Gastbeitrag

Hanke Brothers beim New Classical Music Festival Böblingen 2025

Hanke Brothers beim New Classical Music Festival im SparkassenForum Böblingen 2025
Hanke Brothers beim New Classical Music Festival im SparkassenForum Böblingen 2025

Fabian Hanke – Tuba, Violine
Jonathan Hanke – Klavier
Lukas Hanke – Viola, Percussion
David Hanke – Blockflöten

Virtuose Grenzüberschreiter

Die Hanke Brothers rocken zum Abschluss des 2. New Classical Musical Festivals das ausverkaufte Böblinger SparkassenForum

Ist das Jazz, oder was? Es ist das was alle Genres verbindet, nämlich Musik! Und zwar eine Musik, die das Genreschubladendenken hasst wie der Teufel das Weihwasser. Dies schafft Raum für Begegnung, für neue Klänge und neue Impulse

Die Hanke Brothers, vier Brüder aus Sindelfingen und OPUS KLASSIK – Preisträger 2024, haben mit diesem Festival einen Begegnungs- und Erlebnisort geschaffen, der in dieser Art wohl ein Alleinstellungsmerkmal innehat. Mit ihrer Musik erweitert die Formation den Horizont der klassischen Musik. „Klassik, Pop, Jazz? Der Groove verbindet alles!“, sind sich die Brüder einig. In einem klassisch geprägten Elternhaus aufgewachsen, kamen die vier Jungs, geboren zwischen Anfang der 90er und Anfang der 2000er, schon früh mit der Musik in Berührung. Beide Elternteile sind Berufsmusiker und konnten ihren Sprösslingen somit eine frühe Förderung zugutekommen lassen. Ihre Söhne nahmen dieses Geschenk gerne an. Dass sie neben ihrer Geschwisterbeziehung auch noch eine wertschätzende Freundschaft verbindet, führte dazu, dass sie 2017 die erste „Boyband der Klassik“ gründeten, mit dem Ziel, musikalische Grenzen und deren Überwindung auszuloten.

Hanke Brothers beim New Classical Music Festival im SparkassenForum Böblingen 2025
Hanke Brothers beim New Classical Music Festival im SparkassenForum Böblingen 2025

Und noch ein Alleinstellungsmerkmal: Das Besondere bei den Hankes ist die Instrumentenzusammensetzung. Fabian, der jüngste, liebt sowohl hoch, als auch tief. Violine und Tuba, was für eine Kombination! Am anderen Ende spielt David, der älteste, diverse Blockflöten; am letzten Konzertabend dieses Festivals sind rund 14 davon im Einsatz – in allen Größen, Stimmungen und Formen, von Sopranino bis Großbassblockflöte! Bevor der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal mit der Hankemusik beglückt wird, gibt David noch ein paar Zahlen bekannt. So wurden diese 16 Festival-Tage über ein Jahr lang vorbereitet. Mehr als 3000 Besucher ließen sich ein äußerst abwechslungsreiches Programm nicht entgehen, rund 210 Musiker standen auf der Bühne und jeder der Hanke-Brüder verbrachte 58 Stunden on stage.

Es groovt auch ohne Schlagwerk

Das Opening (Oliver Davis) deutet bereits erste jazzige Phrasen, mit Blue Notes garniert, an. Es groovt auch ohne Schlagwerk und die dynamischen,  positiv anmutenden Melodieführungen erinnern an Filmmusik. Aufgelöste Akkorde und eine einfühlsame, keineswegs aufdringliche Tuba vervollkommnen die Stimmung. Jonathans Komposition, noch ohne Namen, ist eine gesunde Mischung aus Klassik und Pop und strotzt vor Energie und Einfallsreichtum. Dann folgen in einer weiteren Oliver Davis-Komposition zärtliche Zweistimmigkeiten von Tuba und Blockflöte. Singend und schön ergänzen sich diese beiden gegensätzlichen Instrumente. Mit einer frischen Brise (Die frische Brise – Christoph König ) wird das Publikum umweht, bevor es klangverzaubert in die Pause entlassen wird.

Hanke Brothers beim New Classical Music Festival im SparkassenForum Böblingen 2025
Hanke Brothers beim New Classical Music Festival im SparkassenForum Böblingen 2025

Ein phantastisches Klanggemälde mit rasanten Unisono-Figuren, überraschenden Breaks und melodischen Wendungen! Es folgt in Halbzeit Zwei das Mozart Mashup, quasi ein modifiziertes Klassik-Medley mit genialem Tuba-Solo. Was wäre, wenn Chopin schon Tangos geschrieben hätte? Die Antwort wird im e-Moll Prelude gegeben, mit „Schmachtvioline“ und Geige/Bratsche Licks, die melodisch bis feurig daherkommen. Die Bandoneon-Stimme übernimmt Jonathan mit einer Melodica. Man sieht Astor Piazzolla förmlich vom Himmel herabschmunzeln! Schließlich für viele das Highlight des Abends: Die Improvisation über Themen aus dem Publikum. David geht durch die Publikumsreihen und sammelt Stimmungen, bzw. Musikstücke.

Die Improvisation über Themen aus dem Publikum

Die Zurufe lauten: Also sprach Zarathustra, Summertime, Bolero und Don’t Worry – Be happy. Kurze Absprache auf der Bühne und los geht’s! Wer glaubt, klassisch geprägte Musiker können nur nach Noten wird schnell eines Besseren belehrt. Dieses spontan entstandene Medley strotzt vor Einfallsreichtum und dynamischer Virtuosität und wird frenetisch beklatscht. „Tja, das gibt’s nur heute“, schmunzelt David, der humorvoll und informativ durch das gesamte Programm führt. Last but not least Aleksey Igudesmans Europa, für die Hankes komponiert (aus Seven Continents). Es beginnt mit gregorianischem Gesang (hier mehrstimmig) – singen können die also auch – gefolgt von szenischen Improvisationen (Degenkampf mit Geigenbögen, Kosakentanz ….) irischen Melodien, An der schönen blauen Donau (Strauß), Die Moldau (Smetana). Arrangements und Darbietung, an Schönheit kaum zu überbieten! Standing Ovations!

Hanke Brothers beim New Classical Music Festival im SparkassenForum Böblingen 2025
Hanke Brothers beim New Classical Music Festival im SparkassenForum Böblingen 2025

Unter zwei Zugaben kommt diese Ausnahmeformation nicht von der Bühne. Ein runder Festival-Abschluss an diesem ersten Oktobersamstag.

Randbemerkung:
Jonathan studiert Master in Komposition bei Gregor Hübner und Fabian trifft sich immer wieder mit Veit Hübner zum gegenseitigen Bass / Tuba – Unterricht. Soviel zum Thema „Können Klassiker auch Jazz?

Text: Bernd Epple – Fotos: Bernd Epple und Benjamin Knoblauch

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