumente durchaus auch im Jazz ihren Platz haben können. Insgesamt eine runde Sache, die gerne fortgeführt werden darf!
Fotos und Text Bernd Epple
Portraits von Judith Goldbach
