Konzerte

David Helbock / Julia Hofer Duo im Bechstein Centrum Tübingen 2025

David Helbock – piano
Julia Hofer – bass, cello

Tübingen, 12.12.2025

Die Freiheit des Jazz

David Helbock und Julia Hofer glänzen im Tübinger Bechstein Centrum mit stilistischer Bandbreite

Rendezvous mit David Helbock und Julia Hofer: Der österreichische Jazzpianist und seine Landsmännin Julia Hofer aus Wien am E-Bass und Cello pflegten im ausverkauften Bechstein Centrum Tübingen den experimentellen Dialog zwischen Offenheit und Präzision.

Sein Name hat in der internationalen Jazzszene einen guten Klang – genau wie die Musik, für die David Helbock steht. „Alles, was er spielt, klingt richtig„, rühmte ihn einst ein New Yorker Kritiker. „Er ist geschmackvoll und lyrisch, er ist ein wahrer Grenzgänger und nur wenige Pianisten erreichen seine Virtuosität und Vielseitigkeit“. Sehr leise beginnt das Duokonzert und es wird anderthalb Stunden später ebenso enden. Dazwischen umfasst das Programm Titel von Prince sowie Thelonious Monk, eine Cello-Version von George Gurdjieffs „Woman’s Dance“ sowie eine Soul-Funk-Interpretation von Eddie Harris‘ „Freedom Jazz Dance“.

Die beiden Musiker, die sich durch ihre Energie, ihre dynamische Kommunikation und ihren Sinn für ungezügeltes Abenteuer auszeichnen, lupfen sich die Bälle auf der Grundlage von schnelleren Stücken und Balladen gegenseitig zu. Die Kompositionen beginnen häufig mit wenigen Tönen und steigern sich zum Ende hin zu einem dynamischen Prozess. Es entsteht ein tonaler Gedankenaustausch, bei dem die Stücke ganz und gar jazzig daherkommen und gleichzeitig einen berührend-elegischen Touch ausstrahlen. Überladung ist den beiden österreichischen Musikern völlig fremd, vielmehr zählt allein das Zwiegespräch von Klavier sowie abwechselnd von E-Bass, Fretless-Bass und Cello.

Faces Of Night

Ob sie nun von David Helbock , Julia Hofer oder Prince stammen, die Beiden verleihen der Musik, die an diesem Freitagabend gespielt werden, über die Konstellation hinaus stets neue Farben. Ausschließlich gehen sie zurück auf das im September diesen Jahres veröffentlichte Album „Faces Of Night“, das erste der gemeinsamen Diskografie von Helbock und Hofer. Dabei zieht der Pianist zuweilen die Melodie hinüber in seine Welt, indem er Inside-Piano-Techniken einsetzt oder das Innere des Klaviers als Perkussionsinstrument verwendet. Die Stücke, in denen Gegensätze möglich sind und sich gleichzeitig ergänzen, suchen nicht das Grelle, sie gehen in die Tiefe. Mit einem unwiderstehlichen Sog ziehen sie den Zuhörer hinein in einem Prozess der gleichberechtigten Kommunikation zwischen den beiden Musikern.

Mit bekannten Popsongs wie „Purple Rain“ und „Sexy Mother Fucker“ von Prince oder mit klassischen Bearbeitungen entwickelt das Duo einen zeitlosen Jazz und erreicht damit eine spielerische Freiheit ohne Auflösung der Form. David Helbock und Julia Hofer versinken geradezu in ihrer Musik und tauchen erst nach der zweiten Zugabe wieder auf.

Jürgen Spieß

Portraits von David Helbock

Portraits von Julia Hofer