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Roni Eytan – Melody People – Album-Review

Review des Albums von Roni Eytan

Roni Eytan – Melody People

Roni Eytan – harmonica / microtonal harmonica
Shai Maestro – piano
Nitzan Bar – guitar
Barak Mori – bass
Daniel Dor – drums

Special Guest
Mayu Shviro – cello

Roni Eytan zwischen Jazz, Folklore und persönlicher Erinnerung

Label: PKmusik | Veröffentlichung: 30. Oktober 2026

Die Mundharmonika gehört im Jazz nach wie vor zu den eher ungewöhnlichen Instrumenten. Zwar haben Musiker wie Toots Thielemans, Larry Adler oder Grégoire Maret eindrucksvoll bewiesen, welches Ausdruckspotenzial in ihr steckt, doch bleibt ihre Rolle innerhalb moderner Jazzformationen vergleichsweise überschaubar. Mit seinem Debütalbum Melody People möchte der aus Jerusalem stammende Mundharmonikaspieler und Komponist Roni Eytan diese Grenzen erweitern. Dabei verbindet er zeitgenössischen Jazz mit musikalischen Traditionen des Nahen Ostens, Nordafrikas und der jüdischen Kultur.

Eytans musikalischer Werdegang ist bemerkenswert. Nach seinem Studium am Berklee College of Music arbeitete er unter anderem mit Danilo Pérez zusammen und wurde 2018 als erster Mundharmonikaspieler in das renommierte Thelonious Monk Institute aufgenommen. Diese Erfahrungen bilden den Hintergrund eines Albums, das weniger auf instrumentale Virtuosität als Selbstzweck setzt, sondern die Melodie als verbindendes erzählerisches Element in den Mittelpunkt stellt.

Roni Eytan – Melody People Band

Neue Klangwelten zwischen Tradition und Moderne

Unterstützt wird Eytan von einer hochkarätigen Besetzung: Shai Maestro am Klavier, der zugleich als Produzent verantwortlich zeichnet, Nitzan Bar an der Gitarre, Barak Mori am Bass und Daniel Dor am Schlagzeug. Hinzu kommt Gastcellistin Mayu Shviro. Die kammermusikalische Ausrichtung des Ensembles eröffnet Raum für differenzierte Arrangements und einen intensiven musikalischen Dialog.

Bereits der Opener „Winter Dance“ verdeutlicht die besondere konzeptionelle Ausrichtung. Im Zusammenspiel mit Daniel Dor rücken nahöstlich geprägte Rhythmen und die mikrotonalen Möglichkeiten von Eytans eigens entwickelter Mundharmonika in den Vordergrund. Gerade diese Erweiterung des traditionellen Tonmaterials ist ein spannender Aspekt seines musikalischen Ansatzes. Sie ermöglicht Ausdrucksformen, die über die gewohnten harmonischen Strukturen des westlichen Jazz hinausreichen.

Mit „Hopeful“ folgt eine nachdenklichere Komposition im 6/8-Takt, deren dramaturgischer Aufbau auf ein intensives Crescendo zielt. Stücke wie „Tears (A Mother’s Lament)“ und „Like a River“ widmen sich dagegen melancholischeren Stimmungen. Insbesondere die Einbindung des Cellos verleiht Letzterem eine zusätzliche kammermusikalische Dimension. Einen lebendigeren Gegenpol bilden das Titelstück „Melody People“ und das vom Flamenco beeinflusste „A Modern Folk Tale“, in denen unterschiedliche musikalische Traditionen aufeinandertreffen.

Roni Eytan – Mundharmonika

Melodien als Brücke zwischen den Generationen

Bemerkenswert ist auch die Auswahl der Fremdkompositionen. Jacques Brels „Ne Me Quitte Pas“ stellt eine Verbindung zur Tradition von Toots Thielemans her, während Yoni Rechters „Hayalda Hachi Yafa BaGan“ Eytans kulturelle Herkunft aufgreift. Solche Bezüge erscheinen innerhalb des Albumkonzepts keineswegs zufällig, sondern unterstreichen die Auseinandersetzung mit musikalischer Identität und Erinnerung.

Besonders persönlich wird es schließlich bei „Elegy for Saba“. Das Duett mit Shai Maestro ist Eytans Großvater gewidmet, der ihm traditionelle Melodien vermittelte und damit seine musikalische Entwicklung nachhaltig prägte. Hier verdichtet sich die zentrale Idee des Albums: Musik als generationenübergreifende Sprache, die Erinnerungen bewahrt und zugleich neue Ausdrucksformen ermöglicht.

Melody People präsentiert einen Künstler mit einer klaren musikalischen Vorstellung. Die Verbindung aus Jazzimprovisation, folkloristischen Einflüssen und mikrotonaler Klanggestaltung verspricht eine eigenständige Perspektive auf die Möglichkeiten der Mundharmonika. Konzeptionell ist Roni Eytans Debüt ein ambitioniertes und vielschichtiges Projekt, das Tradition nicht als starres Erbe, sondern als Ausgangspunkt für musikalische Weiterentwicklung versteht.

TRACKS [Total Time: 57:36]

  1. Winter Dance [2:19]
  2. Hopeful [3:31]
  3. Melody People [8:31]
  4. Tears (A Mother’s Lament) [6:34]
  5. A Modern Folk Tale [7:38]
  6. Before It Begins [1:13]
  7. Like A River [4:43]
  8. Harmonica Song (For Dave) [3:24]
  9. Elegy for Saba [8:30]
  10. Melody People (Holding | Letting Go) [1:26]
  11. Hayalda Hachi Yafa Bagan [3:34]
  12. Ne Me Quitte Pas [6:10]

All music composed and arranged by Roni Eytan except:
06 “Before It Begins” by Mayu Shviro
11 “Hayalda Hachi Yafa BaGan” by Yoni Rechter (lyrics by Yehonatan Geffen)
12 “Ne Me Quitte Pas” by Jacques Brel, arranged by Roni Eytan

Recorded at La Buissonne, Pernes-les-Fontaine, France
Recorded and mixed by Gérard de Haro, assisted by Matteo Fontaine
Mastered by Nicolas Baillard at La Buissonne Mastering Studio

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